„Rockstars“: 30 Profisegler – darunter Weltmeister, America’s und Admiral’s Cup-Sieger – hat Eigner Peter Harrison für das erste Rennen mit seiner „Rainbow“ als Crew zusammengestellt Quelle: Lloyd ImagesDie „Rainbow“ ist eine der legendärsten Segelyachten, die je gebaut wurden. Als Siegerin des America’s Cup von 1934 steht sie für Pioniergeist und Luxus – heute ergänzt mit modernster Technik. Unser Autor ist für ein Rennen mit an Bord gegangen.Die teuerste Yoga-Session der Welt beginnt an einem Donnerstagmittag Ende Juni in der Bucht von Palma de Mallorca. Neben Peter Harrison, der zu der Stunde geladen hat, steht bei perfekten Wetterbedingungen Ed Baird, ein grauhaariger Amerikaner mit gegerbter Haut, Basecap und Sonnenbrille. In der folgenden Stunde ruft Baird mit sonorer Stimme ruhig und konzentriert Kommandos in den Wind. Er lobt lautstark, wenn er sieht, dass sich alle wie gewünscht bewegen. Er mahnt, wenn nötig, sanfte Korrekturen an. Die vielen Männer und wenigen Frauen an Deck führen die Anweisungen trotz bedenklicher Schräglage präzise aus. Ein Uhrwerk der Effizienz, eine Woge der Eleganz unter blauem Himmel mit Panoramablick auf Kathedrale und Hafen.„Segeln ist für mich fast wie Yoga – eine Art Meditation“, wird Peter Harrison später im Gespräch erklären. Der 60-Jährige ist CEO der Uhrenmarke Richard Mille für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, aktuell aber steht er am Steuerrad der Yacht „Rainbow“, 40 Meter lang, 164 Tonnen schwer, die er im vergangenen Herbst gekauft hat. Zum Preis macht er keine Angaben, kolportiert werden neun Millionen Euro. Heute führt er sie zum ersten Mal als Besitzer und Steuermann in voller Rennausrüstung in einen Wettkampf. Beim „Superyacht Cup Palma“ geht es in vier Läufen gegen die „Svea“, eine weitere Schönheit, die mit 43 Metern und 193 Tonnen noch etwas länger und schwerer ist als die „Rainbow“. Auch „Svea“ wird von ihrem Besitzer gesteuert, dem schwedischen Skype-Gründer Niklas Zennström. Es ist ein Kampf unter Giganten, bei dem Geld keine Rolle spielt. Das Bonmot eines JP-Morgan-Bankers über die Welt der Superyachten lautet: „Wenn du nach den Kosten fragen musst, kannst du es dir nicht leisten.“Wettkampf und PrestigeIn dieser exklusiven Welt wiederum gibt es kaum etwas Begehrteres als die Boote der „J-Class“. Eine J-Class konkurrenzfähig für ein Rennen mit Material und Crew auszustatten, das „kostet bis zu einer Million Euro“, sagte Yann Gouinot, Crewmitglied auf der 39 Meter langen Superyacht „Cervo“, die in Palma in einer anderen Klasse antritt. Allein die Erwähnung, dass man auf einer dieser Yachten – es gibt nur neun auf der Welt – bei einem Rennen mitgefahren ist, ja, nach der Regatta sogar ein paar Minuten ans Steuerrad durfte, lässt auch bei Profiseglern die Kinnlade herunterklappen. „J-Class-Yachten waren in den 1930er-Jahren das Nonplusultra im Segelsport“, betont Kate Branagh, die Direktorin des „Superyacht Cups Palma“. Und Peter Harrison zählt – wie auch Zennström – zu einer jüngeren Generation von Besitzern, die die ursprüngliche Bestimmung der J-Class-Yachten wiederbeleben wollen: Rennen zu fahren. Es sind sehr, sehr vermögende Männer. Sie eint ein Faible für Sport, Tradition, technische und handwerkliche Exzellenz – und sie alle lieben den Wettkampf. Es geht um Spaß und Prestige – und natürlich ums Gewinnen.Lesen Sie auchFür Peter Harrison ist der Segelsport auf diesem Niveau die konsequente Ergänzung seiner Tätigkeit als Uhren-Manager. Zusammen mit Namensgeber Richard Mille gründete er 2005 die Marke, die rasch berühmt wurde für superluxuriöse mechanische Uhren, die hochkomplex sind und dabei extrem leicht und widerstandsfähig. „Eine Rennmaschine am Handgelenk“, lautet ihr Claim. „Wir sponsern die Formel 1, aber man kann sich eben nicht hinter Charles Leclerc setzen, während er seine Runden auf der Rennstrecke dreht“, erklärt Harrison. „Man kann sich jedoch an Bord einer der fantastischsten Segelyachten aller Zeiten ein Rennen gegen ein anderes Boot liefern.“Voraussetzung für solch ein Rennen ist eine All-Pro-Mannschaft, die wie ein komplexes Uhrwerk zusammenarbeitet. Harrison hat dazu einige „Rockstars“ des Segelns verpflichtet, etwa den eingangs erwähnten Phillip „Ed“ Baird, einen achtfachen Weltmeister und zweifachen Gewinner des America’s Cup (1995 und 2007). Als „Taktiker“ berät er Harrison und gibt die Kommandos, die Crewchef Mo Green mit seinen Leuten umsetzt. Hinter Harrison hockt Ben Saxton, auch er ein Welt- und Europameister sowie Admiral’s-Cup-Gewinner. Der Brite beobachtet als „Stratege“ Wind, Wellen und Konkurrenz und gibt zusammen mit dem „Navigator“ Andy Green, der unter Deck an einem Computer sitzt, Harrison übers Headset Tipps für den besten Kurs. Wer das Zusammenspiel aller an Bord beobachtet, versteht, warum Harrison betont, dass Segeln das einzige seiner vielen Hobbys sei, bei dem er „komplett vom Job abschalten kann“: weil er muss. Als einziger Amateur will er die 30 Profisegler beim Rennen (die feste Mannschaft der Yacht besteht aus sechs) natürlich nicht enttäuschen.Sieg mit Pierre CasiraghiHarrison, ein Brite, aufgewachsen in Reading, hat das Handwerk im Londoner Edelkaufhaus Harrods gelernt. Er übernahm dort bereits mit Anfang zwanzig das Uhrengeschäft. Harrison hatte zu der Zeit einen surfwütigen Mitbewohner, mit dem er – Harrods schloss bereits um 17 Uhr – direkt von der Arbeit ans Meer fuhr. Über das Surfen kam er zu seinem ersten Segelboot, einer Tofinou, einem französischen Daysailer, klein, klassisch, sehr hübsch. Mit ihm fuhr er erste Rennen auf dem Genfer See, nachdem er aus beruflichen Gründen in die Schweiz gezogen war. Die Boote wuchsen mit dem Erfolg im Job. „Wir segeln alle in der Familie. Meine drei Töchter segeln Regatten – die Jüngste hat gerade damit angefangen – nur mein Sohn noch nicht. Aber er ist auch noch sehr jung.“ Heute ist Harrison Eigentümer eines eigenen Rennteams („Jolt“). Der Yacht Club Monaco, in dem Harrison Mitglied ist, siegte auf zwei Jolt-Booten 2025 beim Revival des Admiral’s Cup. Das eine Boot steuerte Harrison, das andere fuhr Pierre Casiraghi, der jüngste Sohn von Caroline von Monaco. „Das war das Härteste, was ich je gemacht habe“, sagt Harrison. Mit „Rainbow“ ist er im Kampf ums Prestige wieder einen Schritt weiter.Die Yachten der J-Klasse wurden in den 1930er-Jahren gebaut, um den Sieg beim America’s Cup zu erringen, dem ältesten Segelwettkampf der Welt. „Wenn man bedenkt, was Persönlichkeiten wie Elon Musk heute mit dem Start von Raketen ins All erreichen, bekommt man eine Vorstellung von dem Ehrgeiz, der die Segler und Konstrukteure der 1930er-Jahre antrieb“, sagt Harrison. „Als ich mich dazu entschloss, eine J-Class-Yacht zu erwerben, wollte ich diesen Geist bewahren.“Lesen Sie auchDer America’s Cup wurde damals vor Newport ausgetragen, dem Mekka des US-Segelsports. Newport, Rhode Island, ist auch der Ort, an dessen umliegender Küste die erste Generation der Superreichen ihre Sommerhäuser hatte. Die „Rainbow“, America’s-Cup-Siegerin 1934, entwarf der legendäre Bootsbauer Starling Burgess im Auftrag des Eisenbahn-Tycoons Harold S. Vanderbilt. Dann kam der Zweite Weltkrieg und die Boote wurden vergessen – nur drei überlebten im Morast. Die Wiederentdeckung begann Mitte der 1980er-Jahre. Seitdem wurden die drei Originale restauriert und sechs Yachten nachgebaut.„Rainbow“ ist so eine Replika, die zwischen 2006 und 2012 nach Originalplänen vom niederländischen Yachtdesigner Gerard Dykstra konzipiert wurde. Im Innern sieht die Yacht – dunkles, glänzendes Holz, schnörkellos gediegener Ostküsten-Stil – aus wie das Set einer Ralph-Lauren-Werbung. Technisch aber ist „Rainbow“, wie alle J-Class-Yachten, auf dem neuesten Stand. Das flache Teakholzdeck wurde um die erlaubten zehn Zentimeter erhöht, um Platz für moderne Technik zu schaffen. Auch sind etwa der Mast aus Karbon und die Segel in der Rennausstattung aus einem Verbundstoff namens TPT.Das RennenIm ersten von zwei Läufen sieht es gut aus für „Rainbow“. Bei der Rundung der ersten Tonne kann sie knapp die Führung behaupten. Die meiste Zeit sitzt die Crew als Gegengewicht entspannt in Reihe auf dem oberen Rand des flachen Bootsdecks. Bei den Manövern aber, die wegen der Trägheit des Kolosses lange vorher angesagt werden, herrscht volle Action. Besonders die „Rugby Gang“ vorn ist mit dem 1000-Quadratmeter-Spinnaker gefordert. „Diese Yacht ist riesig, der Mast allein 56 Meter hoch. Das Tolle aber ist: Letztlich segelt man sie genauso wie eine Jolle, auf der jeder mal anfängt“, sagt Dave „Freddie“ Carr, mit sechs America’s-Cup-Teilnahmen ein weiterer „Rockstar“ an Bord.Regattasegeln ist aber auch immer wie Schachspielen auf dem Wasser. Bei der zweiten Tonne rät Taktiker Baird, erst einmal abzuwarten, was die „Svea“ macht. Im Nachhinein keine gute Idee. Die „Svea“ setzt sich zwischen „Rainbow“ und Wind – wir müssen abdrehen. Eine knappe Niederlage. Der zweite Lauf geht etwas deutlicher an die „Svea“. Am nächsten Tag gehen die beiden Läufe unentschieden aus. Am Ende steht ein verlorenes Duell. „Die anderen segeln seit fünf Jahren auf ihrem Boot“, kommentiert Freddie Carr knapp. „Wir seit vier Tagen.“Peter Harrison ist nicht unzufrieden: „Wir haben heute verloren, aber ich liege deshalb nicht schlaflos im Bett. Es gibt nichts Besseres für die eigene Weiterentwicklung als harten Wettbewerb.“ Das Rennen war für ihn nur ein Anfang.Lesen Sie auchDie Teilnahme an der Regatta wurde unterstützt von Richard Mille. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit
Superyachten: Am Steuer einer der spektakulärsten Segelyachten der Welt - WELT
Die „Rainbow“ ist eine der legendärsten Segelyachten, die je gebaut wurden. Die Siegerin im America's Cup von 1934 steht für Pioniergeist und Luxus – heute ergänzt mit modernster Technik. Unser Autor ist für ein Rennen mit an Bord gegangen.







