PfadnavigationHomeGeschichte80er-TV-SerienklassikerMit Köpfchen statt Knarre wurde „MacGyver“ zum weltweiten KultStand: 13:58 UhrLesedauer: 4 MinutenRichard Dean Anderson als MacGyverQuelle: picture alliance/Everett Collection/©Paramount/Courtesy Everett CollectionDie US-Schusswaffenlobby NRA war alles andere als begeistert, sie rief sogar zum Boykott der TV-Serie „MacGyver“ auf. Denn ihr Titelheld lehnte Pistolen und Revolver strikt ab. Stattdessen setzte er auf trickreiche Ideen.Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, um erfolgreich zu sein. Etwa im Falle der Serie „MacGyver“, die heute als eine der TV-Ikonen der 1980er gilt; einem Jahrzehnt, das etliche Klassiker hervorbrachte, darunter Kinofilme, Popsongs, Videogames und Werbespots – und eben Krimiserien und -reihen.Dieses Genre war im Fernsehen seit jeher populär, und in jeder Dekade gab es Highlights; von der US-Serie „Dragnet“, die in den 1950ern ein großer Hit war und die deutsche Serie „Stahlnetz“ inspirierte, über „77 Sunset Strip“, die in den 60ern begeisterte, bis zu den „Straßen von San Francisco“ und dem deutschen „Tatort“ in den 70ern, um nur einige zu nennen.Doch in den 80ern lief der TV-Krimi zu neuer Hochform auf, nach Meinung vieler war diese Dekade das „goldene Zeitalter“ des Genres. Während in Deutschland Kommissar Schimanski den „Tatort“ aufmischte, entstand jenseits des Atlantiks eine Fülle von Hit-Krimiserien. Sie hatten das typische 80er-Jahre-Flair, waren „cool“, actionreich, spannend und amüsant. Noch heute haben „Ein Colt für alle Fälle“, „Trio mit vier Fäusten“, „Magnum“, „Miami Vice“ (und viele weitere) etliche Fans.Lesen Sie auchAll diesen Produktionen war gemein, dass ihre Titelhelden Schusswaffen trugen und in praktisch jeder Folge auch zum Einsatz brachten. Nicht ohne Grund. Zum einen war es eben realistisch, dass Polizisten und Detektive im Job mit Pistolen und Revolvern ausgestattet waren. Zum anderen war waffenstarrende Action in den 80ern enorm populär – nicht nur im Fernsehen war die Luft in den USA äußerst bleihaltig, auch im Kino mähten Actionhelden wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Chuck Norris ganze Heerscharen von Gegnern nieder.Nicht so Angus MacGyver, gespielt von Richard Dean Anderson. Erdacht vom US-Autor und Produzent Lee David Zlotoff, war der TV-Serienheld von 1985 bis 1992 auf dem US-Sender ABC und in Deutschland von 1987 bis 1992 auf Sat.1 zu sehen.Lesen Sie auchMacGyver lehnte den Einsatz von Feuerwaffen konsequent ab, und auch sonst vermied er, wenn möglich, tödliche Gewalt. Dies, obwohl er als eine Art Geheimagent im Auftrag der Phoenix Foundation etliche gefährliche und actionreiche Abenteuer meisterte, in denen er selbstredend für das Gute kämpfte, Menschen in Not rettete, Verbrechen vereitelte. Der Grund für seine strikte Haltung wurde schließlich in einer Episode der Serie enthüllt: Beim gemeinsamen Spielen mit einer scharfen Waffe starb in seiner Kindheit ein Freund von ihm.Lesen Sie auchUnd so führte MacGyver statt eines Schießeisens ein Schweizer Taschenmesser mit sich, das er in vielen Situationen trickreich einsetzte. Als jemand, der sich mit Physik und Chemie bestens auskannte, zweckentfremdete er außerdem in origineller Weise etliche, oft alltägliche Gegenstände und Substanzen, um sich aus brenzligen Situationen zu befreien: darunter Büroklammern, Angelseile, Autobatterien, Klebeband, Drahtbügel, Fußmatten, Whiskey, Gasflaschen etc. Etwa um Fahrzeuge zum Laufen zu bringen, Sprengsätze zu bauen (oder zu entschärfen), Fallen zu installieren, Ablenkungsmanöver zu schaffen oder Türen aufzubekommen.Dieses trickreiche Basteln wurde zu einem Markenzeichen der Serie und ist bis heute als das „MacGyvern“ bekannt – wenn man etwas originell und mit ungeahnten, einfachen Mitteln repariert oder baut, dann „macGyvert“ man es.In sieben Staffeln mit insgesamt 139 Episoden sowie zwei TV-Filmen wurde die Serie weltweit Kult und hat bis heute viele Fans. Dabei sah es anfangs eher nicht danach aus: Schon die Produktion der Pilotfolge war holperig, es gab Streit um den Schnitt. Später störte sich die einflussreiche US-Schusswaffenlobby NRA an der Anti-Knarren-Haltung der Serie und rief sogar zum Boykott auf. In den USA waren die Einschaltquoten gut, wenn auch nicht überragend – erst in Europa ging die Produktion durch die Decke.Lesen Sie auchAufgrund ihres anhaltenden Kultstatus’ wurde ab 2016 eine Neuauflage mit einem neuen, jungen Hauptdarsteller produziert, die in den USA in 94 Episoden bis 2021 auf CBS lief; in Deutschland wurde sie ab 2017 abermals von Sat.1 ausgestrahlt. Doch nach Meinung vieler konnte sie – wie so viele Remakes und Reboots altbewährter Stoffe – dem Original nie das Wasser reichen. Die Fans der alten Stunde sehen beim „MacGyvern“ weiterhin lieber Richard Dean Anderson zu, der sich auch in einer weiteren Kult-Serie eine große Fangemeinde erarbeitete: „Stargate“, basierend auf Roland Emmerichs gleichnamigem Sci-Fi-Fantasy-Kinohit von 1994. Doch das ist eine andere Geschichte, demnächst auf WELTGeschichte.„MacGyver“ ist beim Streaminganbieter Joyn aktuell in der Flatrate und bei Amazon Prime in den Channels „Kabel Eins Classics“ und „Seven Entertainment“ enthalten.Martin Klemrath blickt für WELTGeschichte neben klassischen historischen Themen auch regelmäßig auf popkulturelle Phänomene vergangener Jahrzehnte zurück. Darunter eine weitere bahnbrechende Serie der 80er und 90er: „Eine schrecklich nette Familie“.
80er-TV-Klassiker „MacGyver“: Diese ungewöhnliche Idee machte die 80er-Serie weltweit zum Kult - WELT
Die US-Schusswaffenlobby NRA war alles andere als begeistert, sie rief sogar zum Boykott der TV-Serie „MacGyver“ auf. Denn ihr Titelheld lehnte Pistolen und Revolver strikt ab. Stattdessen setzte er auf trickreiche Ideen.






