Edmund Kesting würde sich wohl mit Pinsel, Farbe und der unverzichtbaren Pipe im Mundwinkel dagegen wehren, ein Künstler der „verschollenen Generation“ genannt zu werden.
Der gebürtige Dresdner war nie weg vom Fenster zur Kunst und die seine immer da: leidenschaftlich, charismatisch. Jedoch vom wechselhaften Zeitgeist gestraft und später ignoriert. So war er aus der doch sonst seit 1990 jeden avantgardistischen Stein umdrehenden Kunstgeschichtsschreibung ausgelassen.
Das kann nur daran liegen, dass Kesting (1892–1970) durch alle Raster fiel, weil sein stilistisch wie thematisch mäanderndes und kreisendes Œuvre nicht in Schubladen, ‑Ismen oder Schulen einzuordnen war, da er keiner der Moderne-Strömungen richtig zugehörte. Auch, weil er zeitlebens kein Gewese um seine Bilder machte. Nicht zuletzt, weil er mit seiner Bildsprache dem noch bis in die 1980er-Jahre geforderten sozialistischen Realismus zuwiderlief.
Heute ein bekannter Unbekannter
Kesting war ein Avantgardist der Weimarer Republik wie der Nachkriegsmoderne. Unbeirrt, unverbissen, ohne Galligkeit gegenüber den dogmatischen Verhältnissen schuf er ein Lebenswerk, dem soeben das Kunstmuseum Moritzburg Halle erstmals seine erste, fulminante Retrospektive widmet. 227 Bildwerke des grandiosen Unbekannten haben, nach intensiver Forschungsarbeit, der Kurator Paul Kaiser und der Moritzburg-Direktor Thomas Bauer-Friedrich aus 42 Sammlungen, privaten zumeist, geliehen: Bildbauwerke der 1920er-Jahre, in denen Farbe, Form, Licht und Raum zu eigenwilligen Synthesen verschmelzen, Collagen, Fotografien. Und die späten Gemälde.







