Uli Hoeneß ist für seine Sticheleien bekannt. „Barcelona hat ja gar kein Geld“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München im Mai. Eine Antwort auf Spekulationen, die Katalanen könnten sich um den englischen Stürmerstar Harry Kane bemühen. Sie haben ausweislich des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses 469 Millionen Euro offizielle Schulden — aber daneben stehen noch einmal 1,5 Milliarden Euro ausgelagerter Stadionschulden für den Umbau des Camp Nou. Uli Hoeneß hat also nicht ganz unrecht.Woher also das Geld nehmen? Diesen Sommer gab der FC Barcelona darauf eine Antwort in Form einer neuen Anleihe: 105 Millionen Euro, platziert in unter zwei Stunden und dabei mehr als doppelt überzeichnet. Der Verein selbst feiert sich für die Anleihe in einer Mitteilung: „Der Erfolg dieser Transaktion stärkt das Vertrauen der internationalen Märkte in die Tragfähigkeit des Projekts des FC Barcelona sowie in die Fähigkeit des Vereins, seine Finanz- und Wachstumsstrategie umzusetzen.“210 Millionen Euro für den hochverschuldeten KlubDie Anleihe läuft über 10 Jahre zu einem Kupon von 5,14 Prozent. Damit würden die 105 Millionen Euro den Verein insgesamt rund 159 Millionen Euro kosten. Im November folgt eine zweite Tranche über weitere 105 Millionen – macht zusammen 210 Millionen Euro. Der Risikoaufschlag gegenüber der vorherigen Anleihe konnte von 240 Basispunkten auf 202 Basispunkte gesenkt werden. Das zeigt, dass Investoren den Verein als kreditwürdiger einschätzen und deshalb geringere Renditen verlangen.Zugegriffen haben ausschließlich amerikanische Versicherungen, Pensionsfonds und Investmentfonds – europäische Investoren oder Privatanleger blieben außen vor. Die Transaktion wurde von Goldman Sachs in Form einer „Senior Secured Notes“ auf dem amerikanischen Private-Placement-Markt untergebracht, dort werden Käufer in der Regel nicht öffentlich genannt. Im Fall einer Zahlungsunfähigkeit werden die Gläubiger bei dieser Anleihe gegenüber anderen unbesicherten Gläubigern bevorzugt bedient.Investoren haben Zugriff auf FernseheinnahmenUm die eigene Anleihe attraktiver zu machen, haben sich die Katalanen eine neue Struktur ausgedacht. So haben die Gläubiger ein Pfandrecht auf Barcelonas Medienrechte-Einnahmen. Dabei geht es um die TV-Gelder aus der spanischen Liga und der Champions League. Das Bankkonto, auf das diese Gelder fließen, ist direkt an die Gläubiger verpfändet. Wenn Barcelona dann einmal nicht zahlen kann, greifen die Investoren direkt auf den Geldfluss aus den Fernsehverträgen zu – noch bevor der Verein selbst an das Geld kommt. Das macht die Anleihe strukturell attraktiver als eine klassische unbesicherte Klubanleihe.Doch warum kaufen amerikanische Investoren ausgerechnet die Anleihe eines europäischen Fußballclubs? Der Fußball zählt in den USA als chronisch unterbewertete Cashflow-Maschine, wie man gerade an der Diskussion des Verkaufs der Fußball-Weltmeisterschaft sieht. Die Marke ist von globalem Rang, noch wachsen die Einnahmen, und es gibt sogar Sicherheiten, da die TV-Verträge staatlich reguliert sind. Und die Gelder fließen, egal ob Barcelona sportlich gut oder schlecht dasteht — solange sie erstklassig spielen.Doch wie riskant ist die Anleihe? Morningstar DBRS gibt Barcelona ein BBB-Rating. Doch der Ausblick fiel von positiv auf stabil. Barça selbst feierte das als Vertrauensbeweis – dabei ist es vor allem eine Warnung. Denn die offiziellen Schulden lagen zwar bei 469 Millionen Euro. Komplett ausgegliedert ist dabei aber die Sanierung des Stadions im „Espai Barça Fondo de Titulización“ – ein Verbriefungsvehikel, rechtlich vom Verein getrennt. Der hat rund 1,5 Milliarden Euro Schulden, durch eine Bauverzögerung werden bis zu weitere 300 Millionen Euro folgen. Die Zinssätze betragen 6 bis 7 Prozent. Laut dem Fanportal Tribuna musste der Verein allein im Dezember 2025 44 Millionen Euro Zinsen nur für den Stadionkredit begleichen – in einem Monat.Was Barcelona mit dem Geld konkret vorhat, lässt der Verein offen. Offiziell sollen die Erlöse „die Liquidität stärken und den strategischen Plan voranbringen“. Doch die Transferaktivitäten lassen wenig Zweifel: Für rund 80 Millionen Euro wurde der englische Nationalspieler Anthony Gordon von Newcastle United verpflichtet, für 22 Millionen Euro folgte Karim Adeyemi von Borussia Dortmund. Auf der Wunschliste steht weiterhin der argentinische Weltmeister Julián Álvarez — Atlético Madrid hat ein Angebot bereits abgelehnt. Die Anleihe finanziert also den nächsten Kader, Nachhaltigkeit schaut anders aus.In Deutschland dagegen finanzieren sich die Vereine weniger über solche Anleihen. Der Hamburger SV und der 1. FC Köln haben diese in den vergangenen Jahren zurückgezahlt. In ähnliche Gefilde wie Barcelona stieg nur Schalke 04 auf. Im vergangenen Jahr gaben die Gelsenkirchener eine Anleihe in Höhe von 90 Millionen Euro aus. Dabei war der Kupon mit 6,5 Prozent höher. Für Schalke spricht dabei aber, dass die Gesamtverschuldung mit 148 Millionen Euro deutlich niedriger ist als bei den Katalanen. Dafür schätzen die Investoren das Vermarktungspotential offensichtlich deutlich geringer ein.
FC Barcelona: Wie der Klub seine Zukunft über Anleihen verkauft
Der FC Barcelona ist hoch verschuldet. Nun nimmt der Verein mehr als 200 Millionen Euro auf — die erste Hälfte war in unter zwei Stunden weg. Wie riskant ist das Geschäft für den Verein und die Investoren?







