Früher war Butter etwas, das man auf ein Brötchen strich. Ganz Mutige legten noch Radieschen darauf, oder eine Gelbwurst. Heute begegnet mir Butter immer öfter als Skulptur und ich frage mich: Was soll das?Der gedeckte Tisch hat sich vom Ort des Essens zu einem Set entwickelt. Früher hieß es: „Setz dich, das Essen wird kalt.“ Heute lautet die Ansage: „Setz dich noch nicht, der Tisch muss erst fotografiert werden.“ Für die Story, für das Reel, für die Marke, deren Logo natürlich nicht auf dem Teller steht, aber irgendwo zwischen Radicchio-Schiffchen, Butterbergen und Croissantpyramiden sicher auftauchen wird.
Das neue Statussymbol: eine essbare Tischdeko
Die Beliebtheit der Butterskulptur lässt sich inzwischen sogar zählen: Unter dem Begriff „butter sculpture“ finden sich auf Instagram rund 44.000 Reels. Da wird Butter zu Muscheln gedrückt, zu Schleifen gedreht, als lächelndes Lamm auf einen Teller gesetzt oder gleich zur kleinen Venus geformt, die nach drei Kameraschwenks auf warmem Sauerteig endet.Wer gerade etwas auf sich hält, veranstaltet kein Event mehr. Er „hostet“. Und Hosting ist längst nicht mehr die freundliche Aufforderung, zwei weitere Stühle aus dem Keller zu holen und das Brot zu brechen, das gerade da ist.







