Nach Jahren des Niedergangs hat der angeschlagene Werbekonzern WPP erstmals Zahlen vorgelegt, die Hoffnung auf eine Trendwende machen. Der Aktienkurs sprang am Donnerstag um 25 Prozent in die Höhe, nachdem WPP neue Geschäftszahlen vorgelegt hatte, die einen gebremsten Umsatzrückgang zeigen. Damit glich WPP die Kursverluste der vergangenen zwölf Monate weitgehend aus. Der Börsenwert stieg wieder auf mehr als vier Milliarden Pfund. Vor einem Jahrzehnt war der Konzern allerdings mehr als viermal so viel wert wie heute.Der Nettoumsatz der Werbegruppe – ohne durchgereichte Kosten von anderen Dienstleistern – ist im ersten Halbjahr 2026 um 4,7 Prozent auf 4,7 Milliarden Pfund (5,5 Milliarden Euro) gesunken. An der Börse kam gut an, dass sich der Umsatzrückgang im zweiten Quartal auf 2,8 Prozent verlangsamt hat. Vorstandschefin Cindy Rose zeigte sich „ermutigt von unserer Halbjahresleistung, die im Rahmen unserer Erwartungen liegt“. Die Strategie für einen Turnaround greife nun.Die frühere Microsoft-Managerin Rose hat vor einem Jahr die Leitung der Werbe- und Marketingholding mit weltweit noch gut 97.000 Mitarbeitern übernommen und soll einen Turnaround erreichen. WPP wurde einst vom legendären Werbeguru Sir Martin Sorrell zum größten Werbekonzern der Welt aufgebaut. 2024 überholte aber der französische Konkurrent Publicis beim Umsatz. Seit 2025 hat sich der US-Werbekonzern Omnicom nach seiner Fusion mit Interpublic (IPG) an die Spitze gesetzt. Beide besitzen ein Vielfaches des Börsenwerts von WPP.Kunden wandern zu Digitalplattformen oder zur Konkurrenz abZu schaffen machen WPP vor allem die Abwanderung von Kunden zu digitalen Plattformen wie Google oder Facebook sowie die KI-Revolution, die einen Preisverfall für Konzeption und Produktion von Werbekampagnen ausgelöst hat. WPP hat zudem einige Großkunden wie Coca-Cola und Mars an Wettbewerber wie Publicis verloren. Weitere wichtige Abgänge waren Ebay, Ikea und Sky. An IPG verlor WPP den deutschen Pharmakonzern Bayer als Kunden. Allein dieser Etat wurde auf bis zu 800 Millionen Dollar geschätzt.Vorstandschefin Rose versucht, dem Abwärtstrend gegenzusteuern. Sie hat eine Investitionsoffensive in Künstliche Intelligenz (KI) und gleichzeitig ein Sparprogramm angekündigt. Ab Anfang 2025 sind rund 8500 Arbeitsplätze gestrichen worden, teilte WPP mit. Die Personalkosten wurden dadurch um 3,5 Milliarden Pfund oder 5,9 Prozent gesenkt. Als eine der wichtigsten Vertragsverlängerungen in jüngerer Zeit nennt WPP die Deutsche Bahn neben dem Supermarktkonzern Tesco in Großbritannien und dem Techkonzern Huawei in China. An Neugeschäftserfolgen erwähnt WPP Henkel, Estée Lauder und Wendy’s.Der Konzern betont, dass es Anzeichen für eine Trendwende gibt. Es werde einige Zeit dauern, bis sich diese im finanziellen Ergebnis voll entfalte, doch zeigten „starke Neugeschäftsgewinne und die verbesserte Kundenbindung sowie die Fortschritte bei Kosteneinsparungen und Portfoliomaßnahmen, dass wir ein einfacheres, wettbewerbsfähigeres und leistungsstärkeres WPP aufbauen“, sagte Rose. Der im Frühjahr angekündigte Plan „Elevate28“ sieht einen Umbau der Konzernstruktur vor und skizziert drei Phasen für die Umsatzentwicklung: Im Jahr 2026 soll sich der Konzern stabilisieren, 2027 zurück zum Wachstum finden und 2028 das Wachstum KI-getrieben beschleunigen.