In Moskau wächst die Sorge vor einem Geheimdienst, der sich zunehmend jeder Kontrolle entzieht. Immer mehr Vertreter der russischen Elite fürchteten, der Inlandsgeheimdienst FSB gerate außer Kontrolle, berichten mehrere Moskauer und Petersburger Gesprächspartner der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Lange hielt Wladimir Putin in Russland die Hardliner aus dem Sicherheitsapparat und die wirtschaftsorientierten Kräfte im Gleichgewicht. Inzwischen schlägt sich der Kremlchef, der sein Land nun schon über ein Vierteljahrhundert regiert, immer deutlicher auf die Seite derer, die mehr Kontrolle über Wirtschaft und Gesellschaft fordern. Das schreibt auch das Medium Bloomberg unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld des Kremls und der Regierung, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Wie weit diese Verschiebung im politischen System Russlands inzwischen reicht, bringt ein Satz des Moskauer Politologen Andrei Kolesnikov auf den Punkt. „Der FSB ist zum Verwaltungsunternehmen des Landes geworden“, zitiert ihn Bloomberg. Die politische Führung, das Außenministerium und der Wirtschaftsblock seien zu bloßem technischen Personal degradiert worden, das Entscheidungen umsetze, die längst von den Geheimdiensten getroffen würden.