Am Freitag meldete sich das Berufungsgericht in Washington. „Ob ein riesiger Ballsaal gebaut werden soll oder nicht, ist vom Kongress zu entscheiden und keine Angelegenheit, die die Exekutive eigenmächtig regeln darf“, urteilte der DC Circuit Court of Appeals mit 2:1 Stimmen. Das Gremium bestätigte damit nicht nur die Verfügung eines Bundesgerichts, das einer Klage von Denkmalschützern stattgegeben hatte. Es folgte auch der Ansicht der meisten Landsleute, die das Gebäude laut Umfragen für unnötig bis ärgerlich halten.Viel Gold auf 8000 QuadratmeternTrump will wie üblich vor den Obersten Gerichtshof ziehen, für ihn scheint dies das ungefähr wichtigste Projekt seiner Amtszeit zu sein. Ständig schwärmt er von seinem Ballroom, seit er vor einem Jahr mit dem Projekt daherkam. Mehr als 8000 Quadratmeter soll das Gebäude groß werden - zum Vergleich: Das Weiße Haus an sich misst circa 5000 Quadratmeter. 650 Menschen sollen sitzend hineinpassen, in einen Raum, der ähnlich wie sein Oval Office reichlich vergoldet wird.Der Bauherr findet, dass es diesen White House State Ballroom für offizielle Anlässe wie Staatsempfänge dringend braucht. Nach einem mutmaßlichen Attentatsversuch beim Korrespondenten-Dinner im Hilton verkündete er, dieser Ballsaal sei schon aus Sicherheitsgründen nötig.400 Millionen Dollar sollte das erst kosten. Alles werde von privaten Gönnern bezahlt, behauptete Trump. Dazu gehören Konzerne wie Amazon, Apple, Google, Microsoft oder auch T-Mobile. „Ein unschätzbares Geschenk von Präsident Trump und vielen patriotischen privaten Spendern“, erklärte das Weiße Haus. Die unabhängige Vereinigung Public Citizen fand jedoch Anfang Juni heraus, dass etliche dieser Firmen in den vergangen sechs Monaten „neue oder erweiterte staatliche Aufträge im Gesamtwert von mehr als 50 Milliarden Dollar erhalten“ hätten. „Spender im Trump Ballroom verschlingen Steuergelder“, titelten die Rechercheure.Auch verlangte Trump im Mai plötzlich vom Kongress, eine Milliarde Dollar für Sicherheitsmaßnahmen an diesem Festsaal freizugeben. Der Posten wurde später zwar aus dem Budget gestrichen. Aber Mitte Juni flog auf, dass die Regierung 350 Millionen Dollar vom Secret Service für das Weißen Haus umgeschichtet habe, während der Ballsaal mit Militärbunker enstand.Architekturkritiker fühlt sich an Mussolini erinnertÄstheten sind ohnenin entsetzt. Für den Architekturkritiker Paul Goldberger wird das „ein gewaltiger, banaler Kasten“, wie er in der New York Times ätzte. Dies sei „wie die meisten destruktiven und spaltenden Aktionen“ Trumps „keine Lösung für ein reales Problem, sondern Deckmantel für ein tieferliegendes Begehren: in diesem Fall, das offizielle Washington nach seinem eigenen Ebenbild umzugestalten.“Statt an andere US-Präsidenten erinnert Goldberger dieser Machtrausch eher an Benito Mussolini, Italiens früheren Dikator. Trump hat am Weißen Haus bereits den Rosengarten planieren und zu seinem 80. Geburtstag auf dem South Lawn Käfigkämpfe stattfinden lassen. Gerade bekommt der Rasen in seinem Auftrag einen Hubschrauberlandeplatz.Außerdem möchte er einen Triumphbogen in die Sichtachse zwischen dem Friedhof in Arlington und dem Lincoln Memorial stellen lassen. Und dann blamiert sich der Oberbefehlshaber ja gegenwärtig mit der verkorksten Renovierung des Beckens am Lincoln Memorial, in dem sich der Obelisk des Washington Monuments spiegelt. In diesem Reflecting Pool, dessen Wasser amerikanisch blau werden sollte, schwammen nach dem millionenschweren Eingriff grüne Algen und blaue Farbfetzen. Das Desaster haben nicht Vandalen angerichtet, wie Trump behauptet - schuld ist Pfusch seiner Handwerker, wie eine Bundesrichterin kürzlich feststellte.Richter: Präsidenten sind „nur Mieter auf Zeit“Nun gingen also Richterinnen und Richter bei seinem Ballsaal dazwischen, wobei er gleich anmerkte, dass die eine, Patricia Millett, von Barack Obama und der andere, Bradley Garcia, von Joe Biden eingesetzt worden war. In ihrem Befund steht zu Beispiel dies: „Uns ist kein Fall in der amerikanischen Geschichte bekannt, in dem ein Präsident einseitig und unter Verwendung privat gesammelter Mittel wesentliche Teile des Weißen Hauses abgerissen hat, dessen Bau vom Kongress genehmigt und von den amerikanischen Steuerzahlern finanziert worden war. Bis jetzt.“Der Kongress, heißt es in dem Urteil weiter, habe der Exekutive keine uneingeschränkte Befugnis übertragen, „das Weiße Haus – das Haus des Volkes – drastisch umzugestalten, neu zu gestalten und umzubauen, um es den Wünschen eines bestimmten Präsidenten anzupassen.“ Jeder Präsident sei „nur Mieter auf Zeit, nicht aber der Eigentümer des Weißen Hauses und der Präsidentenresidenz.“ Die von Trump ausgesuchte Richterin Neomi Rao ist in ihrer Gegenmeinung der Ansicht, dass solche Eingriffe durch den Präsidenten erlaubt und die Kläger vom National Trust for Historic Preservation gar nicht klageberechtigt gewesen seien.Trump findet: Er ist kein MieterEin Anwalt des Justizministeriums meinte in einer Anhörung sogar, dass Bundesgerichte mit dem Ballsaal gar nichts zu tun hätten. „Das ist falsch“, korrigierte das Berufungsgericht. „Die kühne Behauptung, dass die Exekutive völlig gesetzlos handeln, geschätzte nationale Wahrzeichen zerstören und die Interessen von Einzelpersonen beeinträchtigen könne, ohne dass ein Gericht dies verhindern könne, verstößt gegen unsere Verfassungsordnung.“Der Baustopp wird allerdings für 14 Tage ausgesetzt, damit sich Trump an den Supreme Court wenden kann. Auch gilt der ganze Erlass nur für den oberirdischen Teil, die unterirdische Festung darf weitergebaut werden. Das ändert aber nichts am Zorn des Präsidenten, der eine Niederlage nach der nächsten einfährt. „Diese ungerechte Entscheidung muss vom Obersten Gerichtshof in ihrer Gesamtheit aufgehoben werden“, schrieb er in seinem Netzwerk Truth Social.Trump teilte in dem Beitrag auch mit, dass der Komplex „Luftschutzbunker, hochmoderne Krankenhaus- und medizinische Einrichtungen, Schutzabtrennungen, streng geheime militärische Anlagen, Bauwerke und Ausrüstung, schützenden, raketenresistenten Stahl, Stützen, Dächer und Träger, drohnensichere Decken und Dächer, Belüftungssysteme nach Militärstandard sowie kugel-, beschuss- und sprengwirkungshemmendes Glas“ umfassen werde. In einem weiteren Wutanfall erklärte er dies: „Wir sind keine Mieter - wir sind Präsidenten, die vom Volk der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurden.“Kläger: Weißes Haus gehört dem amerikanischen VolkDer National Trust for Historic Preservation dagegen spricht von einem „großartigen Tag für unser Land und für das Recht des amerikanischen Volkes, seine Meinung zu den historischen Stätten zu äußern, die ihm am Herzen liegen, darunter auch das Weiße Haus. Das Weiße Haus, ein weltbekanntes Wahrzeichen, das die amerikanische Identität und die Ideale der Demokratie symbolisiert, gehört dem amerikanischen Volk.“Das Weiße Haus gehört dem amerikanischen Volk, so steht es auch auf einer Plakette vor der White House Historical Association, mit Unterschrift der ehemaligen First Lady Jacqueline Kennedy.