Angelina Jolie glänzt im Modedrama «Couture»Die Regisseurin Alice Winocour nutzt die Paris Fashion Week als Bühne für Krankheit, Körper und weibliche Solidarität. «Couture» ist nicht nur ein Film über Mode, sondern über die feinen Fäden, die Menschen in existenziellen Momenten miteinander verbinden.05.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIn der Mode spiegelt sich der Mensch: Angelina Jolie spielt in «Couture» eine Regisseurin.Carole Bethuel / Pathé FilmsTeure Roben, schöne Menschen im Scheinwerferlicht und schrille Persönlichkeiten: Die Modewelt ist wie die verwöhnte Cousine der Filmbranche – gemeinsam suchen sie regelmässig das Rampenlicht. Neben der anhaltenden Präsenz von Model-Casting-Shows im Fernsehen zog zuletzt auch der zweite Teil von «Der Teufel trägt Prada» zahlreiche Fashionistas ins Kino. In ihrem neuen Spielfilm «Couture» macht die französische Regisseurin Alice Winocour jedoch schon im Titel klar, dass sie einen zutiefst menschlichen Ansatz wählt, indem sie das «Haute» von der «Couture» trennt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche amerikanische Regisseurin Maxine Walker, die im Rahmen der Paris Fashion Week einen Modefilm drehen soll. Für die Rolle konnte Angelina Jolie gewonnen werden, die den Film auch als Produzentin begleitet. Am Set hat ihre Maxine alles im Griff, selbst ihren rebellischen Regieassistenten Anton (Louis Garrel) – das Projekt soll zum Höhepunkt ihrer Karriere werden. Doch als sie während der Dreharbeiten einen Anruf ihres Arztes erhält, verschwimmt ihr Fokus: Sie erhält die Diagnose Brustkrebs.«Stille Wunden sichtbar machen»«Couture» entstand aus den eigenen einschneidenden Erfahrungen der Regisseurin mit der aggressiven Krankheit. Indem Winocour die Geschichte in der Welt der Mode ansiedelt, schafft sie die notwendige Distanz zu ihrer eigenen Erfahrung. Auch Jolies Engagement für den Film entspringt einer persönlichen Motivation.Aufgrund ihrer Familiengeschichte hatte sich die Schauspielerin 2013 für eine vorsorgliche beidseitige Mastektomie entschieden und diesen Schritt in ihrem Essay «My Medical Choice» für die «New York Times» öffentlich gemacht. «Wir hatten sofort eine Verbindung, weil sie das am eigenen Leib erfahren hatte», sagt Winocour beim Gespräch in Paris über ihre Zusammenarbeit mit Jolie und betont: «Es war für uns mehr als nur ein Film: Es ging darum, stille Wunden sichtbar zu machen.»Maxine durchläuft verschiedene Phasen: Als sie den Anruf zunächst nicht ernst nehmen will, schaltet sie stur auf Verdrängung. Bis sich in ihr die Gewissheit durchsetzt, dass sie sich den Tatsachen stellen muss. Filmisch setzt Winocour den aufregenden und glamourösen Bildwelten der Modeszene (erstmals in den heiligen Hallen von Chanel gedreht) nüchterne Aufnahmen von Spitalfluren und Behandlungszimmern entgegen.Während eine junge Schneiderin (Garance Marillier) im hellen Modesalon zarte Stoffe zurechtlegt, ihr Model präzise vermisst und die letzten Anpassungen am wichtigsten Kleid der gesamten Modenschau vornimmt, wird Maxines Oberkörper vom Arzt (Vincent Lindon) genau abgetastet. Mit klaren Linien markiert er ihre Haut und bereitet den lebensrettenden Eingriff vor.Mit feinem Gespür für Tempo und dem richtigen Mass an Realitätsnähe begleitet die Regisseurin das Publikum durch diese Erfahrungen. Ausserdem findet Winocour in diesem Setting eine weitere Analogie: «Die Modewelt ist eher eine Arena – eine Metapher für die gegenwärtige Welt, in der man seine Wünsche verbergen und in einer Welt des Scheins leben muss.»Dieses Motiv überträgt sich auch auf die Geschichten der beiden Nebenfiguren, denen Winocour viel Raum einräumt. Das sudanesische Model Ada (Anyier Anei), das eigentlich von einer wissenschaftlichen Karriere und einem Studium in Frankreich träumt, kommt neu in der Pariser Modewelt an. Sie muss mit dem enormen Druck umgehen, als Model die Hauptrolle in Maxines geplanter Filmproduktion zu spielen.Verbindungen aufbauenDie Schweizer Schauspielerin Ella Rumpf ist als gestresste Visagistin Angèle zu sehen, die hinter den Kulissen am schönen Schein der Gesichter arbeitet und hofft, ihrer wahren Leidenschaft, dem Schreiben, nachgehen zu können. Sowohl das junge Model als auch die erfahrene Make-up-Artistin befinden sich wie Maxine an einem Scheideweg im Leben. Durch sie klingt eine andere Gewissheit an, wie Winocour sagt: «Im Kern geht es um Frauen, die sich als Fremde begegnen und augenblicklich eine Verbindung zueinander aufbauen.»Auch die Schweizerin Ella Rumpf (li.) spielt als Visagistin in der amerikanisch-französischen Produktion mit.Carole Bethuel / Pathé FilmsDarüber hinaus erzählt «Couture» von selbstbewussten Frauen, die sich zwischen ihren Ambitionen, ihrem Begehren und dem Begehren anderer bewegen. In der Beziehung zu ihrem Assistenten findet Maxine zudem für kurze Zeit den Rückhalt und die Nähe, die sie für die nächsten unumgänglichen Schritte ihres Lebens – die Krebstherapie – braucht. Getragen wird «Couture» von der Präsenz Angelina Jolies, ihrer stolzen Verletzlichkeit und einer uneitlen Nähe zur Figur. «Sie mag einer der grössten Stars der Welt sein, aber sie ist immer noch der Punk, der sie schon als Teenager war», sagt Winocour über ihre Hauptdarstellerin.Nicht zufällig wurden bereits die griechischen Schicksalsgöttinnen, die Moiren, als Weberinnen und Schneiderinnen des Schicksals dargestellt: Sie spinnen den Lebensfaden und durchtrennen ihn, wenn die Zeit gekommen ist. «Couture» erzählt unaufgeregt, sinnlich und mit feiner Bitterkeit von drei sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen. Vor allem aber legt der Film die feinen Fäden frei, die unsere Leben miteinander verweben und zusammenhalten.Couture: Im Kino (106 Minuten)Passend zum Artikel
Zwischen Mode und Menschlichkeit: «Couture» mit Angelina Jolie
Die Regisseurin Alice Winocour nutzt die Paris Fashion Week als Bühne für Krankheit, Körper und weibliche Solidarität. «Couture» ist nicht nur ein Film über Mode, sondern über die feinen Fäden, die Menschen in existenziellen Momenten miteinander verbinden.








