Israels Gründerväter träumten von einem sicheren, demokratischen, säkularen Ort für Juden aus aller Welt. Heute wandern mehr JüdInnen aus als ein. Warum?
M oish Ekman und Gilad Kenan sitzen auf Stühlen, die nicht ihre sind. In Wohnungen nur für den Übergang. Moish Ekman in der israelischen Stadt Pardes Hanna: Vor der Schiebetüre zum Wohnzimmer liegt ein kleiner Garten mit Pool unter Palmen. Gilad Kenan in Berlin: Altbau mit Südbalkon in Prenzlauer Berg. Beide haben in den letzten zwölf Monaten ihre Heimat verlassen.
Beide beginnen das jeweilige Gespräch zögerlich in der Landessprache, der eine auf Hebräisch, der andere auf Deutsch, bevor sie ins Englische wechseln. „Wir haben keine Zukunft gesehen“, sagt Ekman. Im vergangenen August sind seine Frau Jade und er mit ihren vier Kindern umgezogen. Kenan sagt: „Wir mussten weg, wir wollten das nicht für uns und unsere künftige Familie.“ Mit seiner Partnerin Carmel packte er im März 2026 die Koffer.
Der australische Jude Ekman ging nach Israel. Der jüdische Israeli Kenan wollte nur noch weg von dort.
Vor allem Kenans Weg wählen derzeit viele: Die Zahl der jüdischen Israelis, die das Land verlassen, steigt. Mehr als 82.000 zogen laut dem israelischen Amt für Statistik 2024 ins Ausland. Die Zahl der Einwanderer brach hingegen ein. Unterm Strich verließen seither mehr Juden das Land, als hinzogen. Das ist nicht nur ein historischer Einschnitt in der Einwanderungsgeschichte des Landes, es fordert auch das Selbstverständnis Israels als Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden aus aller Welt heraus.









