Ein Teilnehmer des Hamburger CSD fühlt sich von der Europapassage diskriminiert und ruft die Polizei. Dann wird alles noch schlimmer.

Der Anblick der Europapassage in der Hamburger Innenstadt löst Panik bei Dmitrii Chunosov aus. Ihm sei schwindelig geworden, ein Gefühl der Entfremdung sei über ihn gekommen, so als würde er das Gebäude zum ersten Mal sehen. Dann seien die Tränen gekommen. Sie laufen ihm noch über die Wangen, als er einige Straßen entfernt versucht, sich zu sammeln und von den Ereignissen zu erzählen.

Vor zwei Tagen, am Samstag, hatte Chunosov mit seinem Mann, einigen Freunden und 300.000 anderen Menschen in Hamburg den CSD gefeiert. Sie seien von Anfang an dabei gewesen, hätten mega Spaß gehabt, bis sie Hunger bekamen und McDonald's in der Europapassage aufsuchten.

Burger und Pommes seien schon bestellt gewesen, als Chunosov sah, wie sein Freund Hazeem Saksak von einem Securitymitarbeiter gedrängt wurde, seine Prideflagge abzunehmen. Saksak hatte sie wie ein Cape um die Schultern getragen. Prideflaggen seien heute nicht erlaubt, weil am Vortag jemand mit einer Prideflagge in der Passage geschlagen worden sei, habe der Mitarbeiter behauptet.

Chunosov kam das paradox vor. Tausende Menschen mit Prideflaggen in allen Formen und Größen seien im gleichen Moment in der Passage unterwegs gewesen, fast alle Geschäfte waren in Pridefarben dekoriert.