Bentley Continental GT S: der neue Mittelweg zwischen Komfort und SportDie neue Modellvariante positioniert sich geschickt zwischen Standard-GT und Speed und kombiniert souveräne Leistung mit einem Hauch Effizienzgewinn.Simon Tottoli04.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenNeue Variante: Der neue Bentley Continental GT S verfügt über den Antrieb des Standard-GT und das Chassis des GT Speed.Mark FagelsonSparen und Bentley? Das passt nicht so richtig zusammen. Deshalb wäre es auch vermessen, die neue S-Version des Continental GT als Sparmodell zu bezeichnen. Der Ausdruck würde bei einer anderen Marke eher zutreffen, wenn man ein auf den ersten Blick gleiches Fahrzeug für deutlich weniger Geld bekäme und dafür nur auf ein bisschen Leistung verzichten müsste.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch erstens kostet der Continental GT S mit mindestens 239 070 Franken immer noch deutlich mehr als anderswo das Topmodell, zweitens klingen 500 kW (680 PS) und 930 Nm kaum nach Verzicht. So viel Leistung und Kraft überträgt der Plug-in-Hybrid-Antrieb eines S maximal an alle vier Räder. Und damit gleich viel wie ein normaler Continental GT.Verglichen mit der Performance-Speerspitze GT Speed sind das 75 kW (102 PS) und 70 Nm weniger. Aber immer noch mehr als genug für standesgemässen Vortrieb: Laut Werksangabe beschleunigt der GT S in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 308 km/h.Gegen einen Continental GT Speed (3,2 Sekunden, 336 km/h) verliert die neue S-Variante im Quartettspiel, gegen manch anderen Sportwagen nicht. Und weil der GT S gemäss WLTP-Messzyklus mit einer rein elektrischen Reichweite von 84 Kilometern noch 3 Kilometer weiter stromert als der GT Speed, hat er zumindest in diesem Punkt sogar einen kleinen Vorteil.Die Unterschiede sind unwesentlichDie zusätzliche Elektroautonomie wirkt sich im Alltag aber genauso wenig aus wie der Leistungsnachteil. Bei einer Ausfahrt auf der Isle of Man überzeugte der britische Wagen mit deutschem Unterbau – die mittlerweile vierte Generation des Continental GT teilt sich viel Technik mit dem Konzernbruder Porsche Panamera – durch seine markengerechte Souveränität. Die Kombination aus doppelt aufgeladenem Vierliter-V8-Benziner und Elektromotor bietet reichlich Kraft in allen Lebenslagen.Fahraktiver Gran Turismo: Mit 680 PS Systemleistung und sportlicher Abstimmung richtet sich der GT S an Luxusliebhaber, die es auch dynamisch mögen.PDWenn maximale Performance abgerufen wird, beispielsweise bei einem Überholmanöver, schiebt der GT S kräftig an und kaschiert sein beträchtliches Leergewicht von 2,5 Tonnen weitgehend erfolgreich. In schnell gefahrenen engen Kurven aber neigt der Wagen zum leichten Untersteuern, rutscht also etwas über die Vorderräder, obwohl bis zu 100 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse geleitet werden.Mit Ausnahme des minimalen Zeitverlusts in der Längsbeschleunigung fährt sich der GT S somit grundsätzlich identisch wie der Ende 2024 eingeführte GT Speed. Das überrascht kaum, denn beide Varianten verfügen über das identische Bentley Performance Active Chassis mit Wankstabilisierung. Dieses umfasst ein ausgeklügeltes Fahrwerk mit sportlich abgestimmter Luftfederung, Zweiventilstossdämpfern und elektronischem Sperrdifferenzial.Klanglich unterscheiden sich Continental GT S und GT Speed ebenfalls nur unwesentlich. Schon die serienmässige Sportauspuffanlage verleiht dem Gran Turismo einen Klang, der deutlich vernehmbar, aber doch nicht aufdringlich wirkt. Das ist kein Vergleich mit dem Gekreische mancher Supersportler. Ein solcher will der Bentley trotz famosen Fahrleistungen sowieso nicht sein, obwohl er sich ausdrücklich an eine Klientel richtet, die gerne selbst und vor allem sportlich fährt.Noch mehr Sound gibt es als OptionDieser Kundengruppe scheint der Serienklang dann aber doch zu zurückhaltend zu sein. Denn seit Bentley Mitte 2025 für alle Continental-Varianten eine Auspuffanlage mit Titanelementen des Spezialherstellers Akrapovic im Angebot hat, wird die Option gerne angewählt – bei rund 80 Prozent der Bestellungen. Dieser Auspuff klingt noch etwas kerniger als die Standardanlage. Im Fall des GT S dürfte die Quote kaum tiefer ausfallen, obwohl 11 230 Franken Aufpreis dafür fällig sind.Gefragtes Extra: Die Akrapovic-Auspuffanlage verstärkt den sportlichen V8-Ton und kostet 11 230 Franken Aufpreis.PDMit ein paar weiteren Kreuzchen auf dem Bestellformular für aufpreispflichtige Extras lässt sich ein GT S spielerisch Richtung 300 000-Franken-Marke trimmen – oder darüber hinaus. Besonders die zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten bei Karosserie und Interieur gehen ins Geld. Und machen die Konfiguration gleichzeitig zu einer Herausforderung, denn allein die Auswahl der ab Werk verfügbaren Blautöne für die Aussenlackierung übersteigt mit mehr als zehn die komplette Farbpalette eines gewöhnlichen Herstellers bei weitem.Nicht ganz so vielschichtig präsentieren sich die technischen und funktionalen Optionen, aber auch davon gibt es reichlich. Ergänzend zur Akrapovic-Auspuffanlage lässt sich der Engländer unter anderem mit einer Karbon-Keramik-Bremsanlage ausrüsten. Kostenpunkt: 16 000 Franken. Wer nicht dauernd am Limit unterwegs ist, kann auf sie verzichten. Nicht aber auf das Bentley Rotating Display (knapp 6000 Franken) – ohne diese Versteckfunktion des zentralen Touchscreens im Armaturenbrett hat es der Engländer später im Gebrauchtwagenmarkt schwer.Braucht es den Speed noch?Möchte man einen sportlich abgestimmten Continental GT und kommt man mit rund 100 PS weniger aus, sind die Karbonbremsen und das Rotationsdisplay serienmässig im Preis enthalten. Verglichen mit dem GT Speed kostet der GT S derzeit 20 430 Franken weniger. Das ist selbst in diesen Sphären viel Geld.Individualität aus England: Bentley bietet für das Interieur zahlreiche Farb- und Materialkombinationen an. Das Zentraldisplay versteckt sich im Armaturenbrett.PDEtwas kleiner ist der Preisunterschied zwischen der S- und der Speed-Variante beim Continental-Cabrio GTC. Mit Listenpreisen von 262 920 Franken gegenüber 281 563 Franken fällt der Zuschlag für das versenkbare Dach gegenüber dem GT S Coupé aber sehr hoch aus. Immerhin müssen beim Kofferraumvolumen keine Abstriche gemacht werden, wobei dieses mit 260 Litern aufgrund der 25,9 kWh grossen Plug-in-Hybrid-Batterie eher knapp ist – besonders für ein Coupé.Mehr Platz würde hier der ebenfalls neu eingeführte Continental GT Supersports ohne Akkupaket bieten. Der wiegt als reiner Verbrenner zudem weniger als zwei Tonnen und unterscheidet sich auch durch seinen Heckantrieb am deutlichsten von den anderen Varianten. Aber er ist auf 500 Stück limitiert und bereits ausverkauft. So bleibt dem Continental-Kunden primär die Wahl zwischen dem komfortorientierten Standard-GT, dem sportlichen GT Speed und jetzt dem dazwischen angesiedelten GT S.Weil Bentley mit dem Azure ein noch komfortableres Derivat des 680-PS-GT und mit dem Mulliner eine noch luxuriösere 782-PS-Sportversion oberhalb des GT Speed anbietet, sind parallel insgesamt fünf Continental-GT-Varianten verfügbar. Aus rationaler Sicht mindestens eine zu viel, denn der GT S macht den GT Speed nur dann nicht überflüssig, wenn man die minimalen Fahrleistungsunterschiede tatsächlich spürt und unbedingt schneller als 308 km/h fahren muss.Nach oben offen: Wer den GT S als Cabrio (links) möchte, zahlt über 20 000 Franken mehr.PDDie Testfahrt wurde durch Bentley unterstützt.Passend zum Artikel