Die hohen Spritpreise scheinen kaum noch zu interessieren. Dabei sind sie so hoch wie noch nie: Gut 2,40 Euro kostet der Liter Diesel, gut 2,30 der Liter Super E10. Das ist wesentlich mehr als im März oder April, bevor für zwei Monate der umstrittene Tankrabatt der Bundesregierung die Preise etwas dämpfte. Damals war die Empörung ob der hohen Preise an der Zapfsäule groß. Doch jetzt sind alle erst mal in den Sommerferien und tanken günstig im Ausland.Alles scheint vergeben und vergessen. Die Psychologen nennen so ein Verhalten „Experiential Avoidance“ – also das Verleugnen oder Verdrängen von offensichtlich gravierenden Problemen. Der Iran-Krieg tobt weiter. Die Erdöl-Reserven der OECD-Staaten schrumpfen beständig. Die Erdgasspeicher füllen sich bis zur Heizsaison nicht rechtzeitig. Und: Die Inflationsrate ist im Juli um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent gestiegen. Doch jetzt ist erst mal Sommerpause.Doch während am Strand die sanfte Brandung des Mittelmeers plätschert, baut sich am Horizont ein gewaltiger Tsunami auf, der nicht nur Europa fluten könnte.

Donald Trumps Erdöl-Lager erreichen technisches Limit

Tatsächlich ist die Lage wesentlich ernster als noch im Frühjahr. Die befürchtete „Kerosin-Triage“ blieb zwar bislang aus und alle konnten sicher in den Urlaub fliegen. Aber das geht nur mithilfe der USA. Noch. Die Vereinigten Staaten verfügen aktuell über 308 Millionen Barrel Rohöl in ihrer strategischen Erdölreserve. Das sind nur mehr 43 Prozent der Gesamtkapazität – der niedrigste Stand seit 1983.