Tagebuch einer Spazierhörerin: In der heißen Jahreszeit findet das Leben draußen statt, wo jede Menge geplappert und gepappelt wird.

S ommer, Zeit der Waldbrände und Gartenfeste. Schwüle lastet über hitzedürrem Rasen, noch sind die Munitionsdepots im Grunewald nicht explodiert, und die monotonen Kiefernhaine stehen stramm. Carpe Diem, ab ins Getümmel und in einen der überall plätschernden Small Talks eintauchen.

Gleich nebenan sind Reiseerlebnisse im Angebot, die gilt es unbedingt in weitem Bogen zu umfahren. Schon in meiner Jugend begegnete ich langatmigen Weltenbummlerberichten – selbst Homers „Odyssee“ – mit herzlichem Desinteresse, und auf Schwärmereien von dem fantastischen Hotel an der Dingsda-Mittelmeerküste oder der bewusstseinserweiternden Langstreckenwanderung durch die Mongolei reagiere ich mit ähnlichem Enthusiasmus. Ich mache lieber eigene Reisebekanntschaften. Ein Grund, weshalb der entnervte Stoßseufzer aus einem Grüppchen in der Nähe mich aufhorchen lässt: „Zugfahrten sind das Schlimmste! Alle quatschen, aber ich interessier mich einfach nicht für das, was die Leute da so von sich geben!“

Freigiebige Inhalte

Welch eine Verschwendung! Aus freigiebig geteilten Gesprächsinhalten Fremder darf man doch die wertvollsten Informationen mitnehmen! Was der Cousine nach einer viel zu lange aufgeschobenen Scheidung half: „Boxen. Und jeden Abend ein ordentlicher Joint!“ Oder dass man dem Opa nie das eigene Handy überlassen soll: „Der fasst das Ding einmal an und hat alles gelöscht, der staubsaugt sogar das Internet leer!“