Der andere BlickCornelius WelpStaatliche Eingriffe machen Wohnen teurer. Dass sie Mieter schützen, ist eine gefährliche Illusion.Die Linke in Berlin will Vermieter kontrollieren und Immobilienkonzerne enteignen. Ihr Programm ist eine extreme Ausprägung einer in Deutschland weit verbreiteten Haltung.11.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenPlattenbau aus DDR-Zeiten in BerlinImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Cornelius Welp, Wirtschaftsredaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Partei «Die Linke» hat ein grosses Herz für die Schwachen. Für Mieter in Berlin ist es gerade ganz besonders gross. Ihren Nöten und deren Bekämpfung widmet die Partei am Beginn ihres Programms für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhauses am 22. September ganze 26 Seiten. Für Mieter erschaffen diese eine trügerische Illusion. Für Vermieter sind sie ein Albtraum.So will «Die Linke» unter anderem Ämter so ausstatten, dass sie als eine Art Mietenpolizei «Ermittlungen aufnehmen und gerichtsfeste Beweise sammeln» können. Die Wohnungsvermittlung will die Partei auf nicht näher beschriebenen Wegen von digitalen Anzeigenportalen wie Immoscout in die öffentliche Hand überführen. Abrisse von Gebäuden mit günstigen Wohnungen sollen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein.Und natürlich unterstützt sie auch eine Initiative, die den Wohnungsbestand grosser Immobilienkonzerne vergesellschaften will. Dass die Bundesregierung exakt das verbieten will, schert die Partei offenbar ebenso wenig wie ein Passus im Grundgesetz, der einen solchen Eingriff nur gegen eine angemessene Entschädigung vorsieht. Hauptsache die Botschaft an Wähler ist eindeutig: Die Vermieter sind die Bösen. Wir kriegen sie.Das Programm der Berliner Linken ist extrem. Dass es dennoch auf viel Zustimmung stösst, zeigt eine in Deutschland erstaunlich weit verbreiteten Haltung. Nach dieser sind staatliche Eingriffe in den Markt das wirksamste Rezept, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Tatsächlich lindern sie aber allenfalls die akuten Symptome, rufen dabei oft unerwünschte Nebenwirkungen hervor. Die Ursache der Malaise beheben sie nicht. Im Gegenteil: Sie können den Zustand noch erheblich verschlimmern.Ärmere Haushalte zahlen besonders vielDabei ist die Diagnose richtig. Vor 20 Jahren mussten deutsche Haushalte für Miete und Nebenkosten knapp ein Viertel ihres Nettoeinkommens für Wohnkosten aufwenden, heute sind es um die 30 Prozent. Das wirkt moderat, spiegelt die Realität aber nur teilweise wider. Wer eine neue Wohnung sucht, zahlt oft deutlich mehr. Wer in einer Grossstadt lebt auch.Und ärmere Haushalte sind besonders stark belastet. Ihre Einkommen sind weniger stark gestiegen, sie haben kaum vom Boom von Aktien und anderen Vermögensanlagen profitiert und ja: Auch die Migration hat den Druck gerade im für sie relevanten unteren Preissegment verschärft. Wohnen ist deshalb zu recht eine der zentralen sozialen Fragen.Regulierung produziert mehr RegulierungDer Staat hat versucht, diese mit einer Reihe von Eingriffen zu lösen. Deren Problem zeigt beispielhaft die 2015 eingeführte Mietpreisbremse. Die sieht vor, dass Mieten in neuen Verträgen nur zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen dürfen. Damit hat sie den Anstieg zwar begrenzt, aber auch eine ganze Reihe ungewollter Effekte produziert.So hat die Bremse unter anderem dazu geführt, dass Vermieter ihre Wohnungen vermehrt möbliert anbieten, weil sie dafür höhere Zuschläge kassieren können. Eine Anfang des Jahres beschlossene Neuregelung soll das unterbinden. Das Muster ist seit langem bekannt: Regulierung hat Lücken. Marktteilnehmer nutzen diese aus. Neue Regulierung soll das unterbinden. Es gibt mehr Bürokratie. Die schreckt Vermieter ab. Und Investoren, die bauen wollen, erst recht.Dabei wären mehr Wohnungen die einzig wirksame Lösung des Problems. Die von der Politik formulierten Ziele wurden jedoch alle weit verfehlt, statt der avisierten 400 000 entstanden zuletzt nur um die 200 000 Wohnungen pro Jahr. Das entspricht dem Niveau von 2012. Neben gestiegenen Baukosten ist die Bürokratie ein wesentlicher Grund dafür.Statt immer neue Regeln zu entwerfen, wäre es deshalb besser, dem Markt zu vertrauen. Denn der reguliert vieles von selbst: Steigende Renditen für Vermieter sind nur möglich, wenn Mieter bereit sind, höhere Mieten zu bezahlen. Das sendet ein Signal: Hier lohnt es sich zu wohnen – und auch zu bauen Der Zusammenhang ist eigentlich ganz einfach zu verstehen. Man muss es nur wollen.Passend zum Artikel