Das Gewerbegebiet am Rappenweg gehört bislang nicht zu den schönen Ecken Truderings. Aufeinander gestapelte Container, abgestellte Autos, alte Lagerhäuser. Es ist ein karges Areal, das entlang der Bahnlinie nach Rosenheim verläuft und sich südlich vom Riemer Park befindet. Östlich grenzt es an den Stadtteil Gronsdorf in Haar. Auf der rund 26 Hektar großen Fläche soll in den kommenden Jahren ein Quartier mit bis zu 2700 Wohnungen entstehen, 50 Prozent davon gefördert. Neben Kindertagesstätten soll es dort auch Gewerbe und Einzelhandel geben. Das Projekt läuft unter dem Namen „Gute Uta“. Diese soll im 11. Jahrhundert ihre Grundstücke in Trudering der örtlichen Kirche vermacht haben.Eine Planungsgemeinschaft aus Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern hat zwischen Oktober 2025 und März 2026 einen „Masterplan“ entworfen, also einen finalen Entwurf. Der sieht mehrere, größtenteils acht Stockwerke hohe Blöcke mit Innenhöfen vor. Dazu kommen vier Hochhäuser im Zentrum des Quartiers, das höchste soll rund 65 Meter haben. Insgesamt sieht die Planung mit einer Geschossflächenzahl von 3,0 eine sehr dicht bebaute Siedlung vor, was sowohl der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem als auch die angrenzende Stadt Haar kritisch sehen.Der BA-Vorsitzende Stefan Ziegler (CSU) sagt, er begrüße die geplante Bebauung. Ihm sei vieles lieber, als was dort bislang geboten ist. „Aber müssen es wirklich acht Stockwerke sein?“ Zudem werde das Bauprojekt den Stadtteil zusätzlich belasten. Die Stadt Haar und ihr Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) teilen mit, dass die Planung eine „Abweichung von der interkommunal abgestimmten Vorgehensweise“ darstelle, die zu einer „unmaßstäblichen und für Gronsdorf erdrückenden Entwicklung“ führe.Ein Konzept aus dem Jahr 2021 sah am Rand des Quartiers Gebäude mit zwei bis drei Geschossen vor und im Inneren nur vier bis fünf Stockwerke. Die 70 Meter zwischen dem Quartier und Gronsdorf reichen laut Bukowski als Puffer nicht aus, „um die massive Bebauung gegenüber der kleinteiligen, gartenstadtartigen Bebauung Gronsdorfs abzumildern“. Bukowski fordert deswegen, dass die Bebauung zum Ortsrand deutlich abgestuft wird und einen „sanfteren Übergang“ zu Gronsdorf und zum Riemer Park bildet. Nach Auffassung von Bukowski erfüllt der Masterplan nicht die Vorgaben der Hochhausstudie der Landeshauptstadt, weil er eine Anhebung des Geländes um zehn Meter vorsieht, wodurch die vier Hochhäuser des Quartiers „noch stärker hervortreten“.Auch im Punkt Verkehrsanbindung der Siedlung ist Bukowski nicht mit dem Masterplan einverstanden. Geplant ist eine Brücke über die Bahntrasse zur Mauerseglerstraße. Haar favorisiere eine Unterführung, um die „visuellen Auswirkungen“ zu mindern. Außerdem soll das Quartier nicht über die Herzogstandstraße mit Gronsdorf verbunden, sondern vorwiegend über das Münchner Straßennetz erschlossen werden.Die Stadtbaurätin hat sich zuversichtlich gezeigtDie Belastung der Böden auf dem Areal schien dagegen kein Problem mehr darzustellen. Das Gewerbegebiet befindet sich auf einer ehemaligen Kiesgrube, bei der man davon ausgehen muss, dass sie in den vergangenen Jahrzehnten mit Schutt und Industrieabfällen befüllt wurde. Im Stadtrat war im Oktober im Zusammenhang mit den Plänen für ein Wohngebiet noch vom „Wohnen auf der Müllkippe“ die Rede. Stadtbaurätin Elisabeth Merk hat sich dennoch und mit Verweis auf mehrere Gutachten zuversichtlich gezeigt, auf dem Gebiet bauen zu können.Dass mit der Bayerischen Hausbau einer der sieben Eigentümer des Geländes, zu denen auch die Stadt München selbst gehört, nun aus dem Projekt aussteigt, lässt dennoch an der Tauglichkeit des Areals zweifeln. „Da das Grundstück am Rappenweg bis zu 24 Meter Tiefe kontaminiert ist, ist eine Entwicklung komplex“, teilt ein Sprecher der Bayerischen Hausbau auf Anfrage mit. Dem Unternehmen gehörte der größte Anteil des Grundstücks. Diesen hat es nun an das Münchner Unternehmen Alp.X-Group und an ein Unternehmen der Edmond-de-Rothschild-Gruppe verkauft. Letzteres hat sich auf die Entwicklung kontaminierter Flächen spezialisiert und erhält dafür Fördermittel der EU.Das Bebauungsplanverfahren der Stadt dürfte sich trotz des finalen Entwurfs noch etwas ziehen. Das Planungsreferat teilt auf Anfrage mit, es rechnet mit einem Satzungsbeschluss im Jahr 2029 oder 2030. Erst danach können die Bauanträge gestellt werden.