In vielen Ländern wird weniger Bier getrunken als früher, in Deutschland mussten allein im vergangenen Jahr mehr als fünfzig Brauereien aufgeben. Doch die irische Traditionsmarke Guinness trotzt der Branchenkrise. Das dunkle Stout-Bier mit dem charakteristischen cremigen Schaum ist derart populär, dass die globalen Brauerei-Kapazitäten für die Biersorte in den kommenden Jahren annähernd verdoppelt werden sollen. Das kündigte der britische Getränkekonzern Diageo, dem Guinness gehört, auf einem Kapitalmarkttag in London an.Die Biersorte aus Irland hat in den vergangenen Jahren bereits zweistellige Wachstumsraten erreicht. Nun will Diageo knapp eine Milliarde Dollar in die weitere Expansion der Marke stecken. „Das Wachstum von Guinness ist großartig“, sagte Konzernchef Dave Lewis, dessen Unternehmen ansonsten mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen kämpft.

Diageo ist einer der weltgrößten Hersteller alkoholischer Getränke und vertreibt neben Guinness auch den Whisky Johnnie Walker, Smirnoff-Wodka und den Likör Baileys. Lewis, der Diageo seit Jahresanfang führt und dem ein Ruf als harter Sanierer („Drastic Dave“) vorauseilt, hat wegen des rückläufigen Geschäfts ein milliardenschweres Sparprogramm für den Konzern angekündigt.Bei Guinness stehen die Zeichen dagegen auf Wachstum. Um die Nachfrage zu decken, soll in der Region Littleconnell westlich von Dublin eine neue Brauerei für die Biersorte entstehen. Dort will Diageo auch die vor sechs Jahren eingeführte alkoholfreie Guinness-Variante „0.0“ herstellen. Auch in die Guinness-Stammbrauerei St. James’s Gate in der irischen Hauptstadt und in die Guinness-Abfüllanlage in Belfast investiert der Konzern. In St. James’s Gate wurde die Brauerei 1759 gegründet.Guinness will in Nordamerika expandierenKonzernchef Lewis sieht vor allem Nordamerika als vielversprechenden Wachstumsmarkt für sein Stout-Bier. Diese Region sei für Guinness bislang großteils noch gar nicht erschlossen worden, sagte Gráinne Wafer, die das Biergeschäft von Diageo leitet. Als weitere Wachstumsmärkte nannte sie Schwellenländer wie Indien und Brasilien.Der Biermanagerin Wafer ist es in den vergangenen Jahren gelungen, Guinness durch geschicktes Marketing neuen Kundengruppen schmackhaft zu machen. Früher sei die Biersorte dagegen ein Getränk gewesen, das „ältere Männer im Winter in der Kneipe trinken“, sagte sie kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. Heute ist das Bier dagegen auch bei jungen Menschen der Generation Z beliebt. In britischen Pubs wurde wegen des Nachfrage-Booms zeitweise Guinness sogar knapp.„Splitting the G“ in den sozialen MedienBefeuert wird der Hype auch in den sozialen Medien durch das Trinkspiel „Splitting the G“: Guinness-Fans posten Videos von sich, in denen sie ein Glas in einem Zug exakt bis zur Mitte des aufgedruckten Guinness-Schriftzugs leer trinken.Auch vom Trend zu alkoholfreiem Bier profitiert die Marke. In Großbritannien ist die Guinness-Sorte „0.0“ Marktführer im alkoholfreien Segment. Irland und das Vereinigte Königreich sind bislang auch insgesamt die größten Absatzmärkte von Guinness.Weiter gesteigert wurde die Bekanntheit 2025 durch die Netflix-Serie „House of Guinness“. Das Historiendrama mit Anthony Boyle und James Norton in den Hauptrollen zeichnet den Aufstieg der Brauerei im neunzehnten Jahrhundert nach. Inzwischen hat Netflix eine zweite Staffel der Streaming-Serie angekündigt.