PfadnavigationHomePanoramaBerlinBau des Bundeskanzleramtes als „Monument der Steuergeldverschwendung“Veröffentlicht am 04.08.2025Lesedauer: 3 MinutenDie Kosten für die Erweiterung des Bundeskanzleramtes schießen immer weiter in die Höhe. Mittlerweile liegen sie bei geschätzt 800 Millionen Euro. „Das Kanzleramt weigert sich, geteilte Arbeitsplätze einzurichten“, so Kolumnist Gunnar Schupelius.Das Prinzip des „Desksharing“ hat sich bei Unternehmen längst durchgesetzt, doch im Bundeskanzleramt besteht man auf alten Strukturen. Deshalb explodieren nun die Kosten für den Erweiterungsbau. Der Bundesrechnungshof mahnt dies erneut an.Trotz des Milliardenlochs im Bundeshaushalt hält die Bundesregierung an dem Erweiterungsbau des Bundeskanzleramtes fest. Dabei gäbe es insbesondere dort noch ein großes Sparpotenzial, berichtet die „Bild“-Zeitung. Denn entgegen dem bundesweiten Trend zu flexiblem Arbeiten und geteilten Schreibtischen wird im Bundeskanzleramt an klassischen Bürostrukturen festgehalten.„Das Bundeskanzleramt hat im Jahr 2023 erklärt, wegen seiner spezifischen Arbeitsabläufe und Organisationszusammenhänge könne es auf die häufige Präsenz der Beschäftigten nicht verzichten“, zitiert die „Bild“ aus einem Brandbrief des Bundesrechnungshofes Daher sei „Desksharing mit dem damit verbundenen Clean-Desk-Gebot auf absehbare Zeit nicht umsetzbar“.Der Bundesrechnungshof wollte auf Nachfrage von WELT den Brandbrief nicht bestätigen, da es sich dabei um laufende Beratungen im Haushaltsausschuss handele. Veröffentlicht wurde der Brief vom Magazin „Politico“ (gehört ebenfalls zu Axel Springer). Danach verfügt das Kanzleramt durch den Bau über 1050 Büroarbeitsplätze – bei 784 Mitarbeitern. Und das, obwohl der neue Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zur aktuellen Haushaltslage sagte: „Jede und jeder, der da am Kabinettstisch sitzt, wird sparen müssen.“Kritik kommt deshalb auch aus der Wirtschaft zu dem Vorhaben. „Die Erweiterung des Kanzleramts entwickelt sich zu einem Monument der Steuergeldverschwendung“, zitiert die „Bild“ Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. „Besser wäre, wenn dort – in Sichtweite des Kanzlerbüros – das neue Digital- und Bürokratieabbauministerium einzieht und kräftig daran arbeitet, dass es bald weniger Bundesbeamte gibt.“Alles zu teuer – Kita, Wintergarten, HubschrauberlandeplatzGeplant ist ein Erweiterungsbau für 590 zusätzliche Arbeitsplätze – inklusive Wintergärten, Kindertagesstätte und Hubschrauberlandeplattform. Vor allem der Kindergarten soll dreimal so teuer geplant worden sein wie nötig, heißt es in einem Bericht des Bundesrechnungshofes. Die geschätzten Gesamtkosten liegen inzwischen bei mehr als 777 Millionen Euro, dürften aber angesichts der inzwischen gestiegenen Baukosten deutlich darüber liegen. „Bis 2027 werden sie die Milliarde erreichen“, sagte Gunnar Schupelius bei WELT TV.Lesen Sie auchTatsächlich steht der Bau wegen der zu erwartenden Kosten bereits seit Jahren Kritik. 1995 hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nur die halbe Anlage der ursprünglichen Architektenpläne umsetzen lassen. Seine Nachfolgerin Angela Merkel trieb den Bau schließlich wieder voran, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stoppte ihn allerdings auch nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich bislang nicht dazu geäußert. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte den Bau jedoch im Jahr 2023angesichts von Homeoffice als „entbehrlich“ bezeichnet .Lesen Sie auchSchon im Jahr 2023 hatte der Bundesrechnungshof angemahnt, dass die Ablehnung von Desksharing und Clean-Desk-Prinzip durch die Bundesregierung „nicht überzeugend“ sei. Das Kanzleramt hatte damals auf die Kritik erklärt, die Präsenz der Beschäftigten sei aufgrund „spezifischer Arbeitsabläufe“ unverzichtbar – Argumente, die laut Bundesrechnungshof auch angesichts der zunehmenden Nutzung von E-Akten nicht tragen. Argumentiert wird dabei unter anderem von der Bundesregierung mit aktuellen Lagen wie dem Pandemie-Management, der Finanzkrise oder dem Krieg in der Ukraine: „Hierfür müssen die erforderlichen infrastrukturellen Voraussetzungen vorhanden sein“, heißt es auf der Homepage der Bundesregierung.In seinem Bericht aus dem Jahr 2020 erinnert der Bundesrechnungshof jedoch daran, dass auch die Bundesregierung verpflichtet sei „Büroflächen reduzieren“ und seine Büroflächen an flexible Arbeitsformen und den dadurch gesunkenen Bedarf anzupassen. Dies sei jedoch versäumt worden. kami