Zu einem passenderen Zeitpunkt hätte das seit Langem geplante neue Spionageabwehrzentrum des hessischen Verfassungsschutzes nicht kommen können. Gerade einen Tag ist es her, dass die bisher immer als „abstrakt“ bezeichnete Gefährdungslage dem Begriff „konkrete Gefahr“ gewichen ist. Wie anders sollte es auch sonst bezeichnet werden, wenn eine mit Sprengstoff versehene Drohne, die offenbar von feindlichen Akteuren gesteuert worden ist, an einem großen deutschen Flughafen, in diesem Fall in Leipzig, aufgegriffen wird? Das ist eine neue Dimension.Für den Frankfurter Flughafen, dem größten Drehkreuz in Deutschland, gilt zumal, dass auch er nicht vor ähnlichen Szenarien gefeit ist. Flughäfen gelten seit jeher als attraktives Ziel von Terroristen. Und nun auch für feindliche Staaten wie Russland, dessen Aggression nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine ins Unermessliche gestiegen ist. Allein in Hessen wurden in diesem Jahr schon mehr als 2100 Verdachtsfälle von Spionage und hybriden Angriffen gezählt. Damit hat sich die Zahl seit dem Jahr 2022 fast verdreifacht.Aber noch etwas anderes zeigt der mutmaßliche Anschlagversuch in Leipzig: Bund und Länder müssen beschleunigt vorgehen in der Frage einer effektiven Drohnenabwehr, zumal über so sensiblem Terrain. Die Phase, in der Drohnen noch als bloßes Störmanöver galten, ist spätestens mit Leipzig vorbei. Das, was wir derzeit erleben, ist der nächste Schritt: die Fluggeräte werden gezielt als Waffe eingesetzt.Vorfälle mit Drohnen, Cyberangriffe oder auch Agenten, die von deutschem Boden aus Attentate planen – derlei wird den Männern, die sich derzeit vor dem Frankfurter Oberlandesgericht verantworten müssen, vorgeworfen: All das ergibt ein Gesamtbild. Das eine lässt sich nicht von dem anderen trennen. Das Fazit ist, dass wir längst nicht mehr in Friedenszeiten leben. Die Politik hat das erkannt. Die Länder reagieren, wie an der neuen Spionageeinheit in Hessen zu sehen ist. Dieser Schritt ist unumgänglich.Denn mit der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz wartet schon die nächste Herausforderung. Der hessische Verfassungsschutzpräsident Bernd Neumann spricht von einer immer stärker professionalisierten Agententätigkeit ausländischer Staaten, die sich massiv des Einsatzes von KI bediene, um an sensible Informationen zu gelangen. In neuer Form entsteht ein digitales Aufrüsten.