Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einer Stationierung von 30.000 bis 50.000 nordkoreanischen Soldaten in Russland gewarnt. In einem Interview, das am Sonntag im ukrainischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, äußerte Selenskyj, Moskau und Pjöngjang hätten die Entsendung bereits vereinbart. Eine Quelle nannte Selenskyj nicht. Allerdings hatte er wenige Tage zuvor schon seine Besorgnis über die „Rekrutierung von 30.000 Nordkoreanern durch Russland“ ausgedrückt.In seinem englischsprachigen Beitrag in den sozialen Medien verband Selenskyj seine jüngste Warnung mit einem Aufruf an Südkorea, die Ukraine direkt zu unterstützen. „Wir würden sehr gerne Unterstützung in einem Gebiet bekommen, in dem wir einen Mangel haben; nämlich bei der Flugabwehr“, schrieb der Präsident. Die ukrainischen Vorräte an Flugabwehrraketen sind schon seit Wochen erschöpft.Bei mehreren russischen Luftangriffen in den vergangenen Tagen konnte keine der anfliegenden ballistischen Raketen abgefangen werden. Die ukrainische Regierung ist deshalb verzweifelt auf der Suche nach Lösungen.Selenskyj verwies in seinem Beitrag auch auf juristische Hürden in Südkorea. Denn eigentlich verbietet die südkoreanische Verfassung Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Diplomaten beider Länder seien aber in Kontakt, um eine Lösung zu finden. Kiew sei dazu bereit, eine Drohnenvereinbarung zu schließen.Südkorea lieferte bislang nur an DrittländerDie Regierung in Seoul hat die Ukraine bislang vor allem über Umwege unterstützt. Südkorea lieferte etwa Waffen an Polen, Rumänien und die baltischen Staaten. Diese waren dadurch in der Lage, ihre eigenen Systeme an die Ukraine abzugeben. Selenskyj argumentiert nun, dass eine direkte Unterstützung Kiews auch im südkoreanischen Interesse sei. Nordkorea werde mit Russlands Hilfe nämlich Erfahrungen in moderner Kriegsführung sammeln, schrieb Selenskyj. Zudem erhalte Pjöngjang Zugang zu militärischen Technologien.Tatsächlich arbeiten Nordkorea und Russland seit Beginn der russischen Vollinvasion immer enger zusammen. Bereits 2024 schlossen Moskau und Pjöngjang einen Vertrag über strategische Partnerschaft, der auch einen militärischen Beistandspakt umfassen soll. Nordkoreas Regime sichert Moskau mittlerweile regelmäßig „bedingungslose Unterstützung“ zu. Im Gegenzug soll Pjöngjang von Russland neben Rüstungstechnologie auch Lebensmittel und Treibstoff bekommen.Schon 2024 schickte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un Soldaten, die im westrussischen Gebiet Kursk gegen Ukrainer kämpften. Mehrere ukrainische Brigaden hielten dort von August 2024 an russisches Territorium rund um die Stadt Sudscha besetzt. Westliche Geheimdienste schätzen die Anzahl der bei dessen Rückeroberung eingesetzten Nordkoreaner auf 10.000 bis 12.000 Mann. Ihren Einsatz räumte Kim allerdings erst im April 2025 ein. Ein weiteres Jahr später wurde in Pjöngjang dann ein Denkmal für die rund 1700 Gefallenen eingeweiht.Russland erhält darüber hinaus massenhaft Munition aus Nordkorea. Ukrainischen Schätzungen zufolge deckte Nordkorea zeitweise etwa die Hälfte des russischen Bedarfs an Artilleriemunition. Laut einer Analyse der Agentur Bloomberg soll Nordkorea von Moskau für seine Lieferungen seit Invasionsbeginn rund 14 Milliarden Dollar in Devisen erhalten haben.Darüber hinaus setzt Russland seit 2023 auch nordkoreanische Raketen ein. Kiew zufolge ist derzeit auch die Verlegung einer nordkoreanischen Raketeneinheit ins westrussische Woronesch geplant. Nordkoreanische ballistische Raketen gelten als nur begrenzt zielgenau. Bei dem jüngsten Einschlag einer nordkoreanischen Rakete in einem Dorf in der Nähe der südukrainischen Stadt Krywyj Rih soll diese ihr eigentliches Ziel um rund 15 Kilometer verfehlt haben. Dies äußerte der stellvertretende Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR.
Selenskyj hofft auf Südkorea – und warnt vor Nordkoreas Soldaten
Der ukrainische Präsident warnt vor einem Deal, den Moskau und Pjöngjang geschlossen haben sollen. Und er bittet Seoul um Hilfe: beim Nachschub mit Flugabwehrraketen.









