Ein Herr und Reiter, aber kein Herrenreiter. Wie der wenige Tage nach ihm verstorbene Klaus G. Saur führte W. Georg Olms den Titel Senator e. h. Dr. h. c. mult. – Insignien einer Laufbahn, die er sich hart erarbeitet und Jahrzehnte durch bewundernswerten Einsatz befeuert hatte. Auch er eine Gründerfigur, welche die deutsche Nachkriegs-Verlagslandschaft mitgeprägt hat.1953 hatte Walter Georg Olms, der den ersten Vornamen Walter als „W.“ führte, in Hildesheim die Buchhandlung Georg Olms von seinem Vater übernommen und sie zu einem wissenschaftlichen Antiquariat umgebaut, aus dem heraus er 1958 den Georg Olms Verlag entwickelte. Durch Nachdrucke wissenschaftlicher Standardwerke machte er sich bald international einen Namen.Die Pferdezucht war seine große LeidenschaftDas Programm umfasste Werke aus den Fachgebieten Islamwissenschaft, Archäologie, Geschichte, Musikwissenschaft, Philosophie, Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Theologie. Und auch als er spät an seinen Sohn Dietrich Olms, der schon 1991 ins Unternehmen eingestiegen war, übergeben hatte, blieb für den Senior eine 40-Stunden-Woche das Minimum. Vor drei Jahren wurde der Verlag an die Nomos Verlagsgesellschaft verkauft, ein Tochterunternehmen von C. H. Beck. Erhalten blieb die Edition Olms, die Sohn Manfred in Zürich leitet.Die Ehrendoktorate kamen aus Urbino und Frankfurt, der Senator von der Universität Hildesheim. Recht eigentlich hätte Olms, wenn es denn so etwas gäbe, eine Krone für seine Rolle in der Welt der Pferdezucht zugestanden. Als Präsident des internationalen Asil Clubs war Olms Spezialist für asile Araberpferde, Vollblüter, deren Abstammung lückenlos auf die Wüstenzucht durch Beduinen der Arabischen Halbinsel zurückverfolgt werden kann.Olms schrieb Bücher zum Thema und war in Saudi-Arabien deswegen nicht nur ein weithin geachteter Mann, sondern auch ein gern gesehener Gast im Königshaus. Bei der Frankfurter Buchmesse konnte man ihn regelmäßig als stilsicheren Gastgeber von Emiren erleben.Als Kind seiner Zeit war der disziplinierte, drahtige Olms aber auch ein Mann des Briefs. Post von W. Georg Olms, das bedeutete zumeist, ein gewichtiges Werk zu bekommen, versehen mit einem Schreiben, in dem der Verleger seine Gedanken in geschliffener Sprache zu Papier gebracht hatte. Die F.A.Z. las er, wie er nicht müde wurde zu erzählen, als ihr „treuester Leser“ seit 1949. Nun trauert die Zeitung um diesen unermüdlichen, kritischen Leser und wachen Geist: W. Georg Olms ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 29. Juli im Alter von 99 Jahren gestorben.
Verleger Walter Georg Olms gestorben
Der Hildesheimer Verleger W. Georg Olms ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Er war der treueste Leser der F.A.Z. – und eine Berühmtheit in der arabischen Welt.








