KommentarGeschenk für die Republikaner: Der Linksdrall in Michigan könnte den Demokraten den Senat kostenEs ist ein kleines Erdbeben: Bei der Vorwahl für einen Senatssitz im Swing State Michigan setzt sich der linke und israelkritische Kandidat Abdul El-Sayed gegen die Favoritin der Parteiführung durch. Das freut auch die Konservativen. Ihre Siegchancen im November sind gestiegen.06.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenAbdul El-Sayed verlässt in der Wahlnacht die Rednerbühne als Sieger.Julia Demaree Nikhinson / APDie demokratischen Wähler haben offensichtlich Lust auf interne Parteirevolten. Bereits bei den Vorwahlen zum Kongress in New York setzten sich im Juni mehrere Kandidaten der Demokratischen Sozialisten gegen gemässigtere und erfahrenere Politiker durch. Wie sich nun zeigt, bleibt der Linksdrall aber nicht bloss auf demokratische Hochburgen wie New York beschränkt. Im umkämpften Swing State Michigan setzte sich am Dienstag mit dem 41-jährigen Abdul El-Sayed ebenfalls der linke und israelkritische Kandidat gegen die Favoritin der Parteiführung, Haley Stevens, durch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Resultat war denkbar knapp. Erst über 24 Stunden nach der Schliessung der Wahllokale erklärte die Nachrichtenagentur AP den Sohn ägyptischer Einwanderer zum Sieger mit 48,5 zu 47,5 Prozent der Stimmen. Der Triumph fiel knapper aus, als es die Umfragen vorausgesagt hatten. Trotzdem ist es ein bemerkenswerter Erfolg für den linken Parteiflügel in einem Swing State, der von Biden 2020 und Trump 2024 nur mit knappem Vorsprung gewonnen wurde.Populäre Israel-KritikHaley Stevens sass bereits seit 2019 im Repräsentantenhaus. Sie genoss die Unterstützung der Parteiführung und auch der populären Gouverneurin Gretchen Whitmer. Diese hatte ihre Vorwahl für das Gouverneursamt 2018 ausgerechnet gegen El-Sayed deutlich gewonnen. Immer wieder wird Whitmer als mögliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten genannt. Doch ihre Unterstützung half Stevens am Ende ebenso wenig wie die rund 30 Millionen Dollar, welche die proisraelische Lobbygruppe Aipac in ihren Wahlkampf investiert hatte.Im Wahlkampf kritisierte El-Sayed die amerikanische Militärhilfe für Israel und wehrte sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Die Kritik an einer ausländischen Regierung sei kein Antisemitismus, erklärte El-Sayed. «Wir lieben die Juden und das Judentum.» Aber Menschenrechte hörten nicht an der Grenze der USA auf: «Ihr könnt nicht behaupten, dass ihr in unsere Kinder investiert, wenn ihr unser Geld ins Ausland schickt, um die Kinder anderer Leute zu töten», sagte der gewiefte Rhetoriker vor einem jubelnden Publikum.Der Arzt, Epidemiologe und ehemalige Gesundheitsdirektor von Detroit trifft damit offensichtlich die Stimmung in der eigenen Wählerbasis. Knapp 60 Prozent der demokratischen Wähler sind der Meinung, dass die amerikanische Hilfe für Israel zu gross sei. Vor zwei Jahren waren es lediglich 45 Prozent.Republikaner reiben sich die HändeNeben der Kritik an Israel spricht sich El-Sayed für eine staatliche Krankenversicherung für alle Bürger, höhere Steuern für Milliardäre und die Abschaffung der Einwanderungspolizei aus. Aber nicht nur der linke Flügel der Demokraten freute sich am Mittwoch über seinen Wahlsieg. Auch die Republikaner und ihr Senatskandidat in Michigan, der ehemalige Kongressabgeordnete Mike Rogers, rieben sich vermutlich die Hände. In einem ersten Werbespot schürten die Republikaner die Fremdenangst der Wähler. In dem Video wird El-Sayed unter anderem vorgeworfen, ein Unterstützer der Muslimbruderschaft zu sein. Das Fazit war klar: «Abdul El-Sayed ist zu radikal, zu gefährlich und falsch für Michigan.»Gemäss einer aktuellen Umfrage hätte Stevens bei den Zwischenwahlen im November die besseren Siegeschancen gegen Rogers gehabt als El-Sayed. Die Resultate der Vorwahl zeigten zudem, dass Stevens mehr Stimmen aus der Arbeiterklasse erhielt. Universitätsabgänger und Besserverdienende tendierten eher zu El-Sayed. Dabei ist es eigentlich das erklärte Ziel der Demokraten, Trumps Republikanern die Arbeiterklasse wieder abspenstig zu machen.Die Kontrolle über das Repräsentantenhaus dürften die Demokraten im November vermutlich zurückgewinnen. Bei den Zwischenwahlen zum Kongress ist ein solcher Sieg der Oppositionspartei die Regel. Nach den Vorwahlen in Michigan dürfte es für die Demokraten aber noch schwieriger werden, den Republikanern die Mehrheit im Senat von 53 zu 47 Sitzen zu entreissen.Selbst mit einem Sieg in Michigan könnten sie an dieser Sitzverteilung nichts ändern. Denn der Sitz gehörte bisher bereits einem Demokraten, der nun abtritt. Mit El-Sayed scheint nun aber der eigentlich einkalkulierte Sieg in Michigan fraglich zu sein. Am Ende könnten die Republikaner vom Linksdrall der Demokraten profitieren.Passend zum Artikel