25 Jahre nach dem Start von Wikipedia ist Larry Sanger zum hartnäckigsten Kritiker aus den Gründungsreihen der Online-Enzyklopädie geworden. Der US-Philosoph war Chefredakteur des Vorgängers Nupedia und spielte 2001 eine zentrale Rolle beim Aufbau von Wikipedia. Er prägte den Namen und wirkte am Grundsatz des „Neutralen Standpunkts“ mit, bevor er das Projekt 2002 verließ. Heute leitet er die Knowledge Standards Foundation, die mit der Encyclosphere ein dezentrales Netz konkurrierender Enzyklopädien entwickeln will.

Aus seiner Kritik an Wikipedias Expertenfeindlichkeit ist der Vorwurf einer ideologischen Übernahme geworden. Sangers „Neun Thesen zu Wikipedia“ fordern unter anderem identifizierbare Funktionäre, öffentliche Bewertungen und rechtsstaatliche Sperrverfahren. Im Juni 2026 sperrte ihn die englischsprachige Wikipedia wegen angeblicher externer Mobilisierung für sein WikiProject Intellectual Diversity auf unbestimmte Zeit. Er kann seitdem keine Artikel mehr bearbeiten.

Er bestreitet die Vorwürfe und stellt die Fairness des Verfahrens infrage. Wikipedias Verteidiger verweisen auf Neutralitätsregeln, einsehbare Versionsgeschichten und gegenseitige Kontrolle; Studien zu politischer Verzerrung kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Suchmaschinen und KI-Systeme greifen weiterhin auf Wikipedia-Inhalte zurück.