Der Schriftsteller Lukas Rietzschel über AfD, Existenzängste eines Kreativen, Vereinzelung, die SPD, Schutz vor Zynismus und seinen Roman „Sanditz“.

taz FUTURZWEI | Lukas Rietzschel lebt in der Lausitz, ist erst knapp über 30 und schreibt Romane und Theaterstücke, die dem ganzen Land seine ostdeutsche Heimat näherbringen. So auch in seinem neuesten Roman „Sanditz“ – es ist die Zeit der Coronapandemie und des beginnenden Kriegs in der Ukraine.

Dieser Blick mache ihn aber nicht zum „Osterklärer“, wie Medien ihn oft vorstellen. Er sei eine Stimme der Gegenwart. Sanditz steht auf der Bestsellerliste und Lukas Rietzschel ist gerade ständig im ganzen Land unterwegs. Zum Glück aber per Telefon erreichbar. Auch für taz-FUTURZWEI-Autor Aron Boks.

taz FUTURZWEI: Herr Rietzschel, seit unserer letzten Begegnung haben Sie nicht nur Ihren Roman fertig geschrieben, sondern treffen auch immer öfter Politiker der Bundesregierung. Was wollen die von Ihnen wissen?

Lukas Rietzschel: Ich stelle fest, dass Politiker wenig Literatur lesen. Sie werden stattdessen täglich mit vielen Zahlen und Statistiken und Umfragewerten belegt. Das führt dann vielleicht zu dem Missverständnis, dass Leute wie ich, denen man unterstellt, ein besonderes Gespür für alles das zu haben, das außerhalb von Messwerten liegt, diese Gesellschaft verstanden hätten. Und nun, nächste falsche Annahme, als wären wir so eine Art Scharnier zwischen Politik und der Gesellschaft. Das kann so nicht klappen.