Kunst kaufen wie die Superreichen – eine Schweizer Firma macht’s möglichPartasio kauft Werke etablierter Künstler und verspricht seinen Anlegern hohe Renditen. Kunstfans kommen aber ins Dilemma.08.08.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenKunstwerk oder Kapitalanlage? Peter Doigs «The Architect’s Home in the Ravine» ist beides.Sotheby’s / Imago / © 2026 Pro Litteris, ZürichHinter einem dichten Geflecht aus Stämmen und Zweigen ist ein modernes Haus nur schemenhaft zu erkennen. Peter Doigs «The Architect’s Home in the Ravine» vereint Landschaft und die Szene eines fast heimlichen Beobachtens.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch nicht nur das Motiv fasziniert, auch die Preisentwicklung des Werks beeindruckt. 2002 wechselte es für gut 300 000 Pfund den Besitzer. Fünf Jahre später brachte es 3,6 Millionen Dollar ein. 2013 zahlte ein Käufer 7,7 Millionen Pfund, 2016 waren es 11,34 Millionen, und 2018 stieg der Preis auf über 14 Millionen Pfund.Solche Geschichten zeigen, wie lukrativ Kunst sein kann – aber gleichzeitig auch, warum der Markt für viele Anleger verschlossen bleibt. Bedeutende Werke kosten ein Vermögen. Und wer mitspielen will, braucht nicht nur Geld, sondern auch Wissen und Kontakte.Faszination für intransparente MärktePascal Schneidinger.PDDer Zürcher Pascal Schneidinger will das ändern. Mit seinem Unternehmen Partasio bündelt er das Kapital von Privatpersonen, um Werke etablierter Nachkriegs- und Gegenwartskünstler zu kaufen und später wieder zu verkaufen. Anleger können ab 30 000 Franken einsteigen. Sie müssen weder den Kunstmarkt verstehen noch die Werke selbst auswählen.Schneidinger entspricht nicht dem Klischee des Kunstliebhabers in schwarzem Rollkragenpullover und Hornbrille. Tatsächlich kam er auch nicht aus Leidenschaft für Kunst auf die Idee. Ihn faszinierte dieser grosse, intransparente Markt mit seinen hohen Eintrittshürden.Der ehemalige Bank-Analyst und Private-Equity-Experte lebte fast 25 Jahre im Ausland, unter anderem in China, wo er eine Möbelfirma aufbaute.Nach seiner Rückkehr in die Schweiz widmete er sich zwei Jahre lang dem Kunstmarkt. Er sprach mit Fachleuten, knüpfte Kontakte und überprüfte seine Annahmen darüber, wie der Markt funktioniert. Sein Fazit: Kunst diversifiziert Portfolios, doch erstklassige Werke sind schwer zugänglich. So entstand die Idee für Partasio.Vier bis sechs Werke pro PortfolioPartasio sammelt Kapital schrittweise ein und kauft damit einzelne Werke. Ein Portfolio umfasst in der Regel vier bis sechs Bilder, die im Zollfreilager in Embrach lagern, bis sie zu einem günstigen Zeitpunkt wieder verkauft werden. Nach jedem Verkauf erhalten die Anleger den Erlös. Ist das letzte Werk verkauft, wird das Vehikel aufgelöst.Eine feste Laufzeit gibt es nicht. Verkauft wird, wenn Partasio den Moment für ideal hält. Schneidinger rechnet mit einer Haltedauer pro Bild von bis zu fünf Jahren. Danach trägt sein Unternehmen die laufenden Kosten, etwa für die Lagerung. So entsteht ein Anreiz, Verkäufe nicht hinauszuzögern.Anleger müssen sich darauf einstellen, dass ihr Geld über diese Zeitdauer gebunden bleibt. Ein vorzeitiger Ausstieg ist möglich, wenn ein anderer Investor den Anteil übernimmt. Bisher liess sich das laut Schneidinger immer arrangieren, garantieren könne man es jedoch nicht.Wer bei Partasio investiert, verzichtet auf den unmittelbaren Kunstgenuss. Die Bilder mal für einen Abend mit nach Hause nehmen, um bei einem schicken Dinner mit Freunden damit zu prahlen, ist nicht vorgesehen. Für das eigene Zuhause gibt es eine Mini-Reproduktion auf Karton mit Staffelei. Partasio organisiert jedoch Besichtigungen und informiert regelmässig über Künstler und Markt. Manche Kunden entwickelten so ein stärkeres Interesse an Kunst, sagt Schneidinger. Andere blieben auf Rendite fokussiert.Gregor Sippo, ein privater Investor bei Partasio, gehört eher zur zweiten Gruppe. Seinen echten Namen möchte er nicht in der Zeitung sehen. Kunst als Anlageform habe er nicht aktiv gesucht, sagt Sippo. In seiner früheren Banktätigkeit seien regelmässig unterschiedliche Anlageangebote auf seinem Tisch gelandet, doch dieses sei anders gewesen und habe sein Interesse geweckt.Überzeugt haben ihn Schneidingers analytischer Ansatz, die Möglichkeit, in dieser Anlageklasse zu diversifizieren, und die Auswahlkriterien. Dazu zählt der Fokus auf Nachkriegskunst, um auszuschliessen, dass ein Werk während der Nazizeit geraubt oder unter Zwang verkauft wurde.Für leidenschaftliche Kunstfans sei Partasio kaum gedacht, sagt Sippo. Sie wollten selbst auswählen, kaufen und aufhängen. Das Angebot richte sich eher an Anleger wie ihn: Menschen ohne vertiefte Kenntnisse, die Kunst als Beimischung im Portfolio sehen und den Kunstmarkt etwas besser kennenlernen möchten.Dass sein Geld mehrere Jahre gebunden ist, nimmt Sippo in Kauf. Auch die fehlende tägliche Bewertung empfindet er als Vorteil. Sie erspare ihm das ständige Verfolgen von Kursen.Die «Coca-Colas der Kunstwelt»Der Kunstmarkt ist unberechenbar. Manche Künstler behaupten sich dauerhaft, ihre Werke steigen im Wert. Andere erleben nur kurze Hypes, bevor die Nachfrage abflaut. Viele schaffen es nie in den etablierten Markt.Partasio setzt nicht auf Werke junger Talente, deren Preise sich mit etwas Glück vervielfachen. Das Unternehmen konzentriert sich auf rund vierzig bis fünfzig international etablierte Künstler.Schneidinger nennt sie die «Coca-Colas der Kunstwelt» – berechenbar, wenn auch vielleicht etwas weniger aufregend. Namen wie George Condo oder Tracey Emin gehören dazu. Zwei erfahrene Kunstexperten, die Schneidinger für Partasio gewinnen konnte, entscheiden gemeinsam mit ihm über die Käufe.Partasio kauft weder auf Auktionen noch auf Messen. Viele interessante Werke werden diskret über Sammler, Berater oder Galerien angeboten. «Wer die richtigen Kontakte hat, schnell entscheidet und zuverlässig zahlt, profitiert», sagt Schneidinger. Diese Intransparenz sei typisch für den Kunstmarkt – und ein Vorteil für Partasio.Ein typischer Condo – ähnlich jenem Werk, mit dem Partasio seinen ersten Verkaufserfolg erzielt hat.© 2026 Pro Litteris, ZürichVon 1,2 auf 1,8 Millionen DollarFür Anleger Sippo steht fest: So richtig auf den Radar von Investoren kommt Partasio erst, wenn das erste Portfolio vollständig verkauft und das Kapital zurückgezahlt ist. Er selbst ist bewusst früh eingestiegen. In einem begrenzten Markt könne es sich lohnen, der Masse voraus zu sein.Eine nachweisbare Erfolgsbilanz fehlt Partasio noch, das Unternehmen ist jung. Das erste Portfolio umfasst sechs Werke, das zweite befindet sich im Aufbau. Doch einen ersten Erfolg gibt es: 2024 kaufte Partasio ein Werk von George Condo für 1,2 Millionen Dollar. Zwei Jahre später verkaufte es das Unternehmen auf der Art Basel Hongkong für 1,8 Millionen Dollar. Nach Abzug von Kosten, Währungseffekten und der Erfolgsbeteiligung von Partasio in Höhe von 20 Prozent erzielten die Anleger eine Rendite in Schweizerfranken von 21 Prozent.«Fünf Prozent des Vermögens in Kunst sind vertretbar»Auch Daniel Munari von Janus Investment hat sich vom Modell bereits überzeugen lassen. Der Vermögensverwalter hat für fünf Kunden bei Partasio investiert. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Verbriefung illiquider Anlagen – von Hypotheken über Schiffe bis zu Oldtimern. Kunst wurde für seine Kunden erst durch Partasio investierbar. Entscheidend seien der Aufbau des Vehikels und die Qualität der Auswahl.Munari hält bei kunstaffinen Kunden einen Anteil von bis zu 5 Prozent des Vermögens für sinnvoll – vorausgesetzt, sie können auf das Geld mehrere Jahre verzichten. Er erwartet eine Rendite von 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Eine illiquide, alternative Anlage müsse mehr einbringen als ein gewöhnliches Wertschriftendepot, sagt er.Das liegt über den 6 bis 9 Prozent, die Partasio angibt. Doch selbst diese Zahlen gelten nicht als unumstritten. Laura Noll, Kunstökonomin und Dozentin an der ZHAW, hält solche Renditen zwar für möglich, aber wissenschaftlich nicht verlässlich begründbar. Die Forschung komme eher auf 2,6 bis 5 Prozent pro Jahr.«Death, debt, and divorce»Dabei handelt es sich allerdings um öffentlich beobachtete Transaktionen. Partasio bewegt sich in einem anderen Teil des Marktes. Das Unternehmen operiert diskret, unter dem Radar. Es setzt auf die Intransparenz des Marktes, um daraus Vorteile für sich und seine Kunden zu ziehen.Wie Noll betont, bedeutet allerdings auch ein diskreter Handel nicht automatisch günstigere Preise, auch wenn bei Privatverkäufen die hohen Gebühren von Auktionshäusern entfallen. Bei begehrten Werken konkurrierten Käufer häufig mit erfahrenen Sammlern, Beratern und Institutionen. Exklusiver Zugang könne sogar höhere Preise nach sich ziehen.Dennoch sieht Noll auch Chancen für Schnäppchen. Die Literatur nenne als häufige Gründe für den Verkauf von Kunst die sogenannten «3 D»: «death, debt, and divorce». Tod, Schulden und Scheidung. In solchen Fällen müsse es oft schnell gehen, was gut informierten Käufern Vorteile verschaffe.Künstler sind skeptischUnd was halten die Künstler von all dem? Peter Doig, dessen Werk diesen Artikel einleitet, sieht den Zweitmarkt kritisch. Seine Bilder würden für Millionen weiterverkauft, sagte er 2024 dem «Guardian», doch bei ihm selbst komme davon nur ein Bruchteil an. Von Verkäufen im Umfang von schätzungsweise 380 Millionen Pfund habe er seit 2007 kaum 230 000 Pfund erhalten.Doig stört nicht nur das Geld, sondern auch die Geheimniskrämerei. Oft wisse er weder, wer seine Werke besitze noch zu welchem Preis sie verkauft würden. «Es läuft alles sehr im Verborgenen ab.»Genau davon sollen Partasios Anleger profitieren.Passend zum Artikel