17,5 Prozent Zoll für Einfuhren aus Europa, 27,5 Prozent für solche aus Mexiko. Für Audi, bestimmt auch für die Konzernschwester Porsche, kann das nur bedeuten: Es muss eine Fertigungsstätte her in den Vereinigten Staaten. Auch nach China lasse sich künftig wohl nichts mehr exportieren, sagt Audi-Chef Gernot Döllner, Fertigung vor Ort scheine rund um den Globus das Gebot der Stunde. Zudem sei das Weltauto, also eines für alle Märkte, Geschichte. So werden die Anforderungen immer komplexer, die Modell- und Antriebsvielfalt immer anspruchsvoller.Vor allem Klarheit wünscht sich Döllner von dem, was sich daheim beeinflussen lässt, also dem Brüsseler Gesetzgeber. Dazu ein Level Playing Field gegen protektionistisch orientierte Spielverderber und die Befreiung von unnötigen Lasten, als da wären von der Kundschaft als aufdringlich abgelehnte Überwachungssysteme sowie produktionsseitig Standortbedingungen, die mithalten können.Platz ist in der größten Hütte: Sieben Sitze immer, sechs auf Wunsch, es duftet nach Audi im Audi.HerstellerMan muss die Markteinführung des größten aller Audi unter diesen Vorzeichen sehen, denn hier wird nicht nur ein 5,31 Meter langer und 2,21 Meter breiter Luxusliner präsentiert, sondern auch ein Zeichen, wie sich die Branche sortiert.Full Size nennen die Amerikaner, was in unsrigen Parkhäusern für schweißnasse Hände sorgt. Zwischen New York und Los Angeles und all den Chevy, GMC oder Cadillac ist das ein sinnvolles Format, gar ein notwendiges. BMW hat schon lange seinen X7 im Rennen, Mercedes-Benz den GLS. Audi liefert seinen Q9 aus Bratislava an, das ist eben ein wenig misslich für die Marge und die Wettbewerbsposition. 65 Prozent des Absatzes sind in den USA erwartet.Kraft Gesetz: Die Streben im Grill dürfen nachts leuchten, die Ringe nicht. Bei uns. In Amerika leuchtet alles.HerstellerEs werden freilich einige Verführungskünste in die Waagschale geworfen. Sie kommen allen Kunden zugute, wo immer sie sich für die vier Ringe entscheiden. Der Q9 duftet wie ein Audi, mithin edel, das SUV wirkt höchst fein verarbeitet und empfiehlt sich für Fans von Kleinbussen, die keine Kleinbusse fahren mögen. Bewusst ans Unterbewusstsein appelliert die seitliche Linienführung mit ihrer Haltung, die eine entspanntere ist als am niedlicheren Pendant Q7.Auf die Spitze getrieben: Audi SQ9 mit vier Rohren und acht Zylindern. Vorerst nur für die USAHerstellerSieben Sitze sind serienmäßig, auf Wunsch werden sechs Einzelplätze montiert. Vier bis fünf sind fürstlich, die hintersten beiden erträglich. Allesamt bewegen und falten sich elektrisch, allesamt sind beheizt. Die Türen öffnen erstmals elektrisch, was der Kollisionssensor allerdings nur zulässt, wenn man etwas zur Seite tritt. Damit Sesam sich auch von innen öffnet und schließt, gibt es Druckknöpfe, auch am Dach hinten für die letzten Plätze. Drei Kindersitze passen in Reihe zwei nebeneinander, die Becherhalter tragen Übergröße. Audi denkt an alle, und es denkt üppig, lautet die Botschaft. Ist das Abblendlicht eingeschaltet, wirft der Blinker drei gelbe Pfeile seitlich auf den Asphalt, derlei soll nicht nur Spielerei sein, sondern die Erkennbarkeit abbiegender Absichten erhöhen, etwa für herannahende Radfahrer.In Deutschland gibt es zum Marktstart im November zunächst einen Motor, der ein drei Liter großer Sechszylinderdiesel mit 299 PS ist. Allradantrieb versteht sich von selbst, Luftfederung stützt den Komfort, Hinterachslenkung zähmt den Riesen. Mit 108.400 Euro startet die Preisliste. Zum Frühjahr hin gesellen sich ein V6-Benziner mit kolportierten 435 PS und ein Plug-in-Hybrid hinzu. Und später, sofern der Kundenwunsch Oberhand gewinnt, ein 4-Liter-V8 mit 600 PS im aufreizenden SQ 9, auf den Pirelli Reifen bis zum Unglaublichformat 315 30 R 23 aufzieht. Der bleibt vorerst den Amerikanern vorbehalten, wo es wiederum keinen Diesel gibt. Vorsprung durch Vielfalt, an sich ein simples Rezept. An sich.