Der Fall des Krankenpflegers Ulrich S., der Ende vergangenen Jahres bereits wegen zehnfachen Mordes und 27-fachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, nimmt immer größere Dimensionen an. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Aachen wird gegen den Mann inzwischen in mehr als 120 Verdachtsfällen ermittelt. 39 Leichname von Patienten, die in der Dienstzeit von S. zu Tode kamen, wurden bisher exhumiert. In Köln ermittelt die dortige Staatsanwaltschaft in 18 Verdachtsfällen, sie ordnete bisher sieben Exhumierungen an.Das Aachener Landgericht verurteilte S. im November für Fälle zwischen Dezember 2023 und Mai 2024. Nach Überzeugung des Gerichts spritzte der Pfleger auf der Palliativstation des Rhein-Maas-Klinikums in Würselen seinen Opfern, unter denen sich nicht nur Todkranke befanden, sondern auch Patienten mit positiver Prognose, eigenmächtig stark sedierende Medikamente, teilweise in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise mehrfach.Besondere Schwere der Schuld festgestelltBei den derzeit laufenden Ermittlungen geht es um mögliche Tötungsdelikte vor Ende 2023. Ulrich S. arbeitete seit 2020 in Würselen, davor war er unter anderem auch in den städtischen Kliniken Köln tätig. Dort fiel er auf, weil er nicht verordnete Medikamente an Patienten verabreichte. Die Kliniken trennten sich daraufhin von Ulrich S. – in beiderseitigem Einvernehmen, wie es hieß.Im Aachener Prozess bestritt Ulrich S. die Vorwürfe bis zum Schluss vehement. Er habe geglaubt, den Patienten etwas Gutes zu tun. Sie hätten schlafen sollen, denn Schlafen sei schließlich die beste Medizin. Das Gericht schenkte den Ausführungen keinen Glauben und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. In seinem Urteil stützte es sich auf zahllose bei den umfangreichen Ermittlungen herausgearbeitete Indizien wie den Umstand, dass just dann besonders häufig Patienten starben, wenn S. Nachtschicht hatte. Zudem berichteten Zeugen unabhängig voneinander, wie der Pfleger ihren schlafenden Angehörigen ohne erkennbaren Grund Injektionen verabreichte.Schon nach dem Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Aachen angekündigt, es werde aller Voraussicht nach eine weitere Anklage gegen S. geben. Wann es so weit ist, lasse sich wegen der aufwendigen Ermittlungen noch nicht absehen, hieß es am Montag.
Krankenpfleger Ulrich S.: Rund 140 Verdachtsfälle in Köln und Aachen
Im November wurde Krankenpfleger Ulrich S. wegen Mordes an zehn Patienten verurteilt. Die Ermittler in Aachen und Köln glauben, er könnte für weitaus mehr Fälle verantwortlich sein.








