In der Trübsal der immer neuen Nachrichten von Stellenstreichungen und Fabrikverlagerungen der Autobranche sind die Halbjahreszahlen des weltgrößten Lastwagenherstellers Daimler Truck ein willkommener Sonnenstrahl: Der Absatz steigt, die Rendite wächst dank eines bereits vereinbarten Sparprogramms. Zwei neue Fabriken in den USA und in Tschechien dienen mehr der Ausweitung des Produktionsvolumens als einer Verlagerung bestehender Kapazitäten. Aus diesem Grund wurde auch die Ergebnisprognose für 2026 spürbar verbessert, auf eine Umsatzrendite für das gesamte Jahr zwischen sieben und neun Prozent. In der abgespaltenen ehemaligen Pkw-Schwestergesellschaft Mercedes-Benz muss man sich derzeit mit der Hälfte zufriedengeben.Dennoch bleibt ein Wölkchen am sonnigen Himmel. Denn der kleinere Konkurrent Volvo AB erzielt immer noch eine weit höhere Marktkapitalisierung von 67 Milliarden Euro, gegenüber 46 Milliarden Euro für Daimler Truck. Die Vorstandsvorsitzende Karin Radström und Finanzvorständin Eva Scherer müssen daher weiter um Renditepunkte kämpfen, um ihr Unternehmen für Investoren attraktiver zu machen.Am Horizont ist allerdings eine dunkle Gewitterwolke über der gesamten Nutzfahrzeugbranche zu sehen: Bis 2030 fordern die aktuellen Regeln der EU eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes der neu verkauften Nutzfahrzeugflotte um 43 Prozent, sonst drohen Milliardenstrafen. Zwar bieten alle Hersteller, auch Daimler Truck, umfangreiche Modellpaletten mit Elektroantrieb, doch die werden derzeit noch kaum gekauft. Denn noch sind Ladesäulen für Lkw eine Rarität, der Strompreis ist zu hoch, um elektrische Lkw attraktiv zu machen und viele Gütertransporteure bekommen nicht genug Strom für ihren Betriebshof. Deswegen sind die aktuellen Zulassungszahlen für schwere Elektro-Lkw in der EU noch mickrig. Im ersten Halbjahr mit 3500 von 137.000 Neuzulassungen insgesamt, also 2,5 Prozent.Die EU-Regeln drohen damit eine Branche zu schädigen, in der Europa drei der vier weltgrößten Nutzfahrzeughersteller stellt und China bisher wenig zu melden hat. Doch davon lassen sich EU-Kommission und Eurokraten bisher wenig beeindrucken. Sie fliegen derzeit weit entrückt von den Herausforderungen der Branche und den Niederungen des Baus von Ladeeinrichtungen, in großer Höhe mit eingeschaltetem Autopiloten. Von Kursänderungen will man da nichts wissen.