Es war ein doppelter Schockmoment: Am Flughafen Leipzig/Halle gelangte eine Drohne mit nach Behördenangaben sprengfähigem Material auf das Airportgelände, ein DHL-Frachtflugzeug kollidierte beim Durchstarten mutmaßlich mit einem weiteren Flugobjekt. Zuvor hatte es an Flughäfen lediglich Drohnensichtungen und unerlaubte Überflüge gegeben, die zu Betriebsunterbrechungen führten. In Leipzig passierte in der Nacht zum Mittwoch mehr.„Wir haben das Thema über einen längeren Zeitraum kommen sehen“, sagte am Donnerstag Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des Luftfahrtverbands BDL. 2025 gab es laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt 226 gemeldete Drohnenereignisse, 116 Mal kam es zu vorübergehenden Betriebseinschränkungen. Lang mahnte, bei der angelaufenen technischen Nachrüstung von Flughäfen zur Drohnenerkennung und -abwehr nicht nachzulassen. Mit Blick auf die wichtigsten Airports sagte er: „Wir sind zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres der Großteil der Flughäfen davon profitieren wird.“Der Bund hatte im vergangenen Herbst erklärt, acht Flughäfen, die wegen ihrer Bedeutung im Passagier- und Frachtverkehr als kritische Infrastruktur eingestuft sind, technisch nachrüsten zu lassen. Der Flughafenverband ADV bemängelte aber, dass sieben – Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig und Köln/Bonn – noch auf neue Technik warteten. Deutschlands verkehrsreichster Flughafen in Frankfurt wurde schon ausgestattet. Leipzig ist beim Frachtaufkommen die Nummer zwei hinter Frankfurt.Debatten über den DrohnenschutzLang widersprach trotz ausstehender Verbesserungen der Vermutung, dass Deutschland zu zögerlich agiere. „Im europäischen Vergleich stehen wir gut da“, sagte er. Die Bundesregierung habe mit „Lichtgeschwindigkeit“ Entscheidungen getroffen. Dazu gehörten erweiterte Zuständigkeiten der Bundespolizei, die sich zuvor viel mit Landesbehörden abstimmen musste, sowie Ausschreibungen für neue Detektions- und Abwehreinrichtungen.Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste ist, bemängelte indes ein „diffuses Zuständigkeitsnetz“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) habe zwar ein Drohnenabwehrzentrum gegründet, „aber er ist eben nicht bereit zu sagen, dass eindeutig die Bundespolizei den Hut auf hat für die Drohnenabwehr, sondern er kaschiert das“, sagte von Notz im WDR.Die FDP forderte einen stärkeren Schutz nicht nur an acht bedeutenden Airports. An allen Flughäfen müssten Drohnenabwehrsysteme zur Pflicht werden, sagte FDP-Generalsekretär Martin Hagen. Auch Lars Redeligx, Präsident des Branchenverbands BDL und Chef des Düsseldorfer Flughafens, sprach sich für eine stärkere Verbreitung neuer Technik aus. „Es ist aber richtig, die acht Flughäfen, die zur kritischen Infrastruktur zählen, zu priorisieren“, sagte er. Vorfälle mit Drohnen seien an kleineren Flughäfen seltener.Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Luftfahrtverbands BDLdpaLuftverkehr schrumpft im ersten HalbjahrFür die Luftfahrt ist das unerlaubte Vordringen von Drohnen eine Sicherheitsherausforderung und eine wirtschaftliche Belastung, obwohl der Bund die Kosten für die Ausstattung der acht Flughäfen trägt. Die DLR-Studie hatte für 2025 den bei Drohnenvorfällen entstandenen Schaden durch Verspätungen, Umleitungen sowie entgangene Einnahmen auf mindestens 60 Millionen Euro beziffert, sofern Netzwerkeffekte durch Verspätungen berücksichtigt würden, ergäben sich 160 Millionen Euro.Details zum Schutz von Flughäfen wollte der BDL nicht preisgeben. Hauptgeschäftsführer Lang sprach von „modularen Konzepten“. Als gängig gelten Kombinationen aus Radar, Hochfrequenztechnik, Kameras und Geräuschsensoren zum Aufspüren, hinzu kommen Techniken wie Jamming oder Spoofing, um die Steuerbarkeit von Drohnen einzuschränken, sowie Netze oder Abfangdrohnen. Ein Abschuss steht wegen möglicher Schäden durch Trümmerteile nicht im Vordergrund.Neben Drohnen hat die Luftfahrt noch ein wirtschaftliches Problem. „Erstmals seit dem Ende der Corona-Pandemie verzeichnen wir sinkende Passagierzahlen“, sagte Redeligx. Von Januar bis Juni wurden an deutschen Flughäfen 97,7 Millionen Reisende gezählt – 0,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei waren die Vor-Corona-Werte ohnehin nicht erreicht worden, in der ersten Hälfte 2019 nutzten 117 Millionen Passagiere die Airports. Der Flughafenkonzern Fraport meldete in seiner Halbjahresbilanz weniger Betrieb in Frankfurt. Dass Umsatz und operativer Gewinn dennoch stiegen, lag an erstarkenden Auslandsstandorten.Schwindende Reiselust sieht Redeligx nicht als Ursache für rückläufige Passagierzahlen. „Unser Problem ist nicht die Nachfrage, sondern das Angebot“, sagte er. Ausländische Airlines hätten Flugzeuge abgezogen, Billigflieger stationierten sie anderswo in Europa, wo die staatliche Abgabenlast geringer sei. Das Platzangebot auf Flügen von und nach Deutschland habe zuletzt 85 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht, im Rest Europas waren es 111 Prozent. „Der Abstand ist weiter gewachsen“, sagte Redeligx. Unter 33 betrachteten europäischen Staaten hätten trotz des Nahostkonflikts und höherer Kerosinpreise nur drei Länder kein Wachstum erreicht, eines davon sei Deutschland.Obwohl die hiesige Ticketsteuer zum 1. Juli gesenkt wurde, fielen rund um den Start eines Mittelstreckenflugzeugs des Airbus-Typs A320 in Düsseldorf weiterhin Abgaben von 4249 Euro an, in Madrid seien es 728 Euro. „Wir fordern nicht, auf das Niveau von Madrid zu kommen, sondern zum europäischen Durchschnitt“, sagte Redeligx. Dafür sei aber eine Halbierung der Abgaben nötig.
Drohnen als Sicherheitsrisiko: Luftfahrt fordert schnelle Umrüstung der Flughäfen
Acht wichtige Airports sollen besser gegen unerwünschte Flugobjekte geschützt werden. Der Flugverband erwartet eine Umsetzung bis zum Jahresende. Ausgerechnet der Leipziger Flughafen wurde nicht umgerüstet.












