Er hat Frankfurt gutgetan. Nach Jahren des intellektuellen und rhetorischen Mittelmaßes, die mit dem Namen des sozialdemokratischen Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff verbunden waren, war es wohltuend, Felix Semmelroth als dessen im Jahr 2000 ins Amt gekommener Nachfolger zuzuhören und bei der Arbeit zuzusehen; Erinnerungen an den großen Hilmar Hoffmann (SPD) wurden wach. Endlich wurden die traditionellen Kulturinstitutionen wieder von der eigenen Stadtregierung wertgeschätzt.Einst war der Literaturwissenschaftler und Anglist Semmelroth der beste Mann im erlesenen Mitarbeiterkreis des legendären Kulturdezernenten Hoffmann gewesen, dessen Name unter anderem eng mit dem Aufbau des Museumsufers verknüpft ist. Als Hoffmanns Referent für Literatur und Grundsatzangelegenheiten stärkte Semmelroth nicht nur Frankfurt als Literaturstadt, sondern unterstützte seinen Chef auch in jeder Weise bei der Verwandlung der Stadt von einer schmucklosen Bankenstadt in eine strahlende Kulturmetropole. Viele kluge Worte Hoffmanns und später auch Petra Roths hatte zuvor Semmelroth in seinen Redeentwürfen formuliert.Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat die Qualitäten des hochgebildeten Intellektuellen Semmelroth erkannt und ihn bald nach ihrem Amtsantritt als Referenten in ihr Büro geholt – obwohl er SPD-Mitglied war. Drei Jahre später, 1999, machte sie ihn zu ihrem Büroleiter. Loyal diente er Roth als heimlicher Kulturdezernent beziehungsweise als ihr Kulturflüsterer, hielt sich dabei aber immer diskret im Hintergrund.Semmelroths große Stunde schlug im Juli 2006, als ihn die Stadtverordnetenversammlung zum Kulturdezernenten wählte. Manche kreideten ihm an, dass er dafür zuvor in die CDU eingetreten war. Tatsächlich hatte er sich im Laufe der Jahre immer mehr von der SPD entfernt und war zu einem modernen, konservativen Kulturbürger geworden, dessen höchstes Anliegen es war, die klassischen Kulturinstitutionen Theater, Oper, Alte Oper und Museen in ihrem Bestand zu sichern und in ihrer Arbeit zu fördern.In seiner bis 2016 dauernden Amtszeit hat Semmelroth auch Niederlagen und Enttäuschungen einstecken müssen. Schwer traf ihn, den Literaturliebhaber, der Wegzug des Suhrkamp-Verlags nach Berlin, schwerer noch das Scheitern eines Neubaus für das Weltkulturen-Museum. Immerhin konnte er verhindern, dass die Gründung des Romantik-Museums an seinen Parteifreunden von der CDU scheiterte.Sein großes Verdienst war es, das Schauspiel, die Oper, die Alte Oper und die Museen finanziell so auszustatten, dass sie auf hohem Niveau arbeiten konnten. Möglich war dies dem Kulturdezernenten nicht zuletzt deshalb, weil ein stabiles Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Oberbürgermeisterin bestand. Roth hielt bis zum Ende ihrer Amtszeit 2012 ihre schützende Hand über die Kultur und machte so ihrem Kulturdezernenten das Leben leicht. Nach ihrem Ausscheiden wurde es schwieriger für Semmelroth: Die Stadtregierung und die Stadtverordnetenversammlung verordneten ihm ein Sparprogramm, das die Kulturinstitutionen empfindlich getroffen hätte – wenn es verwirklicht worden wäre.Semmelroth dachte aber überhaupt nicht daran, die Sparvorgaben zu verwirklichen. Er saß einfach alle Versuche, ihm Kürzungen aufzuerlegen, dickfellig aus. Es gab keine Museumsschließungen, keine Etatkürzungen für das Schauspiel und die Oper, alles blieb beim Alten. Das stille Verweigern war vermutlich die größte Leistung, die Semmelroth als Kulturdezernent erbracht hat. Er erwies sich damals als echter Konservativer, der das Bestehende bewahren wollte, weil es gut war. Nicht anders verfährt heute seine Nachfolgerin Ina Hartwig von der SPD.Nach seinem Ausscheiden aus dem Magistrat hat Semmelroth noch für kurze Zeit das Amt des hessischen Antisemitismusbeauftragten übernommen. Doch bald zwang ihn eine hartnäckige Krankheit zum Aufgeben. Nun ist Felix Semmelroth im Alter von 76 Jahren gestorben.
Frankfurter Kulturpolitiker: Felix Semmeroth gestorben
Mehr als 25 Jahre lang hat Felix Semmelroth die Frankfurter Kulturpolitik mitgeprägt und viele Spuren hinterlassen. Jetzt ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.







