Nach den Wahlen im September könnte sich für die Linkspartei in drei Bundesländern die Koalitionsfrage stellen. Die Ausgangslagen sind sehr unterschiedlich: In Sachsen-Anhalt geht es darum, ob und wie die Partei gemeinsam mit der CDU einen AfD-Ministerpräsidenten verhindert. In Berlin will Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin in einer Koalition mit SPD und Grünen werden. Und in Mecklenburg-Vorpommern kämpft die Linke darum, als Juniorpartner ihre Koalition mit der SPD fortzusetzen – eventuell mit den Grünen als weiterem Partner.Die Konstellation in Sachsen-Anhalt ist für die Linkspartei am schwierigsten. Eine Zusammenarbeit mit der CDU lehnen viele Mitglieder ab. Auf dem Bundesparteitag im Juni versuchten mehrere westdeutsche Verbände, diese Position formell festzuschreiben. Doch es kam anders: Der Parteitag beschloss, den Landesverbänden die Entscheidung darüber zu überlassen, wie die AfD „von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten“ sei.Regieren ist für die Bundesspitze nicht allesZuvor hatte die sachsen-anhaltische Spitzenkandidatin Eva von Angern an die Delegierten appelliert, nichts zu beschließen, was ihr untersage, mit „Demokraten zu reden“. Damit ging sie auf Distanz zum neuen Linken-Bundesvorsitzenden Luigi Pantisano: Der hatte der CDU kurz vor dem Parteitag eine „faschistische Politik“ vorgeworfen. Später bat er dafür um Entschuldigung.Viele Beobachter erwarteten daher mit Spannung, wie sich Pantisano am Sonntag im „ZDF-Sommerinterview“ zur Koalitionsfrage äußern werde. Würde er die Gelegenheit nutzen, neue Hürden für eine Zusammenarbeit mit der CDU aufzubauen? Dafür sprach, dass kürzlich bereits die andere Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner die Vergesellschaftung von Wohnungen zur Koalitionsbedingung der Linken in Berlin erklärte. Damit erschwerte sie Elif Eralp, nach den Wahlen Kompromisse mit SPD und Grünen zu finden.Beide Bundesvorsitzenden sehen Regierungsbeteiligungen der Linken in den Ländern nicht als vorrangiges Ziel ihrer Arbeit an. Schwerdtner und Pantisano ist wichtiger, die Kampagnenfähigkeit der Partei zu stärken und insbesondere die Wahlergebnisse bei Arbeitern auszubauen. Zu großzügige Kompromisse auf Landesebene könnten dabei hinderlich sein.Der Bundesvorsitzende will keinen Ärger im WahlkampfPantisano verzichtete dennoch darauf, im ZDF neue Hürden in Richtung CDU aufzubauen. Im Gegenteil: Er tat so, als hänge es nur von den Christdemokraten ab, wie es nach der Wahl in Magdeburg weitergeht. Die Linke in Sachsen-Anhalt habe bereits „Verantwortung gezeigt“. In der Vergangenheit habe sie durch gemeinsame Beschlüsse mit der CDU die Landesverfassung „antifaschistisch geprägt“. Rote Linien für eine Kooperation mit den Christdemokraten zog er nicht.Hat Pantisano seine Haltung zu Regierungsbeteiligungen der Linken also geändert? Dafür spricht nicht viel. Dass er so konziliant auftritt, dürfte vor allem innerparteiliche Gründe haben. Anders als Schwerdtner ist er in der Partei stark umstritten. Auf dem Bundesparteitag haben ihn nur 53,3 Prozent der Delegierten gewählt. Schwerdtner erhielt 85,7 Prozent. Pantisano ist seitdem erkennbar bemüht, seinen innerparteilichen Gegnern keine neue Munition zu liefern.Eva von Angern sagte der Zeitung „taz“ während des Parteitags, ihr Vertrauen in Pantisano sei „erschüttert“. Die sachsen-anhaltische Spitzenkandidatin ist selbstbewusst. Jedem Versuch des Bundesvorsitzenden, Koalitionsbedingungen vorzugeben, hätte sie wohl umgehend widersprochen. Im Wahlkampf tritt von Angern vor allem mit der Linken-Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek und den „Silberlocken“ Bodo Ramelow, Dietmar Bartsch und Gregor Gysi auf.Diese drei Galionsfiguren der Ost-Linken gelten als pragmatischer als die Bundesvorsitzenden. Auf diese Weise herrscht ein Burgfrieden zwischen Magdeburg und Berlin. Er funktioniert auch deshalb, weil sich von Angern und Pantisano so weit wie möglich aus dem Weg gehen.Nach dem 6. September könnte es schwierig sein, diesen Frieden zu halten. Sollte die AfD nicht die absolute Mehrheit der Mandate im Magdeburger Landtag haben, muss die Linkspartei Farbe bekennen. Nicht wenige Bundesvorstandsmitglieder hoffen darauf, dass die CDU sich einer Koalition verweigert und am Ende allenfalls eine lose Kooperation wie in Sachsen oder Thüringen herauskommt. Auch Pantisano verwies im ZDF auf diese beiden Länder. Dass eine Koalition an von Angern scheitern würde, gilt als unwahrscheinlich.
Wahl Sachsen-Anhalt 2026: Pantisano lässt den Weg zur CDU offen
Linken-Chef Pantisano zieht für Sachsen-Anhalt keine roten Linien für eine Kooperation mit den Christdemokraten. Dabei hatte er diesen neulich noch eine „faschistische Politik“ vorgeworfen.













