Es war eine einfache Rechnung: Einerseits schuldet Russland der Ukraine viel Geld. Jede Rakete, die in Kiew ein Krankenhaus zerstört, lässt die Summe steigen. Weltbank, Vereinte Nationen und EU haben zuletzt Wiederaufbaukosten von 509 Milliarden Euro errechnet.Andererseits liegt viel russisches Geld in Europa: etwa 210 Milliarden Euro der Zentralbank, angelegt größtenteils beim Finanzinstitut Euroclear in Belgien, eingefroren im Jahr 2022.Warum also nicht dieses Geld an Kiew geben? Die UN-Generalversammlung hat schließlich 2022 beschlossen, dass Russland dem überfallenen Land Reparationen schuldet. Das Geld müsste Moskau nicht einmal weggenommen werden. Stattdessen könnten die Europäer es der Ukraine leihen, bis Russland zahlt, und dann bekäme Moskau sein Geld zurück.Ende 2025 kam der Vorschlag vor den Europäischen Rat. Deutschland war dafür, viele andere Länder auch, aber dann kam die Angst. Belgien hatte Drohungen gehört. Dem „Guardian“ zufolge kamen sie vom russischen Geheimdienst GRU, und die Chefin von Euroclear musste Bodyguards bekommen. Ministerpräsident Bart De Weversagte, Moskau habe ihn wissen lassen, was passieren könnte, wenn jemand die Gelder antaste: „Bis in die Ewigkeit“ würden sein Land und er selbst die Folgen spüren.Drei Fahrensleute geben die SporenBelgien sagte also Nein, und statt der russischen Guthaben gewährte die EU der Ukraine einen Kredit von 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027. Die Zinsen finanzieren die Bürger der EU.Jetzt aber haben zwei Frauen und ein Mann sich zusammengetan, um dieses Nein wegzuräumen. Erprobte Fahrensleute allesamt, vernetzt und angesehen: Annegret Kramp-Karrenbauer, ehemals CDU-Chefin und deutsche Verteidigungsministerin, Nathalie Loiseau, eine gewesene französische Europaministerin, und Daleep Singh, der als stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater in den USA Präsident Joe Bidens Mann für Sanktionen war. In einer Erklärung, die der F.A.S. vorliegt, fordern die drei, aus Belgiens Ängsten Konsequenzen zu ziehen: „Die Europäische Union sollte die Obhut über die eingefrorenen russischen Zentralbankkonten (…) sofort einem neuen EU-Verwalter übertragen.“ Dann müsste Belgien keine „russische Nötigung“ mehr fürchten.Warum aber geben drei so erfahrene Profis gerade jetzt die Sporen, wo viele glaubten, das Pferd sei tot? Sie nennen mehrere Gründe. Erstens sehen sie im Augenblick ein „Fenster der Gelegenheit“: Wladimir Putins Krieg steckt fest, Russlands Raffinerien brennen, und Viktor Orbán, Moskaus trojanisches Pferd in der EU, ist Geschichte.
Wie Russlands eingefrorenes Vermögen genutzt werde könnte
Bald könnte Kiew das Geld ausgehen. Politiker aus Amerika, Deutschland und Frankreich wollen deshalb an Putins Konten – unter ihnen auch Annegret Kramp-Karrenbauer.







