Ausgeliehen und nie zurückgebracht: Buch taucht nach 150 Jahren wieder aufRund eineinhalb Jahrhunderte zu spät und dennoch willkommen: Ein lange verschollenes Buch hat den Weg zurück in eine australische Bibliothek gefunden. Die Mahngebühren für die verspätete Rückgabe wären gewaltig.04.08.2026, 17.16 Uhr3 LeseminutenBeim Buch handelt es sich um eine Ausgabe von «The Antiquities of Athens» aus dem Jahr 1858.Catherine Taylor / APVerspätete Rückgaben gehören zum Alltag jeder Bibliothek. Dieses Buch sprengte jedoch jeden Rahmen: Nach rund 150 Jahren kehrte «The Antiquities of Athens» an seinen ursprünglichen Platz zurück – in die Bibliothek der australischen Küstenstadt Kiama, etwa eineinhalb Autostunden südlich von Sydney. Eine Familie entdeckte das Werk in einer alten Teekiste, als sie ihr Haus renovierte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Die Familie lebt seit Jahren in Kiama und fand das Buch, als sie den alten Kamin in ihrem Haus freilegte», sagt Michelle Hudson, die Leiterin der Bibliothek von Kiama, dem australischen Sender ABC. Woher das Buch stammt, wisse die Familie nicht. «Aber es ist schön, dass jemand erkannt hat, dass es für die Bibliothek etwas Besonderes sein könnte. Und das ist es tatsächlich», sagte Hudson.Mehrere tausend Dollar Gebühr fälligDas Buch befindet sich trotz der langen Zeit im Schornstein in einem überraschend guten Zustand. Im vorderen Buchdeckel finden sich der Besitzstempel der Bibliothek sowie historische Hinweise zu Öffnungszeiten, Ausleihregeln und Mahngebühren. Für jede verspätete Woche waren damals drei Pence zu zahlen. Rechnet die Bibliothek diese Summe über 150 Jahre hoch und berücksichtigt die Inflation, ergibt sich eine theoretische Gebühr von rund 28 000 australischen Dollar. Das entspricht umgerechnet etwa 16 000 Franken.Hudson nimmt die Rechnung mit Humor. «Vielleicht ist das der Grund, warum wir nicht herausfinden können, wer das Buch einst ausgeliehen hat. Die Person möchte ihre Identität womöglich lieber für sich behalten.» Ein Glück für den damaligen Ausleiher: Die Bibliothek erhebt seit vielen Jahren keine Mahngebühren mehr.Das Buch bekommt einen prominenten Platz«The Antiquities of Athens» zählt zu den bedeutenden Reise- und Kunstbüchern des 19. Jahrhunderts. Die britischen Künstler und Architekten James Stuart und Nicholas Revett verfassten das Werk bereits 1762. Beim gefundenen Buch handelt es sich um eine Ausgabe aus dem Jahr 1858. Es enthält 70 schwarz-weisse Illustrationen, darunter mehrere ausklappbare und grössere Diagramme.Das Werk hat einen prominenten Platz in der Objektsammlung der Bücherei erhalten. Es dient als Teil der historischen Sammlung. «In unserer Bibliothek gibt es einen besonderen Bereich, in dem wir solche kleinen Schätze bewahren und dafür sorgen, dass die Menschen in unserer Gemeinde mehr über ihr kulturelles Erbe erfahren können», sagt Hudson.Ausleihen dürfen Besucher das Buch nicht mehr. Es weist bereits grosse Verschleisserscheinungen auf. Laut Hudson sei das wenig überraschend, da eine Teekiste nicht der beste Platz für die Aufbewahrung eines Buches sei. Dennoch würden sich die Besucher freuen, wenn sie im Buch blättern können.Die Bibliothek Kiama veröffentlichte in den sozialen Netzwerken weitere Details zur Geschichte des Buches. Als es 1872 ausgeliehen wurde, war es das 506. Objekt in einer Sammlung der Bibliothek mit weniger als 1000 Büchern. Damals, zwischen 1872 und 1890, befand sich die Bibliothek in den Räumen der Kiama School of Arts. Das exakte Ausleihdatum lässt sich nicht mehr ermitteln. Es scheint, als habe man seine eigene «Odyssee»-Legende, teilt die Bibliothek in den sozialen Netzwerken mit.Betrunkene waren unerwünschtDie Statuten aus dem Jahr 1872, die im Buch dokumentiert sind, geben zudem Einblick in den damaligen Bibliotheksalltag: Betrunkenen war es nicht gestattet, Bücher auszuleihen. Ordnungswidriges Verhalten zog eine Geldstrafe von mindestens fünf australischen Schilling nach sich. Ausserdem konnte nur ein Buch pro Person ausgeliehen werden. Es sei denn, der Haushalt konnte nachweisen, dass mindestens sechs seiner Bewohner lesen konnten.Der Fund in Kiama ist nicht der erste seiner Art. Er reiht sich in eine Liste kurioser Entdeckungen australischer Bibliotheken ein. Vor wenigen Jahren tauchte in der australischen Nationalbibliothek in Canberra eine 120 Jahre alte Tafel Schokolade auf. Sie war ein Geschenk, das die damalige britische Königin Victoria während des Burenkrieges an die Truppen in Südafrika verschicken liess. Der berühmte australische Dichter Banjo Paterson, der damals als Kriegsberichterstatter in Südafrika diente, bewahrte die Schokolade offenbar als Souvenir auf. Sie wurde erst in seinem Nachlass entdeckt.
Ausgeliehen und nie zurückgebracht: Buch taucht nach 150 Jahren wieder auf
Rund eineinhalb Jahrhunderte zu spät und dennoch willkommen: Ein lange verschollenes Buch hat den Weg zurück in eine australische Bibliothek gefunden. Die Mahngebühren für die verspätete Rückgabe wären gewaltig.














