Auch der konkrete Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes hätte nach Einschätzung von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) nicht helfen können, den Terroranschlag von Solingen im August vor zwei Jahren zu verhindern. Das geht aus einem der F.A.Z. vorliegenden Brief Reuls an den Solingen-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags hervor.In dem Gremium war kürzlich bekannt geworden, dass es einem ausländischen Geheimdienst gelungen war, das Bekennervideo Al Hasans noch vor der Tat und der Veröffentlichung durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) mitzuschneiden. Als die nordrhein-westfälischen Behörden nach dem Anschlag Informationen zum Attentäter erbaten und sein Foto herumschickten, erhielten sie prompt einen Screenshot aus dem Video, wie der Ausschussvorsitzende Thomas Kutschaty (SPD) kundtat.In derselben Sitzung sagte Reul, es bleibe dabei, den Sicherheitsbehörden sei Al Hasan vor dem Anschlag nicht bekannt gewesen. In seinem Schreiben zu in seiner Zeugenbefragung offen gebliebenen Fragen teilte der Innenminister dem Ausschuss nun mit: „Der Hinweis hat meines Wissens sowohl in Deutschland als auch in Nordrhein-Westfalen erst nach der Tat vorgelegen.“Der Streit um die Einzeltäter-FrageDer zwischenzeitlich vom Oberlandesgericht Düsseldorf rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilte Syrer Issa Al Hasan hatte Ende August 2024 auf einem Solinger Stadtfest drei Menschen erstochen und zehn weitere zum Teil schwer verletzt. Der Untersuchungsausschuss befasst sich nun mit möglichen behördlichen und politischen Versäumnissen.Bei der Vernehmung Reuls war auch eine Warnung eines kurzzeitigen Zimmernachbarn aus Al Hasans damaliger Flüchtlingsunterkunft zur Sprache gekommen. Der Mitbewohner hatte ausgesagt, er habe Sozialarbeiter und Kirchenmitarbeiter auf die dschihadistische Radikalität Al Hasans hingewiesen. In seinem Schreiben an den Ausschuss teilt Reul nun mit, aus den (auch dem Ausschuss vorliegenden) Ermittlungsakten gehe hervor, dass der Zeuge der Polizei den Hinweis erst nach der Tat gegeben habe.Die Opposition hegt seit geraumer Zeit den Verdacht, dass die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden und die schwarz-grüne Landesregierung weiter reichende Erkenntnisse über den Solingen-Attentäter hatten als bisher eingeräumt. Sie sieht die schwarz-grüne „Lesart vom turboradikalisierten Einzeltäter, den man nicht auf dem Schirm haben konnte“, erschüttert, wie es von der SPD heißt.Reul bekräftigt die aus seiner Sicht zentrale Erkenntnis hingegen. Issa Al Hasan „ist ein Einzeltäter. Punkt“, sagte Reul bei seiner Vernehmung im Juli im Untersuchungsausschuss. Als wenig später Abdul Ballout beim Christopher-Street-Day in Berlin eine Frau tötete und 31 weitere Personen zum Teil lebensgefährlich verletzte, wies Reul darauf hin, dass es sich bei Ballout im Gegensatz zu Issa Al Hasan um einen polizeibekannten Gefährder gehandelt habe. Es werde immer Personen geben, die durchs Raster fielen, weil Radikalisierung im Verborgenen und oft in kurzer Zeit ablaufe, sagte Reul. „Das haben wir zum Beispiel in Solingen gesehen. Der Täter war den Behörden unbekannt.“