Teheran/Doha/Washington (dpa) - Nach der jüngsten Drohung von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran gehen Bemühungen um ein diplomatisches Beilegen des Konflikts weiter. „Alle in der Region arbeiten gemeinsam, um eine Eskalation zu vermeiden“, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, in der Hauptstadt Doha. Er sprach von laufenden diplomatischen Bemühungen, die „bereits weit fortgeschritten“ seien. Eine Lösung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus wird Angaben aus Katar und den USA zufolge in Kürze erwartet. In Rom gingen unterdessen Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zur weiteren Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens weiter. Einigung zur Schifffahrt könnte bald kommenUS-Finanzminister Scott Bessent stellte eine mögliche Wiedereröffnung der Meerenge für heute oder morgen in Aussicht. „Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen“, sagte er in einem Interview des US-Senders CNBC. Angesprochen auf eine mögliche Gebührenerhebung entgegnete er, er gehe von einer freien Durchfahrt aus. Auch der katarische Außenamtssprecher al-Ansari sagte, eine Einigung zur Meerenge sei bisher nicht erreicht - dies könne sich jedoch „in den nächsten Tagen oder Stunden ändern“.Noch am Montag hatte US-Präsident Donald Trump Teheran erneut gedroht, um eine Verhandlungslösung zu erreichen. Im Weißen Haus sagte er: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben“. Zuerst solle es um eine Öffnung der wichtigen Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman gehen, dann um eine Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm. Angaben aus dem Iran zufolge gibt es derzeit nur Gespräche über Vermittler, aber keine direkten Kontakte zwischen beiden Ländern.Iran bringt Rundkurs für Schiffe ins SpielDer Iran hatte eine Art Rundkurs für die für den internationalen Handel wichtige Meerenge ins Spiel gebracht: Gemeinsam mit dem Anrainerstaat Oman könnten Frachter auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren. Nachdem die Schiffe Häfen im Iran oder in arabischen Golfstaaten angelaufen haben, könnten sie für die Rückfahrt eine südliche Route durch omanische Hoheitsgewässer nutzen.Auch die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf iranische und US-Beamte über die Pläne. Demnach gebe es im US-Verteidigungsministerium jedoch Vorbehalte gegen die Lösung. Einerseits stelle dies fast eine Kapitulation gegenüber dem Iran dar. Andererseits seien derzeit immer noch so viele iranische Seeminen in den omanischen Gewässern verlegt, dass Passagen dort Koordination mit der Islamischen Republik erfordere.Die Lösung würde dem Iran erlauben zu kontrollieren, welche Schiffe in den Persischen Golf einfahren und etwa Kriegsschiffen die Passage verwehren. Zudem ermöglicht die Regelung der Islamischen Republik, Gebühren für die Einfahrt zu kassieren.Für den Iran ist die Straße von Hormus zu einem wichtigen Druckmittel im Konflikt mit den USA geworden. (Symbolbild) Vahid Salemi/AP/dpaSchifffahrt in Nahen Osten weiter unter DruckTrotz ausbleibender Angriffe direkter zwischen den USA und dem Iran kam auch in der Nacht auf Dienstag wieder ein Frachter in der Straße von Hormus unter Beschuss. Wie die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte, ereignete sich der Vorfall rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Chasab. Die Behörde machte zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten auf dem Frachter.Die anhaltenden Spannungen in der Region setzen den Schiffsverkehr im Nahen Osten weiterhin unter Druck: Die Straße von Hormus passierten am Montag lediglich neun Schiffe, wie aus Informationen des Datenanbieters Kpler hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In der vergangenen Woche durchfuhren demnach täglich im Schnitt etwa 16 Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch Drohungen und Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen gegenüber Saudi-Arabien ist zudem die Schifffahrt durch den Seeweg Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers beeinträchtigt. Weitere Gespräche zwischen Israel und LibanonDer Iran-Krieg führte Anfang März auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon mit gegenseitigen Angriffen. Im Libanon wurden dabei nach Behördenangaben mehr als 4.000 Menschen getötet. Seit April führen die libanesische und israelische Regierung nun erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Am Dienstag gingen diese in Rom in eine neue Runde, wie Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Dabei geht es um die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens. Ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah soll dabei nach Angaben von libanesischen Regierungskreisen ein zentrales Thema sein. Im Libanon kamen bei Angriffen Tausende ums Leben. (Symbolbild) Hassan Ammar/AP/dpaWashington vermittelt in dem Konflikt. Dabei geht es auch darum, eine Konfliktlösung unabhängig vom Iran zu erzielen, der ein wichtiger Verbündeter Hisbollah ist. Die Hisbollah selbst ist nicht an den Gesprächen beteiligt. Das jüngste Rahmenabkommen sieht sowohl den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt. Es ist die siebte Gesprächsrunde. Sie soll bis Donnerstag fortgesetzt werden.© dpa-infocom, dpa:260804-930-480045/3
Iran-Krieg: Neue Lösung für Straße von Hormus in Sicht?
Teheran/Doha/Washington (dpa) - Nach der jüngsten Drohung von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran gehen Bemühungen um ein diplomatisches Beilegen des Konflikts weiter. „Alle in der Region arbeiten gemeinsam, um eine Eskalation zu vermeiden“, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, in der Hauptstadt Doha. Er sprach von laufenden diplomatischen Bemühungen, die „bereits weit fortgeschritten“ seien. Eine Lösung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus wird Angaben aus Katar und den USA zufolge in Kürze erwartet. In Rom gingen unterdessen Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zur weiteren Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens weiter. Einigung zur Schifffahrt könnte bald kommenUS-Finanzminister Scott Bessent stellte eine mögliche Wiedereröffnung der Meerenge für heute oder morgen in Aussicht. „Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen“, sagte er in einem Interview des US-Senders CNBC. Angesprochen auf eine mögliche Gebührenerhebung entgegnete er, er gehe von einer freien Durchfahrt aus. Auch der katarische Außenamtssprecher al-Ansari sagte, eine Einigung zur Meerenge sei bisher nicht erreicht - dies könne sich jedoch „in den nächsten Tagen oder Stunden ändern“.Noch am Montag hatte US-Präsident Donald Trump Teheran erneut gedroht, um eine Verhandlungslösung zu erreichen. Im Weißen Haus sagte er: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben“. Zuerst solle es um eine Öffnung der wichtigen Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman gehen, dann um eine Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm. Angaben aus dem Iran zufolge gibt es derzeit nur Gespräche über Vermittler, aber keine direkten Kontakte zwischen beiden Ländern.Iran bringt Rundkurs für Schiffe ins SpielDer Iran hatte eine Art Rundkurs für die für den internationalen Handel wichtige Meerenge ins Spiel gebracht: Gemeinsam mit dem Anrainerstaat Oman könnten Frachter auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren. Nachdem die Schiffe Häfen im Iran oder in arabischen Golfstaaten angelaufen haben, könnten sie für die Rückfahrt eine südliche Route durch omanische Hoheitsgewässer nutzen.Auch die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf iranische und US-Beamte über die Pläne. Demnach gebe es im US-Verteidigungsministerium jedoch Vorbehalte gegen die Lösung. Einerseits stelle dies fast eine Kapitulation gegenüber dem Iran dar. Andererseits seien derzeit immer noch so viele iranische Seeminen in den omanischen Gewässern verlegt, dass Passagen dort Koordination mit der Islamischen Republik erfordere.Die Lösung würde dem Iran erlauben zu kontrollieren, welche Schiffe in den Persischen Golf einfahren und etwa Kriegsschiffen die Passage verwehren. Zudem ermöglicht die Regelung der Islamischen Republik, Gebühren für die Einfahrt zu kassieren.Für den Iran ist die Straße von Hormus zu einem wichtigen Druckmittel im Konflikt mit den USA geworden. (Symbolbild) Vahid Salemi/AP/dpaSchifffahrt in Nahen Osten weiter unter DruckTrotz ausbleibender Angriffe direkter zwischen den USA und dem Iran kam auch in der Nacht auf Dienstag wieder ein Frachter in der Straße von Hormus unter Beschuss. Wie die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte, ereignete sich der Vorfall rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Chasab. Die Behörde machte zunächst keine Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten auf dem Frachter.Die anhaltenden Spannungen in der Region setzen den Schiffsverkehr im Nahen Osten weiterhin unter Druck: Die Straße von Hormus passierten am Montag lediglich neun Schiffe, wie aus Informationen des Datenanbieters Kpler hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In der vergangenen Woche durchfuhren demnach täglich im Schnitt etwa 16 Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch Drohungen und Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen gegenüber Saudi-Arabien ist zudem die Schifffahrt durch den Seeweg Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers beeinträchtigt. Weitere Gespräche zwischen Israel und LibanonDer Iran-Krieg führte Anfang März auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon mit gegenseitigen Angriffen. Im Libanon wurden dabei nach Behördenangaben mehr als 4.000 Menschen getötet. Seit April führen die libanesische und israelische Regierung nun erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Am Dienstag gingen diese in Rom in eine neue Runde, wie Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Dabei geht es um die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens. Ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah soll dabei nach Angaben von libanesischen Regierungskreisen ein zentrales Thema sein. Im Libanon kamen bei Angriffen Tausende ums Leben. (Symbolbild) Hassan Ammar/AP/dpaWashington vermittelt in dem Konflikt. Dabei geht es auch darum, eine Konfliktlösung unabhängig vom Iran zu erzielen, der ein wichtiger Verbündeter Hisbollah ist. Die Hisbollah selbst ist nicht an den Gesprächen beteiligt. Das jüngste Rahmenabkommen sieht sowohl den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt. Es ist die siebte Gesprächsrunde. Sie soll bis Donnerstag fortgesetzt werden.© dpa-infocom, dpa:260804-930-480045/3






