In den vergangenen drei Stagnationsjahren sind schon viele Konjunkturdaten als Zeichen eines Aufschwungs falsch gedeutet worden. Die Sehnsucht nach einer Besserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland ist groß und der Hang, überall einen Hoffnungsfunken zu sehen, verbreitet. Der ökonomische Blick aber gebietet Nüchternheit. Das gilt auch für die jüngsten Hoffnungen.Beklatscht wird, dass die deutschen Exporteure im Juni einen Ausfuhrrekord erlangt haben. Das ist insoweit erfreulich, als auch der Export sich in den vergangenen Jahren als Sorgenkind erwiesen hatte. Da hat sich seit Jahresbeginn etwas gedreht, weil die Nachfrage aus der Europäischen Union sich gut entwickelt und die Exportverluste in die Vereinigten Staaten und gen China überkompensiert. Das ist ein Grund, warum die Wirtschaft im zweiten Quartal leicht gewachsen ist.Die viel wichtigere Nachricht aber, dass die Investitionen im zweiten Quartal gesunken sind, wird dabei übersehen. Ein Land, in dem Unternehmen nicht mehr investieren wollen, steht nicht vor einem Aufschwung, sosehr auch einzelne Konjunkturdaten mal positiver als gewohnt ausfallen. Hoffnungen, dass die Investitionsbereitschaft ins Positive drehen könnte, ruhen auf sehr dünnem Eis. Sieht man von den vielen staatlichen Großaufträgen ab, die zuletzt immer wieder mal den Auftragseingang nach oben schnellen ließen, ruht der See der Neuaufträge stille. Die Produktion im gewichtigen verarbeitenden Gewerbe hat zugleich bestenfalls einen Boden gefunden, die Stagnation dauert an.Nicht nur der Blick in die Auftragsbücher, auch der Blick nach Berlin lehrt die Unternehmer, mit Investitionen hierzulande weiter vorsichtig zu sein. Eine höhere Steuerlast für Personengesellschaften, absehbar höhere Belastung für Kranken- und Rentenversicherte und der mangelnde Wille, die Wirtschaft aus den Fesseln von staatlichem Zugriff und Regulierung zu befreien, lassen Investitionslust auf Deutschland erlöschen statt erglühen. Ein Land, das vor einem Aufschwung stünde, bräuchte auch eine andere Politik.