Coke zero ist jetzt rot, lang lebe Coke zeroVor 21 Jahren kam Coca-Cola Zero auf den Markt – explizit für Männer. Jetzt kriegt das Getränk eine neue Hülle. Und sieht plötzlich aus wie das ikonische Original.06.08.2026, 12.03 Uhr4 LeseminutenDie neuen Dosen von Coke Zero sehen den klassischen Coca-Cola-Dosen zum Verwechseln ähnlich.Dominic Nahr / NZZZuckerfrei oder Zuckerbombe? Wer im Supermarkt eine Coke Zero kaufen will, muss dieser Tage zweimal hinschauen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bei ihrer Einführung in der Schweiz und in Deutschland waren die Coke-Zero-Dosen gänzlich schwarz. Doch mit jeder Neugestaltung schlich sich mehr Rot-Weiss auf die Verpackungen. Am 20. Juli hat Coca-Cola seinen Marken nun in 200 Märkten ein einheitliches Erscheinungsbild verpasst – und glich Coke Zero im Aussehen vollends an die klassische Coca-Cola an. Der ehemals schwarze Schriftzug ist neu weiss gehalten. Wenig mehr als ein schwarzer Streifen auf der Dose, ein schwarzer Verschluss auf der Flasche erinnern an die alte Zero-Ästhetik.Die Neugestaltung kommt teilweise schlecht an. Zeitungsartikel und Forenbeiträge berichten von verwirrten Kunden, die die zuckerfreien mit den zuckerhaltigen Getränken verwechseln. Doch um die Logik hinter dem Einheitslook zu verstehen, lohnt es sich zu betrachten, wie und warum Coke Zero überhaupt entstanden ist.Frauen und MännerAls Marty McFly im Film «Zurück in die Zukunft» von 1985 in das Jahr 1955 zurückreist, versucht er im Diner ein «Tab» zu bestellen – den ersten Diätdrink der Firma Coca-Cola. Da der Kellner nicht weiss, was das bedeutet, verlangt Marty irgendein anderes Getränk «ohne Zucker». Der Kellner bringt ihm einen Kaffee.Tab ist tatsächlich erst 1963 auf den Markt gekommen, zu einer Zeit, in der kalorienarme Softdrinks noch eine Neuheit waren. Aus Sorge um die wertvolle Kernmarke verzichtete Coca-Cola bewusst darauf, den eigenen Namen auf das Diätprodukt zu übertragen.Dies änderte sich in den 1980er Jahren. Es war das Jahrzehnt, als Jane Fonda und Richard Simmons Aerobic-Übungen im Fernsehen vorführten und Arnold Schwarzenegger seinen Durchbruch im Kino hatte. Um den wachsenden Markt der figurbewussten Personen zu bedienen, lancierte Coca-Cola 1982 die Diet Coke. Die Firma betrieb Werbekampagnen, die vor allem Frauen als Zielgruppe ansprachen.Diet Coke-Werbungen sollten ein weibliches Publikum ansprechen. In dieser Variante trinkt ein attraktiver Bauarbeiter (das Model Lucky Vanous) seine Diet Coke mit freiem Oberkörper.Dabei wurde auch nicht mit Sex-Appeal gespart. «I just wanna make love to you», klingt es in einem Werbespot aus den 1990ern. Zu sehen ist ein Büro, alle Angestellten sind Frauen. Eine spreizt anzüglich die Beine, die andere kehrt das Foto ihres Ehemanns um, als der männliche Getränkelieferant – der auch als Model arbeiten könnte – mit einer Ladung Diet Coke im Büro auftaucht.Die Strategie funktionierte: Diet Coke stieg ab den 1980er Jahren zu Amerikas beliebtestem kalorienarmen Softdrink auf. Doch diese Entwicklung hatte einen unerwünschten Nebeneffekt: Je mehr die Marke mit Weiblichkeit assoziiert wurde, desto abschreckender war sie für Männer. «Gender contamination» heisst dieses Phänomen in der Forschung, wie die Harvard-Dozentin Jill J. Avery schreibt.Die Diet Coke galt lange als weiblich codiert.Bhawika Chhabra / Reuters2005 fand Coca-Cola eine Lösung für dieses Problem: Coca-Cola Zero Sugar, umgangssprachlich «Coke Zero» genannt. Statt des Silbers von Diet Coke setzte sich ein vermeintlich maskulines Schwarz durch; für die australische Werbekampagne wurde stilgerecht das Rugby-Team All Blacks engagiert. Ein Werbeclip von 2008 ist im Stil eines James-Bond-Intros inszeniert, inklusive verführerischem Bond-Girl, rasanter Autofahrt und Faustkampf.Weniger ZuckerHeute ist die Marktlogik, aus der Coke Zero entstanden ist, ähnlich antiquiert wie die Geschlechterbilder in den alten Coca-Cola-Werbungen. Auf Zucker und Kalorien zu achten, gilt nicht mehr als weibliche Eigenheit – auch für viele Männer sind Diäten, Schrittzähler, Protein-Shakes eine Selbstverständlichkeit. Die optische Abgrenzung zwischen Coke Zero und Coca-Cola verliert ihren ursprünglichen Zweck.Gesellschaftlich und politisch ist die Abkehr vom Zucker Mainstream geworden. Grossbritannien schränkt seit kurzem die Fernseh- und Online-Werbung für ungesunde Lebensmittel ein, Deutschland hat jüngst eine Abgabe für mit Zucker gesüsste Getränke angekündigt. In der Schweiz hat sich die Softdrinks-Branche selbst verpflichtet, den Zuckergehalt ihres Angebots zu reduzieren.Früher unterschied sich die Coke Zero – etwa durch den schwarzen Schriftzug – deutlicher vom Original.Dado Ruvic / REUTERSIm Gegenzug wird Coke Zero immer populärer. In der Schweiz sind rund 60 Prozent der von Coca-Cola verkauften Getränke zuckerfrei oder zuckerreduziert, wie der hiesige Chef Fabio Cella in einem Interview sagte. Laut den Jahreszahlen stieg das weltweite Absatzvolumen von Coca-Cola Zero 2025 um 14 Prozent, während das Absatzvolumen der gesamten Coca-Cola-Markenfamilie stagnierte.Strandferien und GrillabendeDie Markenexpertin Victoria Watters äusserte in einem Beitrag im Wirtschaftsmagazin «Inc.» die Vermutung, dass die Angleichung zwischen Original und Zero Teil einer Strategie ist. Die zuckerfreie Variante soll nicht mehr als Alternative zur eigentlichen Coca-Cola erscheinen – sie ist jetzt Coca-Cola.Coca-Cola, das ist eine Marke, die laut dem Marktforschungsinstitut Kantar 121 Milliarden Dollar wert ist. Coca-Cola, das sind Strandferien und Grillabende, Americana, der Weihnachtsmann und die Fussball-WM – über 100 Jahre Werbung, in denen sich beschlagene Gläser voller Eiswürfel und Zitronen mit prickelnder dunkler Flüssigkeit füllen. Kaum ein Design erzählt mehr Geschichten, kaum eins weckt den Durst dadurch stärker als der weiss verschnörkelte Schriftzug auf der roten Flasche oder Dose.Der Neurowissenschafter Read Montague hat anhand von Coca-Cola sogar aufgezeigt, wie stark die Vorliebe für eine Marke das Geschmackserlebnis beeinflussen kann. In einer Studie von 2004 setzte er Probanden Coca-Cola und Pepsi in einem Blindtest vor. Beide waren gleich beliebt. Erst als Montague je ein Getränk mit «Coca-Cola» anschrieb, fanden die Testpersonen dieses leckerer. Bei der Wahl des beschrifteten Bechers zeigte sich, dass bei den Probanden Teile des Gehirns aktiviert wurden, die mit dem Abruf von Erinnerungen und kulturellen Prägungen in Verbindung stehen.Eben deshalb wurde der weisse Schriftzug wohl auf die Zero-Flaschen gesetzt – in der Hoffnung, dass sich mit ihm die Erinnerungen an das Original, das Gefühl und der Geschmack übertragen.Hält der gesellschaftliche Trend zu weniger Zucker an, dann scheint Coca-Cola nun gerüstet: Die Coke Zero könnte in Zukunft zur Hauptlinie werden, die originale Coca-Cola zur Alternative. Die Kunden hätten sich optisch bereits an sie gewöhnt. Coca-Cola ist tot, es lebe Coca-Cola.Passend zum Artikel
Vor 21 Jahren kam Coca-Cola Zero auf den Markt – explizit für Männer. Jetzt kriegt das Getränk eine neue Hülle.
Vor 21 Jahren kam Coca-Cola Zero auf den Markt – explizit für Männer. Jetzt kriegt das Getränk eine neue Hülle. Und sieht plötzlich aus wie das ikonische Original.







