Herr Gerber, wie läuft Ihr Geschäft derzeit? Easyjet-Chef Kenton Jarvis sagte kürzlich, im zweiten Quartal habe die Nachfrage auf einigen Strecken nur mit niedrigeren Preisen angekurbelt werden können. Gilt das auch für Sie?Das ist überall so, auch bei uns. Die Menschen entscheiden derzeit sehr kurzfristig. Gerade buchen alle. Wirklich erklären kann ich mir das nicht. Vielleicht geht den Menschen vieles auf die Nerven und sie wollen weg?Wovor fliehen die Menschen? Vor all den geopolitischen Krisen und den nicht enden wollenden Kriegen?Vielleicht. Aktuelle Zahlen zeigen jedenfalls, dass die Fluggesellschaften vom Persischen Golf fast wieder auf Vorkrisenniveau fliegen, einige fliegen sogar mehr. Das spricht dafür, dass die Menschen ihre Reisen unabhängig von den aktuellen Krisen planen.Auch Condor scheint sich davon unabhängig zu machen. Das Ziel Dubai steht ab November wieder in Ihrem Flugplan. Glauben Sie wirklich, dass das funktioniert?Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Wir fliegen nur dann, wenn es die Situation erlaubt. Aber Dubai und der Nahe Osten sind Märkte, die die Leute sehen wollen.Als Ziel oder zum Umsteigen?Dubai ist bei uns stärker ein Ziel. Umsteigeverkehr sehen wir eher in Abu Dhabi, wegen des dortigen Netzangebots. Ich glaube, es ist ein vertretbares Risiko, diese Flüge jetzt in den Verkauf zu bringen.Das müssen Sie erklären.Das ist meine persönliche Einschätzung: Auch wenn die Positionen derzeit weit auseinanderliegen, verfolgen beide Seiten Interessen, die grundsätzlich Raum für eine Verständigung schaffen könnten. Für den Iran spielen nicht nur der Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten, ein Ende der militärischen Angriffe und verlässliche Sicherheitsgarantien eine wichtige Rolle. Bedeutsam ist für ihn auch die Möglichkeit, wieder Öl zu exportieren. Vita Peter Gerber Peter Gerber wurde am 1. März 1964 in Gießen geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft. Seine Karriere als Luftfahrt-Manager begann 1992 mit seinem Einstieg bei Lufthansa. Dort übernahm er verschiedene Führungsaufgaben, war unter anderem der Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo und der Tochter Brussels Airlines. Im Februar 2024 übernahm er den Chefposten bei Condor. Gerber spielte in jungen Jahren Schach in der zweiten Bundesliga. Trotz seines Studiums kam der Job als Anwalt für ihn nicht in Betracht. Stattdessen überlegte er für kurze Zeit, in den Journalismus zu gehen, bevor er sich für die Luftfahrt entschied. Gerber ist Vater von zwei Kindern.Condor fliegt seit 1956 Urlauber zu Ferienzielen. Aktuell befördert das Unternehmen mit rund 60 Jets und 5000 Beschäftigten etwa zehn Millionen Fluggäste zu über 70 Zielen. Condor ist seit Längerem dabei, die Flotte zu modernisieren – mit Kurz- und Langstreckenflugzeugen von Airbus. Viele Jahre – bis zum Februar 2009 – war die Airline Teil von Lufthansa. Dann übernahm der Reisekonzern Thomas Cook das Unternehmen. Als Thomas Cook Insolvenz anmelden musste, stand auch Condor vor dem Aus. Die Muttergesellschaft der polnischen Airline LOT wollte die Fluggesellschaft übernehmen, machte in der Pandemie aber einen Rückzieher. Schließlich stieg der britische Fonds Attestor mit 49 Prozent bei Condor ein, die restlichen Anteile liegen aktuell noch beim deutschen Staat.Und die USA?Auch die USA haben ein erhebliches Interesse daran, eine weitere militärische Eskalation zu begrenzen und die Belastung für ihre Streitkräfte zu reduzieren, zumal eine anhaltende Auseinandersetzung erhebliche wirtschaftliche und militärische Kosten verursacht. Hinzu kommt, dass hohe Energiepreise in den USA innenpolitisch eine wichtige Rolle spielen – gerade mit Blick auf die Zwischenwahlen im November. Ich weiß es natürlich nicht, aber es könnte auf beiden Seiten genügend gemeinsame Interessen geben, um am Ende doch zu einer belastbaren Vereinbarung zu kommen.Was auch gut für Ihre Treibstoffrechnung wäre, denn die neue Eskalation treibt die Ölpreise wieder nach oben. Können Sie die Zusatzbelastung trotz der erwähnten Preisstimulationen an die Passagiere weitergeben?Nein, wir werden im gesamten Markt bei den bevorstehenden Quartalszahlen sehen, dass die Treibstoffkosten die Gewinne zum Teil aufgezehrt haben. Ryanair musste vor wenigen Tagen einen Gewinneinbruch melden.Das sind schlechte Aussichten für all jene, die auf deutlich billigere Flugtickets hoffen …… da sage ich jetzt mal: Das ist illusorisch.Was bedeuten die Mehrkosten für Ihr Ziel, das operative Ergebnis im laufenden Jahr weiter zu steigen?Unser Geschäft entwickelt sich insgesamt solide. Einzelne Bereiche entwickeln sich dabei besonders stark – etwa unser Frachtgeschäft. Zu konkreten Ergebnisprognosen während des laufenden Geschäftsjahres äußern wir uns jedoch nicht.
Luftfahrt: Condor-Chef Peter Gerber schließt sinkende Ticketpreise aus
Im Handelsblatt-Interview erklärt der Airline-Manager, was die hohen Kerosinpreise für die Branche und deren Kunden bedeuten. Und warum er trotzdem das eigene Angebot ausbauen will.








