70 kulturellen und sozialen Einrichtungen will die Mannheimer AfD die Existenzgrundlage entziehen. Die Provinzposse zeigt, wohin die Rechtsaußenpartei will.

Das diverse Ensemble und ein Spielplan, der Vielfalt abbildet, waren den Extremisten ein Dorn im Auge: Nationaltheater Mannheim

Christian Kleiner

Der feine Rotstift hat ihr nicht genügt. Wenn es ums Kürzen geht, dann musste es tatsächlich die Axt sein, die nichts mehr stehen lässt. Da man neuerdings im angeschlagenen Ländle sparen muss, hat die Mannheimer AfD einen regelrechten Kahlschlagantrag in den Stadtrat eingebracht, der über 70 kulturellen und sozialen Einrichtungen die öffentlichen Mittel entziehen sollte. Unter dem Deckmantel des konstruktiven Sanierungshelfers wollte man vor allem die freiwilligen Ausgaben begrenzen, getreu dem – gemessen an der Arbeit der betroffenen Institutionen – abfälligen Leitsatz: „Pflicht vor Kür“.

Darunter fiel zum Beispiel das Goethe-Institut, dem die vermeintlichen Patrioten des Landes der Dichter und Denker glatt 70.000 wegnehmen wollten. Andere sollten ganz auf null gesetzt werden. 130.000 galt es, jeweils bei der AWO und Caritas zu streichen, 100.000 beim Queeren Zentrum, überdies 65.000 bei der Bläserphilharmonie und 25.000 beim Kantorat der Christuskirche. Klingt übel, sollte aber gerecht sein, zumal man bei dem Rundumschlag offiziell keine bestimmte Gruppe im Fadenkreuz hatte.