Gold im Visier – die Serie von Museumsüberfällen in Frankreich bricht nicht abFrankreichs Regierung erarbeitet seitenweise Sicherheitsmassnahmen. Die Diebe aber gehen immer unverfrorener vor.Peter Kropmanns, Paris04.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEin halbes Kilo massives Gold: Darauf haben es die Diebe abgesehen im Fall des gallischen Goldschmucks von Vix.Culture Club / Hulton / GettyZu den berühmtesten Skulpturen der Antike gehört der zu Boden gestürzte «Sterbende Gallier». Auf seine Herkunft weisen strähnige Locken und ein Schnauzbart, aber auch ein Reif am Hals. Schmuck dieser Art, den man als Torques bezeichnet, kennt man von Grabbeilagen. Ein solcher Torques wurde 1953 bei Vix (Burgund) von Archäologen freigelegt. Er gehörte einer keltischen Prinzessin, die in der Hallstattzeit bestattet worden war. Der Fund gelangte dann in das wenige Kilometer entfernte Museum von Châtillon-sur-Seine. Dort war der Reif ein Besuchermagnet – bis zu seinem Diebstahl im Juli.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Raub geschah im dritten Anlauf, am helllichten Tag, und dauerte nur wenige Minuten. Der Materialwert des «Torques de Vix», der aus fast einem halben Kilogramm massiven Goldes besteht, lässt sich berechnen – gut 50 000 Euro. Der ideelle Wert der Rarität von historischer Bedeutung aus vorrömischer Zeit ist indes nicht zu beziffern.Ebenfalls im Juli drangen Diebe in das Musée Lalique von Wingen-sur-Moder, einem Örtchen in den Vogesen des nördlichen Elsass. Sie raubten hier 27 Schmuckstücke, deren Wert mit 4,5 Millionen Euro angegeben wird.Theoretisch unverkäuflichSchon kurz vor dem Verlust von Kronjuwelen des Louvre in Höhe von 88 Millionen Euro – der blitzschnelle Einstieg via Möbelaufzug sorgte im Oktober weltweit für Aufsehen – sind Diebe immer wieder erfolgreich gewesen. So wurden im September an der Galerie de minéralogie, die zum Muséum national d’histoire naturelle am Pariser Jardin des plantes gehört, sogenannte Nuggets entwendet. Die sechs Kilo schweren Goldklumpen erbringen gut 600 000 Euro, sind aber von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert.Tatsächlich wecken Objekte aus Gold, die unverkäuflich sind, aber eingeschmolzen werden können, die grössten Begierden. Dies bestätigen Einbrüche in das Bode-Museum in Berlin sowie in das Kelten-Römer-Museum in Manching bei Ingolstadt. Die 2017 in Berlin entwendete Goldmünze hatte einen Marktwert von 3,7 Millionen Euro; der materielle Wert der 2022 geraubten 480 Goldmünzen, die 1999 bei Grabungen in Oberbayern gefunden worden waren, wurde auf 1,5 Millionen Euro taxiert.Wie beim Raub im Louvre hatten es Diebe 2019 im Dresdner Grünen Gewölbe auf edles Geschmeide abgesehen. Es war mit über 4000 Diamanten besetzt und mit über 110 Millionen Euro versichert, aber von unschätzbarem ideellem Wert.Der Bruststern des polnischen Weissen Adler-Ordens und weitere Preziosen der Brillantgarnitur waren Teil der beim Juwelenraub 2019 aus dem Grünen Gewölbe in Dresden entwendeten Schmuckstücke. Sie werden hier nach ihrer Rückkehr wieder ausgestellt.REUTERSBrutalität der DiebeDas französische Kulturministerium hat in den letzten Monaten an einem «Aktionsplan Sicherheit» gearbeitet. Das unlängst veröffentlichte Papier geht auf das Empfinden zurück, in den letzten Jahren hätten Unverfrorenheit, ja Brutalität von Museumsdieben zugenommen, insbesondere wenn sie organisierter Kriminalität zuzurechnen seien.Das Dokument umfasst 28 Seiten, hat 30 Seiten Anhang und richtet sich an die staatlichen Museen. Diese Institutionen, aber auch kommunale und private Museen haben zwar spätestens im letzten Herbst ihre Sicherheitsmassnahmen selbsttätig überprüft und verstärkt. Doch zweifellos hilft der «Plan d’action de sûreté», weitere Defizite zu erkennen.So betrafen Weiterbildungen bisher vorwiegend Sicherheitsmitarbeiter, nicht aber die gesamte Belegschaft. Wie mitunter traumatisiertes Personal psychologisch und physisch Skrupellosigkeit begegnen kann, ist dem Bericht jedoch nicht zu entnehmen.Herzstück der Bilanz sind 33 Schritte unter anderem für besseren Informationsfluss und der Rat, besonders gefährdete Objekte vorübergehend aus Schauräumen zu entfernen, bis nachjustiert werden kann. Es besteht Handlungsbedarf: Erst letzte Sonntagnacht drangen Täter über eine Aussentreppe zu einem Fenster des bedeutenden Kunstmuseums von Grenoble, flohen aber vor einem Wachmann.Passend zum Artikel