Weitere Personalrochade in der Ukraine: Kiews Chefunterhändler Rustem Umerow wird neuer GeheimdienstchefIm Nachgang der schweren Krise um die jüngste Regierungsumbildung nimmt Präsident Selenski weitere Personalwechsel vor. Seine Kritiker, die über die Entlassung des populären Verteidigungsministers Fedorow empört sind, wird er damit aber nicht besänftigen.03.08.2026, 18.01 Uhr3 LeseminutenRustem Umerow war bereits Verteidigungsminister und Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine. Nun soll er den Auslandsgeheimdienst leiten.Imago/Pavlo BahmutDer ukrainische Präsident setzt die Personalrochade in hohen Staatsämtern fort. Am Montag ernannte Wolodimir Selenski den Vorsitzenden des nationalen Sicherheitsrats und früheren Verteidigungsminister Rustem Umerow zum neuen Chef des Auslandgeheimdiensts SSR. Umerows Nachfolger im Sicherheitsrat, dem höchsten Gremium zur Koordinierung der Sicherheitspolitik, wird der ehemalige Innenminister Ihor Klimenko.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Krise ist noch nicht ausgestandenDie Neubesetzungen erfolgen vor dem Hintergrund der Regierungsumbildung Mitte Juli, deren Verwerfungen weiterhin nachwirken. Die Entlassung des populären Verteidigungsministers Michailo Fedorow hatte landesweite Proteste und eine der schwersten innenpolitischen Krisen seit dem russischen Grossangriff ausgelöst.Dem Entscheid lag ein Konflikt zwischen Fedorow und Armeechef Olexander Sirski zugrunde. Dass sich Selenski gegen den jugendlich auftretenden, technologieaffinen Fedorow entschied, obwohl dieser in Bevölkerung und Armee ungleich beliebter ist als der noch zu Sowjetzeiten ausgebildete General Sirski, sorgte für grosse Empörung.Hinzu kamen Spekulationen, Selenski wolle sich auch deshalb Fedorows entledigen, weil ihm dieser eines Tages politisch gefährlich werden könnte. Der ukrainische Präsident hat seit dem russischen Überfall bereits mehrmals Personalrochaden in der Regierung und dem Sicherheitsapparat durchgeführt. An den realen Machtverhältnissen im Land, die ganz auf den Präsidenten zugeschnitten sind, änderte sich dadurch aber jeweils nicht.Angesichts des riesigen Unmuts im Land entliess Selenski einige Tage nach Fedorows Demission auch Sirski und ersetzte ihn durch Michailo Drapati. Die Ernennung des Generals, der auch von Fedorow in den höchsten Tönen gelobt wird, war ein Versuch, die Krise zu entschärfen.Enger Vertrauter SelenskisDie am Montag bekanntgemachten Neubesetzungen folgen nun allerdings erneut ganz dem Muster früherer Personalrochaden, als verdiente Vertraute des Präsidenten den Posten wechselten, um so den Anschein eines Wandels zu vermitteln. Wahlen und Regierungswechsel sind im Kriegszustand in der Ukraine nicht möglich.Rustem Umerow gehört dem engen Machtzirkel um Selenski an. Der Politiker aus der krimtatarischen Minderheit, die unter der russischen Besetzung ihrer Heimat besonders zu leiden hat, wurde im September 2023 zum Verteidigungsminister ernannt, nachdem sein Vorgänger wegen eines Skandals im Beschaffungswesen zurücktreten musste. Im Juli 2025 erfolgte der Wechsel in den Sicherheitsrat.In dieser Funktion leitete er auch die ukrainische Delegation in den von Washington angestossenen Verhandlungen mit Russland. Diese Rolle soll Umerow auch in Zukunft beibehalten. Ebenso soll er den sogenannten Drone Deal, den Export ukrainischer Expertise im Drohnensektor, koordinieren, wie Selenski am Montag erklärte.Umerow unterhält gute Beziehungen in die wichtigsten Partnerländer der Ukraine. Bei reformorientierten Kreisen steht er aber in der Kritik. Es gibt Gerüchte über Umerows Verwicklung in den grossen Korruptionsskandal im Energiesektor, der im vergangenen Jahr unter anderem Selenskis mächtigen Stabschef zu Fall brachte. Belastbare Beweise liegen aber keine vor.Ihor Klimenko wiederum, der neue Sekretär des Sicherheitsrats, war eigentlich als Nachfolger des entlassenen Verteidigungsministers Fedorow vorgesehen. Wegen der Empörung in der Bevölkerung sah Selenski jedoch von diesem Schritt ab. Nun wurde eine neue Verwendung für Klimenko gefunden.Proteste halten anDie Unzufriedenheit über Fedorows Entlassung hält derweil an. Vergangenen Freitag forderten erneut Demonstranten in Kiew dessen Wiedereinsetzung als Verteidigungsminister. In einem Interview mit der «Ukrainska Prawda» erklärte Fedorow vor einigen Tagen seine Bereitschaft, in die Regierung zurückzukehren, allerdings nur in seiner früheren Rolle. Hierzu ist Selenski bisher nicht bereit.Passend zum Artikel