PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolinePolitik (Ausland)Zweifel über schnelle Öffnung der Straße von HormusStand: 15:00 UhrLesedauer: 4 MinutenEin Mädchen schaukelt am Ufer, während Frachtschiffe und andere Handelsschiffe in der Straße von Hormus vor Anker liegen. (Archivbild)Quelle: Razieh Poudat/ISNA/AP/dpaDer Iran und die USA sprechen von Fortschritten im Konflikt um die Straße von Hormus. Könnte eine Einigung um die Meerenge ein erster Schritt zur Lösung des Kriegs sein?Nach Ankündigungen der USA und des Irans über Fortschritte hin zu einer Lösung im Konflikt um die Straße von Hormus bleiben Zweifel an einer schnellen Übereinkunft. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstagabend (Ortszeit) von einer Öffnung der Meerenge am Mittwoch oder Donnerstag gesprochen. Aus Teheran hieß es, man verhandle erfolgreich mit dem anderen Anrainerstaat der Meerenge, dem Oman, wie der Staatssender Press TV berichtete. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass dies noch keine zügige Öffnung der Straße von Hormus bedeute.Zuletzt hatte der Iran zunächst von einer Art Rundkurs als Lösung gesprochen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge könnten somit Schiffe auf einer nördlichen Route durch die Meerenge hindurch in den Persischen Golf einfahren und auf einer südlichen Route entlang der Küste des Omans ausfahren. Es soll sich um eine temporäre Lösung handeln, sodass vom Iran verlegte Seeminen beseitigt werden können.Selbst mit Einigung: Meerenge bleibt DruckmittelVor Ausbruch des Krieges konnten Schiffe ungehindert durch die Meerenge fahren. Jegliche Zugeständnisse dem Iran gegenüber, die Schifffahrt dort zu kontrollieren, wären ein strategischer Gewinn für Teheran.Somit könnte die Islamische Republik möglicherweise nicht nur längerfristig Gebühren für Passagen auf der wichtigen Handelsroute verlangen und etwa Kriegsschiffe von der Durchfahrt ausschließen - Teheran könnte auch steuern, wie viele Schiffe überhaupt in den Persischen Golf einfahren können und somit in folgenden Verhandlungen mit den USA weiterhin Druck aufbauen, schrieb der Iran-Analyst Esfandyar Batmanghelidj auf X. Denn selbst eine zeitweilige Einigung im Konflikt um die Straße von Hormus wäre nur ein erster Schritt zu weiteren Verhandlungen - etwa um das umstrittene iranische Atomprogramm.Zudem könnte die Straße von Hormus auch noch längerfristig ein wichtiges Druckmittel für den Iran bleiben. Ölländer am Golf könnten zwar über weitere Überlandpipelines versuchen, sich unabhängiger vom Schiffsverkehr durch die Meerenge zu machen, schrieb der britische «Economist» in einer aktuellen Analyse. Doch auch Pipelines seien anfällig für Angriffe, die Strategie würde Zeit benötigen und wäre überwiegend für den Export von Rohöl eine Lösung. Für raffinierte Produkte - etwa Diesel - bestünden bisher gar keine Pipelines vor Ort.Und für Europa besonders relevant: Der Flüssigerdgaslieferant Katar könnte zwar massive Gasleitungen nach außerhalb des Persischen Golfes verlegen - müsste jedoch seinen gesamten industriellen Komplex zur Verflüssigung in das schiffbare LNG neu aufbauen, schreibt das Blatt. Alternativen zur Straße von Hormus würden somit massive Investitionen und damit mögliche Mehrkosten für Konsumenten bedeuten.Wackelkandidat TrumpZudem bleiben nach monatelangem diplomatischen Hin und Her zwischen dem Iran und den USA weitere Zweifel an einer schnellen und nachhaltigen Öffnung der Meerenge. Denn bereits das Mitte Juni verhandelte Rahmenabkommen zwischen den Ländern hatte vorgesehen, die Straße von Hormus für die Schifffahrt freizumachen. Die entsprechenden Formulierungen blieben jedoch vage und die iranischen Revolutionsgarden griffen bald nach der Einigung Schiffe an, deren Durchfahrt Teheran nicht genehmigt hatte.Es folgte massiver Beschuss des US-Militärs auf Ziele im Iran, Streitkräfte der Islamischen Republik griffen daraufhin wieder US-Ziele in der Region an. Der Konflikt sollte nach ursprünglichen Angaben von US-Präsident Trump nur einige Wochen dauern. Inzwischen sind es rund fünf Monate. Kritiker werfen ihm vor, sich verkalkuliert zu haben und warnen vor einem langwierigen Krieg.Im eigenen Land hat der Republikaner schlechte Umfragewerte. Der Druck auf den Präsidenten steigt aktuell innenpolitisch auch wegen der anstehenden Zwischenwahlen im US-Parlament am 3. November. Die Republikaner wollen ihre dünnen Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus verteidigen. Steigende Energiepreise infolge des Krieges trieben auch die Preise an US-Tankstellen in die Höhe.Um der Kritik im eigenen Land zu entgehen, könnte Trump, der zuletzt immer wieder dem Iran martialisch gedroht hatte, eine Einigung zur Straße von Hormus als «politischen Durchbruch» verkaufen, sagte der Iran-Experte Ali Vaez der britischen «Financial Times». An einer langfristigen Lösung zweifelt er aber. «Dann ärgert ihn Kritik an dem Durchbruch und er geht wieder zur Gewalt über. Und wenn Gewalt keine Ergebnisse bringt, dann geht er wieder zurück zu einer kurzfristigen Waffenruhe und dann geht der Kreis von vorn los», sagte Vaez dem Blatt.dpa-infocom GmbH
Zweifel über schnelle Öffnung der Straße von Hormus - WELT
Der Iran und die USA sprechen von Fortschritten im Konflikt um die Straße von Hormus. Könnte eine Einigung um die Meerenge ein erster Schritt zur Lösung des Kriegs sein?










