Seit dem 30. Juni ist das Baurecht für Münchens höchste Türme in Kraft, doch nun soll es eine Klage dagegen geben: Der Verein Hochhausstop will ein Normenkontrollverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof unterstützen, mit dem Ziel, so das Neubauprojekt an der Paketposthalle mit zwei 155-Meter-Hochhäusern zu kippen. Das gaben die Vorsitzenden des Vereins, der CSU-Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper und der ehemalige SPD-Stadtrat Wolfgang Czisch auf einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag bekannt. Sie haben dabei die Unterstützung des Alt-Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD).Brannekämper sprach laut Manuskript, das der SZ vorab vorlag, von „ökologisch, sozial, verkehrs- und lärmschutztechnisch höchst bedenklichen Planungen“, gegen die nun rechtlich vorgegangen werde. Mit Verweis auf die zunehmenden Hitzewellen sei „klimagerechtes Bauen das Gebot der Stunde“. Hochhäuser mit 155 Metern, die in Bau und Betrieb deutlich mehr CO₂-Ausstoß produzieren als Gebäude mit einer Höhe bis zu 60 Metern seien das Gegenteil davon, so Brannekämper.Sein Mitstreiter Czisch sieht unter anderem in der Wirkung der Hochhäuser auf die denkmalgeschützte Anlage von Schloss Nymphenburg und in den Auswirkungen der Fundamente auf das Grundwasser Kritikpunkt, die vor Gericht überprüft werden sollten.Der Verein Hochhausstop wollte das Paketpost-Projekt, das den Bau von knapp 1200 Wohnungen, davon etwa die Hälfte zu preisregulierten Mieten, und 3000 Arbeitsplätzen vorsieht, zuvor mit einem Bürgerbegehren stoppen und sammelte dafür auch genug Unterschriften. Das Begehren wurde aber nicht zugelassen.Die nun angestrebte Normenkontrollklage kann der Verein selbst nicht anstrengen, dafür aber Immobilieneigentümer aus der Nachbarschaft des Planungsgebiets und anerkannte Verbände, etwa aus dem Naturschutz, die ein Klagerecht haben. Man sei bereits im Gespräch mit potenziellen Klägern, so Czisch. Es dürfte dabei auch um die Kosten für den Rechtsstreit gehen, bei denen der Verein Hochhausstop unterstützen könnte.Alt-OB Ude kritisiert, die Vereinbarungen der Stadt mit dem Investor, der Büschl-Unternehmensgruppe aus Grünwald, seien ein Verstoß gegen die Grundsätze der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon): Die Folgekosten des Bauprojekts würden nicht im bisher üblichen Maß vom Bauherren getragen, sondern der Allgemeinheit aufgebürdet. Ude bezieht sich dabei darauf, dass die Sanierungskosten für die denkmalgeschützte Paketposthalle, die Ralf Büschl von der Büschl-Gruppe einmal auf etwa 100 Millionen Euro beziffert hatte, in die Sobon-Berechnung eingeflossen seien. Die Stadt hat schon früher betont, dass das seine Richtigkeit habe. Schließlich entstehe unter der Paketposthalle ein großer öffentlicher und überdachter Stadtplatz.Hochhäuser an der Paketposthalle:Münchens Stadtpolitik steht vor einem historischen BeschlussDer Stadtrat stimmt am Mittwoch final über zwei 155 Meter hohe Türme und die Zukunft des Quartiers an der Paketposthalle ab. Antworten auf die wichtigsten Fragen.Beklagte in einem Normenkontrollverfahren wäre die Stadt, von ihr lag zunächst keine Stellungnahme vor. Hauptbetroffene wäre aber die Büschl-Gruppe, die im Fall eines Erfolgs der Kläger vor Gericht ihr Milliardenprojekt einstampfen müsste.In einer ersten Reaktion auf die Klageankündigung gab sich die Büschl-Gruppe gelassen. „Der Bebauungsplan wird nach unserer Ansicht auch in einem Normenkontrollverfahren Bestand haben“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Die Stadt sowie die beteiligten Gutachter und Anwälte hätten das Verfahren für den Bebauungsplan „mit Präzision und höchster Gewissenhaftigkeit“ durchgeführt.Er betont zudem, dass eine solche Klage, auch wenn sie eingereicht ist, „keine aufschiebende Wirkung auf die laufende Entwicklung des Projekts“ habe. Die Büschl-Gruppe werde „die kommenden Wochen, Monate und Jahre“ nutzen, um das Projekt „planmäßig entsprechend dem geschaffenen Baurecht zu verwirklichen“. Dieser Plan sieht vor, dass der Bau der dreigeschossigen Tiefgarage Ende 2027 oder 2028 beginnt und das gesamte Paketpost-Quartier im Jahr 2033 fertig wird.
Hochhausgegner wollen Münchens spektakulärstes Bauprojekt an der Paketposthalle stoppen
Der Verein will eine Klage gegen die beiden 155 Meter hohen Türme an der Paketposthalle anstoßen und wird dabei auch von Alt-OB Christian Ude unterstützt. Das sind die Argumente.






