Wenn man Personalakten aus der NS-Zeit isoliert liest und die Codes nicht kennt, zieht man leicht falsche Schlüsse. Der Geschichtswissenschaftler Uwe Danker hat es in seiner über 40-jährigen Laufbahn oft erlebt, dass Studien und Quellen fehlinterpretiert wurden. Im Gespräch erklärt er, wie sich das vermeiden lässt – und wo man als Laie noch über die digitalen Mitgliedskarteien hinaus etwas über seine Vorfahren im Nationalsozialismus erfahren kann.

ZEITmagazin: Herr Danker, früher musste man umständlich Akteneinsicht beantragen, heute reicht ein Klick am Laptop zu Hause, um Familiengeschichte aus der NS-Zeit zu recherchieren. Was verändert dieser freie Zugang auf die Akten aus Ihrer Sicht?

Uwe Danker: Als Historiker habe ich in Berlin schon 1993 mit den Karteien gearbeitet, als sie noch zum amerikanischen Document Center gehörten. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich faszinierend, dass man sich die Dateien jetzt einfach auf den Bildschirm holen kann. Das hat auch mein persönliches Verhalten geändert: Früher bin ich nie auf die Idee gekommen, nach dem Namen meiner Mutter zu suchen. Das habe ich erst jetzt gemacht, und es kam tatsächlich völlig überraschend heraus, dass sie 1938 als 18-Jährige Mitglied der NSDAP wurde. Da hat Mutter uns also etwas verschwiegen.