Eigentlich schmeckt das Schnitzel im Biergarten gerade ziemlich gut. Immerhin herrscht hierzulande bestes Sommerwetter. Doch scheinen selbst diese Rahmenbedingungen der Gastronomie derzeit wenig zu helfen. Die Branche hat im Vergleich zum Umsatz des Vorjahresmonats Mai mehr als sieben Prozent verloren. Und während immer weniger Menschen auswärts essen gehen, steigen die Preise für die Gäste weiter.Laut Statistischem Bundesamt haben die Preise für ein Hauptgericht im Restaurant seit Jahresanfang um 1,2 Prozent zugelegt. Und das, obwohl seither der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent für Speisen in der Gastronomie gilt. Die Bundesregierung hatte die Umsatzsteuer zum 1. Januar gesenkt. Damit verzichtet sie auf mehr als dreieinhalb Milliarden Euro Steuereinnahmen. Dafür sollte es für eine Branche aufwärtsgehen, die von den Einschränkungen der Pandemiezeit besonders eingeschränkt war.Aber trotz der Steuersenkung sei die wirtschaftliche Lage in den Restaurants angespannt, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Jürgen Benad, der F.A.Z. Für die Unternehmen seien die Kosten seit dem Jahreswechsel „sehr viel höher, sowohl beim Wareneinsatz, beim Personal, als auch bei der Energie“. Zwar habe die Branche gehofft, „dass wir mit den sieben Prozent wieder mehr finanzielle Spielräume haben werden“. Allerdings sei im Januar nicht nur die Umsatzsteuer geändert worden. Gleichzeitig habe sich der gesetzliche Mindestlohn erhöht, sagt Benad. Der Stundensatz stieg von 12,82 Euro auf 13,90 Euro. „Gerade eine Branche mit vielen Studenten und Nebenjobbern spürt das natürlich.“ Die schwächelnde Konjunktur trage ihren Teil dazu bei, weshalb die Menschen hierzulande seltener essen gingen – „oder nicht noch ein zweites, drittes Getränk bestellen“. Im Restaurant sparten die Menschen in der Regel zuerst.Dass Lohnkosten im Gastgewerbe „eine besonders wichtige Rolle“ spielen, sagt auch Steffen Müller, Ökonom des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Für den Insolvenzforscher ist dies der Hauptgrund, weshalb die Branche allenfalls stagniert. Denn das Gastgewerbe sei personalintensiv. Um Geld zu verdienen, benötigten die Betriebe vergleichsweise viele Arbeitsstunden, sagt Müller. Restaurants und Gaststätten gehörten deshalb bei allen Mindestlohnanpassungen zu den am stärksten betroffenen Branchen. Stiegen die Löhne, spürten das die oftmals familiengeführten Unternehmen. Dem IWH zufolge haben in diesem Jahr knapp 600 Gastronomiebetriebe Insolvenz angemeldet.Für Kunden kommt eine Veränderung hinzu, die man am besten am Beispiel eines Putenschnitzels erklären kann. Zahlte man dafür vor sechs Jahren durchschnittlich noch 17,50 Euro, sind es heute 24,50 Euro. Macht für eine vierköpfige Familie unter dem Strich fast 100 Euro. Die Getränke und das Trinkgeld kommen noch obendrauf. Darauf reagieren potentielle Kunden, und das bekommt die Gastronomie in Form niedrigerer Umsätze zu spüren. Hat ihr die Umsatzsteuersenkung also überhaupt etwas gebracht?Der Branchenverband versucht, die Mehrwertsteuersenkung zu verteidigen. Aus Sicht des DEHOGA-Geschäftsführers helfen steuerliche Entlastungen „natürlich immer“. Für die Gaststätten sei die Entscheidung der Bundesregierung nach den Pandemiejahren ein „überfälliger, dringend notwendiger und wichtiger Schritt“ gewesen, um Arbeitsplätze zu sichern, die Kosten niedrig zu halten und Investitionen zu ermöglichen. Ob die Bundesregierung wirklich Schlimmeres verhindert habe, lasse sich aber nicht seriös beurteilen, sagt IWH-Ökonom Steffen Müller.Angesichts des Gästeschwunds sieht es jedoch so aus, dass nicht nur eine dauerhaft niedrige Mehrwertsteuer die Probleme in der Gastronomie lösen kann.