Das Castello di Sasso Corbaro ist die kleinste und am höchsten gelegene Festung in Bellinzona. Bellinzona e Valli Turismo Die Heimreise aus den Ferien und aus dem Süden ist immer etwas traurig. Doch man kann sich die Fahrt über die A 2 versüssen, indem man ein paar gut gewählte Pausen einlegt.Die Gotthardroute führt einmal quer durchs Tessin. Wer möchte, kann über den Gotthardpass statt durch den Tunnel fahren und selbst auf der Alpennordseite noch etwas Nettes entdecken. Zehn Tipps zwischen Chiasso und Altdorf. Lohnenswerte Stopps von Mendrisio bis Bürglen Mendrisio: Shop till you drop Melide: Die Schweiz im Kleinformat Bellinzona: Schlösser, Salami und Schatzsuche Giornico: Tessiner Dorfidylle Faido: Baden unter dem Wasserfall Airolo: Alles Käse Gotthardpass: Museum auf über 2000 Metern Höhe Göschenen/Andermatt: Von Schluchten und Brücken Gurtnellen: Feini Chuchi im Uri-Stil Bürglen: Zu Besuch bei Wilhelm Tell Mendrisio: Shop till you drop Silvio Tarchini leistete Pionierarbeit, als er in den 1990er Jahren die Idee hatte, in Mendrisio das erste Factory-Outlet-Center Südeuropas zu gründen. Der Tessiner Immobilienunternehmer hatte in London und in den USA Ähnliches gesehen und glaubte, dass dieses Modell auch in seiner Heimat funktionieren könnte. Er behielt recht. Rund dreissig Jahre nach der Eröffnung zählt das Foxtown Factory Stores Mendrisio über 160 Geschäfte und mehr als 250 renommierte Marken, rund 1200 Arbeitsplätze und eine Verkaufsfläche von 37 000 Quadratmetern.Kunden kommen aus Mailand und Zürich, aber auch aus Japan, China und Brasilien. Die Auswahl an hochwertigen Brands ist beeindruckend, fast jeder grosse Name aus der Mode- und Lifestyle-Welt ist mit einem Shop vertreten: von Akris über Loro Piana bis zu Philipp Plein, von Lindt über Tumi bis zu Wolford, von den Fratelli Rossetti bis zu Jimmy Choo – alles wird rund ums Jahr mit Rabatten von 30 bis 70 Prozent angeboten. Im Foxtown sind über 250 Brands vertreten. Foxtown Zur Erholung von den Shopping-Strapazen stehen verschiedene Cafés und Restaurants bereit, darunter ein schickes Fashion-Café, ein Restaurant mit authentischen Poké-Bowls und eine Pizzeria. Eine kulturelle Attraktion gibt es auch: In der im Jahr 2024 eröffneten «The Sense Gallery» tauchen Besucher in ein Universum aus Lichtspielen, optischen Täuschungen und multisensorischen Reizen ein und entdecken eine überraschende neue Welt, die durch visuelle und akustische Effekte zum Leben erwacht. Melide: Die Schweiz im Kleinformat Die Kinder langweilen sich und nörgeln? Dann eignet sich Swissminiatur wunderbar für eine Unterbrechung der Reise und als Abwechslung für die ganze Familie. Der Freizeitpark am Ufer des Luganersees ist das grösste Freilichtmuseum für Miniaturen der Schweiz. Es zeigt über 130 Modelle der berühmtesten Gebäude und Monumente des Landes im Massstab 1:25, darunter das Heididorf in Maienfeld, die Schlösser Burgdorf und Chillon, das Bundeshaus in Bern und der Mailänder Dom, der sogar auch von innen besichtigt werden kann. Durch den Park schlängelt sich ein gut 3,5 Kilometer langes Schienennetz, auf dem 18 Modellzüge fahren. Schiffe durchpflügen die Seen, Zahnrad-, Drahtseil- und Schwebebahnen fahren die Berge hinauf, und Autos sind auf Autobahnen unterwegs. Swissminiatur Eine kleine Reise auf der Heimreise: Swissminiatur in Melide. Fast noch spannender als die Miniaturen selbst ist deren Entstehung. In den Werkstätten von Swissminiatur erschaffen und restaurieren Handwerker, Mechaniker und Dekorateure mit Präzision und Leidenschaft einzigartige Modelle – mit traditionellen Methoden und innovativen Prozessen. Die Gelegenheit, ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Sogar die kleinsten Schrauben sind handgefertigt.Im Park gibt es ausserdem einen Take-away-Shop mit Sandwiches und anderen Snacks, Getränken und hausgemachter Glace sowie einen Souvenirshop mit kleinen Geschenken für sich selbst oder als Mitbringsel für Freunde. Bellinzona: Schlösser, Salami und Schatzsuche Die Burgen von Bellinzona gelten als einzigartiges Beispiel einer spätmittelalterlichen Verteidigungsanlage am Fusse eines strategisch wichtigen Alpenpasses und wurden im Jahr 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Der Festungskomplex besteht aus drei monumentalen Castelli (Schlössern), einer Stadtmauer und der imposanten Wehrmauer Murata. Er wurde in verschiedenen Epochen zwischen dem 4. Jahrhundert und dem späten 15. Jahrhundert errichtet, wobei der grösste heute sichtbare Teil aus dem 13., dem 14. und dem 15. Jahrhundert stammt.Im Südflügel der grössten Burg, Castelgrande, ist ein Museum untergebracht, das die menschlichen Ansiedlungen der letzten 6500 Jahre auf dem Burghügel dokumentiert – von der ersten neolithischen Siedlung bis hin zum 20. Jahrhundert. Zu den Exponaten gehören unter anderem eine Münzsammlung aus dem 16. Jahrhundert und Temperazeichnungen aus dem 15. Jahrhundert. Letztere zierten ursprünglich die hölzerne Kassettendecke eines prunkvollen Altstadthauses aus dem 15. Jahrhundert, das 1970 abgerissen wurde. Castelgrande eignet sich auch für eine kulinarische Pause, entweder im eleganten Ristorante Castelgrande oder im Grotto San Michele mit seiner phantastischen Terrasse und Tessiner Spezialitäten.Auf einem östlichen Hügel, rund 90 Meter über der Stadt, thront das Castello di Montebello, eine klassische, von tiefen Gräben umgebene Burganlage. Im Inneren des Schlosses zeichnet der neue Ausstellungsrundgang «Archeologia Montebello» die Geschichte des mittelalterlichen Herrenhauses und dessen Restaurierung nach. Eine besondere Attraktion sind die Kellergewölbe, in denen die Salami der Burgen von Bellinzona reift. Interessierte können an der Herstellung teilnehmen und eine eigene Salami mit nach Hause nehmen. Das Castello di Sasso ist zwar das kleinste, aber das höchstgelegene Schloss Bellinzonas. Bellinzona e Valli Turismo Das Castello di Sasso Corbaro ist die kleinste und am höchsten gelegene Festung. Sie wurde 1479 in nur sechs Monaten von den damals herrschenden Mailänder Herzögen errichtet. 230 Meter hoch über der Stadt thronend, bietet sie einen grossartigen Panoramablick über das gesamte Tal. Auch hier lockt ein kulinarisches Highlight: die Osteria Sasso Corbaro mit regional inspirierter Gourmetküche.Für Kinder gibt es eine interaktive Schatzsuche durch die Altstadt von Bellinzona bis hinauf zu den Burgen. Wer nicht laufen möchte, kann mit dem kleinen Touristenzug Trenino Artù bequem von der Piazza Collegiata zu den Festungen fahren. Das Castello di Montebello und . . . . . . das Castelgrande zieren die grünen Hügel von Bellinzona. Bellinzona e Valli Turismo Giornico: Tessiner Dorfidylle Ein Ort wie aus dem Bilderbuch: Giornico liegt mitten im malerischen Leventinatal und war einst ein wichtiger Zwischenstopp für Pilger und Reisende auf dem historischen Gotthardweg. Das von Reben umgebene 800-Einwohner-Dorf wird durch den Fluss Ticino zweigeteilt und wirkt wie ein kleines Freilichtmuseum.Das linke Flussufer ist von einem kompakten Dorfkern mit engen Gassen und ehemaligen Winzerhäusern geprägt. Auf dieser Seite befindet sich auch der Torre di Atto, ein historischer, sechsstöckiger Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert. Er ragt als markantes Wahrzeichen aus dem alten Dorfkern empor und wartet seit Jahrzehnten auf seine Restaurierung. Sehenswert ist auch die Casa Stanga mit einer Fassade, die mit über fünfzig Wappen aus der Zeit um 1589 verziert ist. In dem Gebäude befindet sich heute das Museo di Leventina.Auf der rechten Flussseite stehen zahlreiche Sakralbauten, darunter die Kirche San Nicolao, die zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken des Kantons Tessin zählt. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft steht die Kirche San Michele mit einem interessanten Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert. David & KathrinPhotography and Film GmbH Ivo Scholz Das Dorf Giornico widerspiegelt die perfekte Tessiner Dorfidylle. Mitten im Fluss schwimmt eine winzige bewohnte Insel, die über zwei steinerne Eselsbrücken aus der Römerzeit zu erreichen ist. Hier lockt das Grotto dei due Ponti mit einer stimmungsvollen Pergola-Terrasse und herzhafter Tessiner Hausmannskost. Direkt unter dem Grotto besteht zudem die Möglichkeit, zu baden. Das Grotto dei due Ponti bietet sich für eine kulinarische Pause an. PD Eine Überraschung ist das Museum La Congiunta am Nordeingang des Dorfes. Es residiert in einem modernen Bau der Architekten Peter Märkli und Stefan Bellwalder und zeigt Reliefs und Skulpturen des Zürcher Bildhauers Hans Josephsohn. Das Museum La Congiunta wurde nach den Plänen von Peter Märkli und Stefan Bellwalder zwischen 1989 und 1992 errichtet. Daniel Loosli Faido: Baden unter dem Wasserfall Das Dorf Faido in der Region Leventina war einst der bevorzugte Ferienort des Mailänder Grossbürgertums und des Adels – ein Aufenthalt war zur Hochzeit der Belle Époque ein teures Vergnügen. Heute wirkt der Ort etwas verlassen, dafür glänzt er umso mehr mit spektakulären Naturschätzen. Einer davon ist der Wasserfall Piumogna, der sich in mehreren Kaskaden aus 43 Metern Höhe in ein makellos geformtes Badebecken stürzt. Das Wasser ist eiskalt, glasklar und so türkis wie in der Karibik. Wem das Becken zum Baden zu kalt ist, der kann sich auch nur die Füsse erfrischen oder im Auslauf des Wasserfalls im Wildbach planschen. Bei der Cascata Piumogna in Faido kann man sich etwas abkühlen. Bellinzona e Valli Turismo – parisiva.ch Direkt am Wasserfall steht eine grosszügige Wiese mit Sitzgelegenheiten und einem schattigen Spielplatz bereit. Wanderfreunde können vom Zentrum von Faido aus immer dem Fluss entlang bis zum Wasserfall laufen. Man erreicht ihn aber auch gut mit dem Auto. Airolo: Alles Käse Käseliebhaber kennen ihn: Der Gottardo ist ein würziger Schnittkäse aus pasteurisierter Kuhmilch, der in keiner Tessiner Käsetheke fehlen darf. Er ist nach dem berühmten Gotthardpass benannt und wird vom Caseificio del Gottardo am Fusse des Gotthards produziert. Tessiner Käse gibt es beim Caseificio del Gottardo zu kaufen und zu probieren. Copyright Ticino Turismo, Foto Remy Steinegger Die 1996 eröffnete Schaukäserei besteht aus einem Laden, in dem fast die ganze Tessiner Käsewelt versammelt ist, und einem Restaurant, in dem es zwar nicht nur Käse gibt, das aber besonders für seine diversen Fondues und seine Käse-Rösti-Variationen bekannt ist. Insider kaufen (und essen) am liebsten die hauseigenen Produkte. Neben dem Gottardo-Käse sind das der intensiv nach Bergwiesen duftende Tremola und der halbfeste Lucendro sowie Butter, Sahne, Joghurt und eine eigene Fonduemischung. Es gibt aber auch Honig, Nudeln, Polenta, Reis, Pfeffer, Mürbeteiggebäck, Baiser, Salami, Wein, Kastanien und viele andere Köstlichkeiten zu kaufen.Wer etwas tiefer in die Welt der Käseherstellung eintauchen möchte, kann nach vorheriger Anmeldung unter sorgfältiger Anleitung des Käsers seinen eigenen Käse herstellen. Zudem beherbergt das Caseificio ein kleines, aber interessantes Museum, das sich mit den Gegenständen und dem Prozess der Käseproduktion befasst. Gotthardpass: Museum auf über 2000 Metern Höhe Um das im Jahr 1986 eröffnete Museo Nazionale del San Gottardo zu besuchen, muss man die A 2 bei Airolo verlassen und über den Gotthardpass fahren statt durch den Tunnel. Wem die vielen Kurven nichts ausmachen, der taucht in eine faszinierende Alpenwelt und in ein Museum ein, das die Geschichte des Gotthards und seines Tunnels von den Anfängen um 1200 bis heute lebendig macht. Es ist in der Vecchia Sosta untergebracht, einem fast 200 Jahre alten Gebäude, das ursprünglich als Zollstation und als Herberge für die Passagiere der Postkutschen diente.Im Juni 2022 wurde das Museum nach einer umfassenden baulichen und inhaltlichen Sanierung neu eröffnet. Die Besichtigungsroute führt durch sieben Themenräume, vom Urnerloch bis zum Alptransit-Basistunnel, vom Kraftwerkstunnel bis zur militärischen Bergbefestigung. Den Auftakt zur Dauerausstellung bildet eine aussergewöhnliche multimediale Ton- und Bildschau, in der Original- und Animationsfilme, Zeichnungen, Gemälde und Fotografien zu einer faszinierenden Collage zusammengefügt werden. Seit Juni dieses Jahres wird zudem eine dem Echo gewidmete Sonderausstellung gezeigt, die faszinierende Hörerlebnisse bietet. Das Museo Nazionale del San Gottardo erzählt die Geschichte des längsten Strassentunnels der Schweiz. Bellinzona e Valli Turismo Hungrige Reisende finden im Ristorante Vecchia Sosta gepflegte Tessiner Küche in typischer Bergatmosphäre und eine sonnige Terrasse mit Aussicht. Göschenen/Andermatt: Von Schluchten und Brücken Wer hinter dem Gotthard die Ausfahrt Göschenen nimmt und ein kurzes Stück in Richtung Andermatt fährt, kommt zur spektakulären Schöllenenschlucht, einem historischen und sagenumwobenen Ort, der eine zentrale Rolle bei der Erschliessung der Gotthardroute spielte.Die enge Schlucht mit ihren senkrechten Felswänden galt jahrhundertelang als nahezu unpassierbar. Der Sage nach soll deshalb der Teufel persönlich beim Brückenbau geholfen haben. Um 1200 wurde die Schlucht durch den Bau der Twärrenbrücke und des «Stiebenden Stegs» erschlossen. 1585 entstand mit der Teufelsbrücke die erste Steinbrücke, die jedoch rund sechzig Jahre später durch ein Unwetter zerstört wurde. Im Jahr 1707 sprengte der Tessiner Festungsbauer Pietro Morettini einen Durchgang durch den Kirchenbergfelsen und schuf mit dem Urnerloch den ersten Tunnel der Alpen. Das Urserntal mit der Schöllenenschlucht. PD Ein markantes Element der Schlucht ist das expressionistische Wandbild «Der Teufel mit Geissbock» des Urner Malers Heinrich Danioth. Es entstand im Jahr 1950 an einer steil abfallenden Felswand oberhalb der Teufelsbrücke, erinnert an die Teufelssage und war zunächst umstritten. 1955 musste es der Sprengung für die neue Nationalstrasse weichen, erhielt aber ein paar Jahre später einen neuen Platz über der Autobrücke. Seitdem blickt es von der Felswand über die Schlucht, und die tosende Reuss und gilt als Wahrzeichen der Schöllenenschlucht.Wer die Schöllenenschlucht erkunden möchte, kann in den Sommermonaten den Schöllenen-Rundweg begehen. Die rund 30-minütige Wanderung führt entlang steiler Felswände und der rauschenden Reuss und bietet eindrucksvolle Einblicke in die Schlucht. Ein anderer Weg führt durch die Schöllenenschlucht bis nach Andermatt und ist noch heute ein Abenteuer wie aus dem 18. Jahrhundert: die überhängenden Felswände, die alte Steinbrücke und der wilde Gebirgsfluss, dessen Wasser über die glatt geschliffenen Granitfelsen schiesst – der Teufelsmythos wirkt hier sehr real. Kurven und Brücken ziehen sich durch die Bergkulisse. PD Gurtnellen: Feini Chuchi im Uri-Stil Nur einen kurzen Weg von der Gotthardautobahn entfernt liegt das idyllische Dorf Gurtnellen – und doch ist es eine Reise in eine andere Welt. Das Gasthaus im Feld besteht seit 147 Jahren. Es beherbergt ein uraltes Urner Landhaus mit Holzschindelfassade und besteht aus einer Gaststube im Erdgeschoss, einer schönen Terrasse mit Bergblick sowie einer eleganten Stube im ersten Stock.Der Patron und Küchenchef Beat Walker leitet das Gasthaus in fünfter Generation und verwöhnt seine Gäste mit Gerichten, die die Traditionsküche des Kantons Uri aufgreifen und vorwiegend mit einheimischen Produkten zubereitet werden. Schon die Speisekarte liest sich ausgesprochen regional: «Artischockä mit chaltem Ratatouille», «hüüsgmachti Gnocchi mit Burrata, Zitronä und Zucchetti» oder «Chalbschopfbäggli mit Riis und Poor und Gmias» zeugen aber auch von Kreativität. Bei schönem Wetter ist die Terrasse der perfekte Ort für eine kulinarische Pause auf hohem Niveau, und die Küche bietet einen Ausflug in eine Esskultur, die man vielleicht bis jetzt nicht gekannt hat. Beat Walker führt das Restaurant in fünfter Generation mit seinem Mann Roland Gloor. PD Bürglen: Zu Besuch bei Wilhelm Tell Wer sich die Website des Tell-Museums anschaut, sieht sofort, dass es sich hierbei nicht um ein verstaubtes Heimatmuseum handelt. Daran ändert auch der mittelalterliche Wattigwilerturm, in dem es untergebracht ist, nichts. «Das Tell-Museum Bürglen zeigt die Heldengeschichte neu» – so lautet das kuratorische Konzept, das vor rund zehn Jahren aus einer Neugestaltung und Neupositionierung der Ausstellungsräume hervorgegangen ist. Es inszeniert die umfassendste Sammlung über Wilhelm Tell mit teilweise interaktiven Rauminstallationen auf überraschend moderne Weise.Wilhelm Tell soll in Bürglen gelebt haben und auch dort gestorben sein. Im Ort stehen eine Tell-Statue, eine Tell-Kapelle und ein Tell-Denkmal. Letzteres befindet sich an der Stelle, an der der greise Gemsjäger 1354 den Heldentod fand. Die ganze Geschichte und noch viel mehr erfahren die Besucher des Tell-Museums Bürglen, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen mit der Sonderausstellung «Zwischen Zeit und Erinnerung» feiert. Die erste Begegnung mit Wilhelm Tell findet in der Eingangslounge des Museums statt – in den Worten von Friedrich Schiller, mit dem Tell-Lied oder in der Musik von Gioachino Rossini. Eine Etage höher sind historische Dokumente und künstlerisch anspruchsvolle Tell-Gemälde aus verschiedenen Ländern und Epochen zu sehen. Ebenso wird eine umfangreiche Sammlung von Plakaten zum Mythos Tell präsentiert. Sie dokumentiert, wie sich die Wahrnehmung des Schweizer Freiheitshelden in den letzten 600 Jahren verändert hat und wie er imagefördernd vereinnahmt und oft genug auch missbraucht wurde.Selbstverständlich wird auch die berühmte Waffe in allerlei Versionen ausgestellt – von der historischen Armbrust, wie der Gemsjäger und Apfelschütze sie einst benutzte, bis zum modernen Präzisionssportgerät. Schliesslich ist die stilisierte Armbrust zum weltweit bekannten Gütesiegel für «Made in Switzerland» geworden. Ergänzend wird auch eine Werksammlung des Basler Malers Ernst Stückelberg gezeigt, der in Bürglen ein Atelier eingerichtet hatte und die vier grossen Wandbilder in der Tellskapelle in Sisikon schuf.Im Obergeschoss läuft eine Videoinstallation, die den Abschluss der Ausstellung bildet und auf zusammenführende und reflexive Weise den Bogen vom Ursprung der Tellensage bis zur Bedeutung Tells in ausgewählten Phasen der Schweizer Geschichte spannt. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.