PfadnavigationHomeICONISTTrendsArtikeltyp:MeinungInfluencer und BodyshamingWer seinen Körper vermarktet, darf über böse Kommentare nicht jammernStand: 07:19 UhrLesedauer: 5 MinutenGeorgina Rodriguez, Braut von Cristiano Ronaldo, im Mai 2026 in Cannes bei den FilmfestspielenQuelle: Kristy Sparow/Getty ImagesDie Ära von Achtsamkeit, Diversität und Bodypositivity hat zur Verleugnung von Realität geführt. Das nimmt bizarre Züge an. Wenn etwa Influencerinnen, die ihre Körper gezielt einsetzen, mit Kritik an ihm nicht umgehen können.Die Verlobte von Cristiano Ronaldo heißt Georgina Rodriguez, und es ist nur auf den ersten Blick gemein, noch vor dem Namen die Eigenschaft zu nennen, unter der die 32-Jährige aus Buenos Aires vor allem bekannt ist. Seit 2016, dem Jahr, als die Argentinierin nach Madrid zog, ist Rodriguez die Frau an der Seite eines der bekanntesten Fußballprofis der Welt. Sie habe Cristiano Ronaldo als Verkäuferin im dortigen Gucci-Store kennengelernt, heißt es. Mittlerweile hat das Paar fünf Kinder, zwei davon sind leibliche (der älteste Sohn Cristiano jr. ist aus einer früheren Beziehung von ihm, zudem gibt es Zwillinge von einer Leihmutter). Das Paar soll nach Informationen der britischen „Sun“ an diesem Samstag, dem 8. August, um 15 Uhr in Funchal auf der Insel Madeira, Ronaldos Heimat, (endlich) heiraten. Mehr Schlagzeilen machte in dieser Woche allerdings, dass sich Frau Rodriguez bei ihren 77 Millionen Instagram-Followern über Paparazzi-Bilder beklagte, die sie im Bikini im Urlaub zeigten und zu Kommentaren über ihren Körper geführt hätten, einige davon nicht besonders nett. „Ich sprach mit Cris darüber und sagte zu ihm: ‚Ich mache mir Sorgen, dass sie mich jetzt fett nennen, weil ich mit meinem Aussehen meinen Lebensunterhalt verdiene‘“, schreibt sie auf ihrem Insta-Account und zeigt dazu Fotos von ihrem Yacht-Urlaub, Paparazzi-Fotos und eigene, von sich im Bikini, von der Yacht, vom Privatjet. Und auch wenn ihr zukünftiger Gatte natürlich, wie es sich gehört, ihr beisprang, ebenso eine Kohorte an Influencerinnen und Followerinnen, die ihr versicherte, wie schön sie sei. Der Punkt, den sie unfreiwillig macht: Sie verdient mit ihrem Körper ihr Geld. Ihr Account ist voll von Bildern von sich im Bikini, von Anzeigen mit ihr als „Curvy Model“ in Unterwäsche-Werbung etwa der Marke Calzedonia, in Sport-BHs und Yogahosen ihres eigenen Labels namens Mimoa. Sie hat sich also durch ihre Selbstdarstellung (und durch ihre Beziehung zu Ronaldo, wenn sie ehrlich ist) ihre Millionen Follower und ihre Geschäftsgrundlage aufgebaut auf einer Plattform (Instagram), die auf Optik basiert. Auf der viele gut aussehende Menschen Geld verdienen, in dem sie sich beim Schönsein und Selbstoptimieren (Beauty, Sport, Essen) zeigen, dabei „Tipps“ geben (Werbung machen) und so ihre Attraktivität monetarisieren.Lesen Sie auchDer nüchtern-zielgerichtete, professionelle Umgang mit dem eigenen Körperkapital clasht jedoch auch in diesem Fall mit einem (geheuchelt) achtsam-divers-kuscheligen Piep-Piep-Piep-Weltbild, welches wie ein übergroßes Soufflé in den 2010er Jahren in gewissen Kreisen aufschäumte – und seit Kurzem in sich zusammensackt. In diesem Weltbild haben sich bitte alle ganz doll lieb – und sich auch bitte lieb zu verhalten. Da darf niemand „gejudgt“ (beurteilt) werden, schon gar nicht für seinen Körper. Lesen Sie auchDass beides nicht zusammenpasst – den eigenen Körper auszustellen, zu nutzen und damit Geld verdienen zu wollen. Und die Empörung, wenn die Leute, denen der Körper buchstäblich vor die Nase gehalten wird, diesen beurteilen (jenseits von Herzchen und Flammen-Emojis und Kommentaren wie „Du Schöne!“). Das passt in Influencer- und „Creator“-Kreisen einfach nicht ins (verengte) Weltbild. Natürlich ist es nicht nett, wenn man lesen muss, dass man „fett“ sei oder „ganz schön zugenommen“ habe. Aber man muss es aushalten (können).Noch besorgniserregender allerdings ist, dass in den achso-fortschrittlichen Kuschelkreisen nicht einmal mehr echte Sorge ausgedrückt werden darf. Von manchen wird das quasi zur Körperverletzung erklärt. Das zeigt der Fall Ariana Grande. Die Sängerin und Schauspielerin („Wicked“) sagte gerade ihr ab dem September geplantes Musicalprojekt in London ab und kündigte stattdessen eine „wohlverdiente Pause“ an. Der Hintergrund: Vor einer Woche stellte Grande ihr Video zur neuen Single „Petal“ vor, welches nicht etwa musikalisch Wellen schlug, sondern ästhetische. Übergroß war das allgemeine Erschrecken, wie mager die immer schon schmale Sängerin darin aussieht. Interessanterweise handelt das Video von einer Frau, die vor einem Tribunal von älteren Männern einfach nichts richtig machen kann, sich so lange optimiert und in neue Rollen schlüpft, bis sie am Ende entnervt zur Kettensäge greift und der Erniedrigung ein blutiges Ende setzt … Was auf die Veröffentlichung folgte, war keine Diskussion über Selbstbestimmung und -justiz oder die Grenzen des Wunsches einer jungen Frau, man selbst sein zu dürfen. Stattdessen kreisten die Kommentare vor allem um die Knochen im Brustbereich, die in der Splatterszene überdeutlich sichtbar sind. Viele Ferndiagnosen folgten mit meist einem einzigen Bulletin (Magersucht), vor allem aber mit echter Sorge. Ariana Grande hat 363 Millionen (!) Fans allein auf Instagram. Da stellte sich rasch die Frage: Dürfen die das? In beiden Fällen, obwohl man die inhaltlich trennen muss, finde ich: Ja, „die“ dürfen das. Selbst wenn die Kritik nicht immer nett und die Sorge nicht zwangsläufig echt ist. „Die“ (Follower) dürfen den Körper einer Person kritisieren (solange das Gesagte von der Meinungsfreiheit gedeckt ist), wenn der Körper sozusagen die Geschäftsgrundlage bildet, die immer wieder ins (digitale) Zentrum gerückt wird. Und sie dürfen erst recht ihre Sorge ausdrücken, wenn offensichtlich ein Schönheits- und Körperbild ausgestellt wird, das eindeutig nicht gesund ist. Es ist nicht so, dass Jugendliche automatisch Essstörungen bekommen, wenn ihre „Role Models“ ein leptosomes Körperideal vorleben. Aber die Gefahr nimmt gerade bei Mädchen und jungen Frauen erwiesenermaßen erheblich zu, wie gerade die Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann der „dpa“ sagte. Viele Studien belegten dies, betont die frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen. Lesen Sie auchDer Körper ist in beiden hier geschilderten Fällen nicht (mehr) privat. Wer sich entschieden hat, einen Teil seines Lebens in der Öffentlichkeit zu verbringen – und vor allem optische Kanäle zur Verbreitung seiner Botschaft, seines Contents, seines Geschäfts nutzt, der muss Kritik aushalten. Auch wenn Urteile hart bis unfair sind. Fragen Sie mal weniger prominente Models, die bei den Fashion Weeks in Mailand, London oder Paris ein Laufsteg-Casting nach dem anderen abklappern, was die an Ablehnung aushalten müssen. Und wer seinen Fans Nähe auf einer Plattform suggeriert, der muss auch aushalten, dass sich diese Fans Sorgen machen. Selbst wenn einen die Ferndiagnosen und Ratschläge nerven.Denn auch 2026, trotz des Versuchs der „Hyggisierung“ der Welt, gilt der alte Harry S. Truman-Spruch: „Wer Hitze nicht aushält, der hat in der Küche nichts zu suchen.“ Das ist auch gut so.
Bodyshaming-Mimimi: Sa, PL/HY+ Wer seinen Körper vermarktet, darf über böse Kommentare nicht jammern - WELT
Die Ära von Achtsamkeit, Diversität und Bodypositivity hat zur Verleugnung von Realitäten geführt. Das nimmt bizarre Züge an. Wenn etwa Influencerinnen, die ihre Körper gezielt einsetzen, mit Kritik an ihm nicht umgehen können.













