Bei einem Besuch an der Merseyside pirschen sich auf einem Boot zwei extrovertierte Unterhaltungskünstlerinnen an die Passagiere heran.
G anz Liverpool ist ein Musikerlebnispark. Beat-Nostalgiker können unter „blue suburban skies“ durch sämtliche Strophen der Penny Lane spazieren. Am Roundabout vor dem Refrain biegen wir ab, um Johns Kinderspielplatz Strawberry Field und das Grab von Eleanor Rigby zu suchen. Alle Sehenswürdigkeiten sind leicht zu finden, weil Busflotten davor parken.
Im Giftshop von Strawberry Field werden wir fast von einer US-Reisegruppe niedergetrampelt, weil preisreduzierte Beatles-Figurinen eine Stampede ausgelöst haben, sonst zeigen sich die Liverpooler Vororte von der „Peace, Love and Idolation“-Invasion unbeeindruckt. In den Reihenhäusern wächst noch immer britische Working Class heran. Das innerstädtische Viertel um den Cavern Club wurde dagegen zum Beatles-Ballermann umgestaltet. Die Gastronomen demonstrieren gegen den Verlust der größten Liverpooler Band aller Zeiten, indem sie nur heillos betrunkene Menschen ans Karaoke-Mikrofon lassen. Wir fliehen die laute Gedenkstätte und wollen die „Ferry cross the Mersey“ der Pacemaker nehmen.
Die Uferpromenade ist zur Pride-Saison bunt beflaggt. Um die Passagiere auf den Kampftag hinzuweisen, entern zwei Dragqueens das Schiff. Die berufsbedingt extrovertierten Unterhaltungskünstlerinnen pirschen über die Decks, damit sich alle Reisende mit ihnen handyfilmen lassen. Das können wir den Kulturschaffenden nicht übel nehmen, schließlich hat jeder seine Social Media zu füllen. Mitmachen wollen wir aber auch nicht.






