Ein Amtssitz für den Kanzler, einer für den Bundespräsidenten, dazu ein Ministerium und eine diplomatische Zentrale. Vier Adressen, ein Muster: Was als Sanierung oder Erweiterung beginnt, endet fast immer deutlich teurer als geplant. Eine Bestandsaufnahme der Berliner Regierungsbaustellen zeigt, wie sich Steuergeld in Beton verwandelt – und warum die Endsumme meist erst Jahre nach dem ersten Spatenstich sichtbar wird.

Es ist eine Rechnung, die niemand gern aufmacht: 777 Millionen Euro soll die Erweiterung des Kanzleramts kosten, 601 Millionen Euro die Sanierung von Schloss Bellevue und 127 Millionen Euro der Umbau des Auswärtigen Amts. Allein diese drei Projekte summieren sich damit auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Die Kosten für Bundesrat und Umweltministerium sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt, weil dort keine vergleichbaren Gesamtsummen vorliegen.

Doch selbst diese gewaltige Summe könnte am Ende zu niedrig angesetzt sein. Der Bund der Steuerzahler hält es für möglich, dass allein die Arbeiten rund um das Bundespräsidialamt die Milliardengrenze erreichen – sofern der separate Interimsbau während der Sanierung mitgerechnet wird.

Je nach Berechnung fließen damit zwischen 1,5 und fast 1,9 Milliarden Euro in gerade einmal drei Berliner Regierungsadressen. Auch setzt der Verband solche Summen gern ins Verhältnis zu anderen dringenden Aufgaben: Schon für einen Bruchteil des Geldes könnten Hunderte marode Brücken im deutschen Fernstraßennetz saniert werden.