Ist der Krieg in Iran in Form von Cyberangriffen auf Infrastruktur in den USA angekommen? Diese Frage stellen sich Amerikaner nach einer Serie von Hackingattacken auf kommunale Wasserversorgungssysteme. Die Bundespolizei und die Umweltbehörde EPA hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, Wasser- und Abwasserunternehmen in mindestens sieben Bundesstaaten hätten Angriffe auf ihre Computersysteme gemeldet, und in einigen Fällen habe dies zu einer „Beeinträchtigung“ des Betriebs geführt.Allein der Bundesstaat Minnesota gab bekannt, mehr als 30 kommunale Wasserversorger seien von einer „koordinierten Cyberattacke“ betroffen gewesen. Die Cybersicherheitsbehörde CISA sagte, es seien mehrere Aufforderungen an die Bevölkerung erteilt worden, Trinkwasser vor der Verwendung abzukochen. Außerdem sei es zu Fällen von „fortgesetztem manuellen Betrieb“ gekommen.Trump wirft der Regierung von Minnesota Inkompetenz vorDie Verunsicherung ist umso größer, weil von der US-Regierung unterschiedliche Angaben kommen, wer hinter den Attacken stecken könnte. Das FBI äußerte sich nicht offiziell zu den Angreifern, allerdings berichteten die „New York Times“ und die „Washington Post“ unter Berufung auf nicht genannte Regierungsvertreter, dass vorläufigen Untersuchungen zufolge Iran verantwortlich gewesen sein dürfte, auch wenn dies noch nicht mit Gewissheit zu sagen sei.Dem widersprach allerdings US-Präsident Donald Trump, der ein Interesse hat, Auswirkungen des in seinem Land zunehmend unpopulären Krieges herunterzuspielen. Während einer Kabinettssitzung in Camp David gab er der Führung des Bundesstaats Minnesota um Gouverneur Tim Walz die Schuld und warf ihr Inkompetenz vor. Iran habe „größere Probleme“ als Minnesota. Walz war Kandidat der Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsidenten bei den Wahlen 2024, Trump hat ihn schon oft attackiert.Walz konterte auf der Plattform X: „Trump weiß genau, wer für diese Attacke verantwortlich war, und er weiß, dass auch andere Bundesstaaten betroffen waren. So sieht moderne Kriegsführung aus, und es unterstreicht einmal mehr, dass es keinen Plan gibt, den Krieg mit Iran zu gewinnen.“ Walz warf Trump weiter vor, mit der zeitweise von Elon Musk geführten Arbeitsgruppe DOGE Einschnitte bei der Behörde CISA umgesetzt zu haben. Dies habe die USA anfällig für Hackingangriffe gemacht.Sorgen um ComputersystemeEs gibt bislang keine Anzeichen dafür, dass die Angriffe größere Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität in den betroffenen Regionen hatten. Wie die „New York Times“ schrieb, seien Behörden im ganzen Land aber in Alarmbereitschaft. Sie machten sich Sorgen über die Anfälligkeit von Computersystemen, die genutzt werden, um die Wasserqualität zu beaufsichtigen und anzupassen.Das FBI und die EPA haben in der vergangenen Woche zunächst nicht gesagt, welche Bundesstaaten von den Angriffen betroffen waren. Minnesota hat als einer der ersten Bundesstaaten bekannt gegeben, Ziel von Cyberattacken gewesen zu sein. Mittlerweile haben auch andere Bundesstaaten wie Michigan und South Dakota Angriffe gemeldet.Ein Sprecher der Regierung in Michigan sagte, eine kleine Zahl von Kommunen in dem Bundesstaat hätte von „Aktivitäten“ berichtet, die mit den Beschreibungen der Bundesbehörden übereinstimmen. Alle betroffenen Wasserversorger seien allerdings in der Lage gewesen, ihren Betrieb sicher fortzusetzen, und es gebe „keine bekannten Auswirkungen“, die eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen könnten.Die Cyberbehörde CISA teilte in der vergangenen Woche mit, Wasserversorgungssysteme „aller Größenordnungen“ seien attackiert worden. Die Behörde warnt schon seit Monaten vor Cyberangriffen aus Iran. Sie hat gesagt, solche Attacken könnten „kritische Infrastruktur“ wie Wasser- und Abwassersysteme sowie Energieversorger treffen.